Über X-Road werden Daten schnell, sicher und souverän zwischen Behörden, Kommunen und weiteren beteiligten Organisationen ausgetauscht. Schleswig-Holstein hat dafür eine produktive Infrastruktur aufgebaut und setzt erste konkrete Anwendungsfälle um.
Schleswig-Holstein möchte die Datenübermittlung einfacher und sicherer gestalten – mit X-Road, einer digitalen Infrastruktur für den geschützten Datenaustausch. Sie verbindet Fachverfahren unterschiedlicher Organisationen direkt miteinander und kann dadurch manuelle Übermittlungen, beispielsweise per E-Mail, ersetzen. So werden Verwaltungsabläufe vereinfacht und der Aufwand für alle Beteiligten reduziert.
Das System nutzt dafür eine verschlüsselte und sichere Infrastruktur, über die Daten direkt zwischen den angeschlossenen Organisationen übertragen werden. Die Übertragungen werden signiert und protokolliert. X-Road ist dabei eine technische Transportschicht – die Daten werden nicht zentral in X-Road gespeichert.
Wie funktioniert X-Road?
X-Road wurde 2001 als Kernkomponente der digitalen öffentlichen Infrastruktur (DPI) Estlands entwickelt, um einen sicheren, nahtlosen und effizienten Datenaustausch zwischen Regierungsinstitutionen und dem privaten Sektor zu schaffen. In Estland sind dadurch 99 Prozent aller bürgernahen Dienstleistungen vollständig digitalisiert. Das zeigt: Was für Schleswig-Holstein eine visionäre Idee ist, funktioniert international bereits erfolgreich. Das Prinzip: Es gibt einen X-Road-Betreiber, zum Beispiel das Land Schleswig-Holstein, der als Eigentümer für den Gesamtbetrieb verantwortlich ist, sowie die X-Road-Mitglieder als Dienstleister oder Dienstnutzer. Alle Mitglieder sind über Sicherheitsserver mit der X-Road verbunden und können selbst festlegen, mit welchen Mitgliedern sie welche Daten austauschen.
Landesregierung entwickelt die digitale Infrastruktur für die Verwaltung weiter
Die Landesregierung baut die sogenannte E-Government-Infrastruktur weiter aus. E-Government bezeichnet die elektronische Abwicklung von Verwaltungsprozessen. Mit X-Road entsteht eine Infrastruktur, die den direkten und sicheren Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Fachverfahren unterstützt und perspektivisch auch über Ländergrenzen hinweg eingesetzt werden kann. Ein wichtiger Baustein dabei ist X-Road – ein System, das in die bestehende digitale Infrastruktur eingebaut wird. Damit geht Schleswig-Holstein einen weiteren Schritt zu mehr digitaler Souveränität und kann Abhängigkeiten bei der digitalen Infrastruktur und beim Datenaustausch reduzieren. Davon können perspektivisch auch teilnehmende Unternehmen profitieren. Denn Schleswig-Holstein setzt auch hier auf Open-Source-Software. Das heißt, Der Quellcode ist offen zugänglich und kann unabhängig geprüft und weiterentwickelt werden.
X-Road stellt den geschützten technischen Übertragungsweg bereit, schafft aber selbst keine rechtliche Grundlage für den Austausch personenbezogener Daten. Für jeden Anwendungsfall wird deshalb geprüft, welche Daten für welchen Zweck und auf welcher gesetzlichen Grundlage übermittelt werden dürfen. Die jeweils beteiligten Organisationen bleiben so souverän über die durch sie verarbeiteten Daten und können dadurch ihrer datenschutzrechtlichen Verantwortung gerecht werden. Die Übertragungen werden protokolliert und sind dadurch nachvollziehbar.
Erste Anwendungsfälle in Schleswig-Holstein
Für die Umsetzung werden Anwendungsfälle ausgewählt, bei denen Daten bereits heute rechtmäßig zwischen den beteiligten Stellen ausgetauscht werden und die Übermittlung durch X-Road sicherer, strukturierter und möglichst automatisiert erfolgen kann. Voraussetzung sind unter anderem eine eindeutige Rechtsgrundlage, digital verfügbare Daten, geeignete Schnittstellen sowie ausreichende fachliche und technische Kapazitäten. Ein erster produktiver Anwendungsfall ist die tägliche Übermittlung von Einsatz- und Krankentransportdaten sowie von Leitstellen- und Abrechnungsdaten eines Rettungsdienstes an ein Auswertungsunternehmen. Der bisherige Versand per verschlüsselter E-Mail wurde durch eine strukturierte und automatisierte Übertragung über X-Road ersetzt. Dadurch werden manuelle Arbeitsschritte reduziert und mögliche Übertragungsfehler vermieden.
Weitere Anwendungsfälle im Kontext der Unternehmensdaten ergeben sich aus der Anbindung des Handelsregisters an die X-Road, zum Beispiel die Automatisierung der Prozesse rund um die Prüfung von Vertretungsbefugnissen von Unternehmen gegenüber anderen juristischen Personen wie Banken. Verwaltung und Wirtschaft können so aufwendige manuelle Abläufe sowie Medienbrüche reduzieren. Gemeinsam mit dem IT-Verbund Schleswig-Holstein und den Kommunen werden darüber hinaus weitere geeignete Anwendungsfälle gesucht und geprüft. Veränderungen dieser Art benötigen Zeit sowie klare rechtliche, organisatorische und technische Voraussetzungen. Jeder erfolgreich umgesetzte Anwendungsfall schafft jedoch die Grundlage für eine einfachere, sicherere und stärker vernetzte Verwaltung in Schleswig-Holstein.
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