Nach der gemeinsamen Begrüßung durch die Gb-Schule Dagmar Lorenzen aus dem Bildungsministerium und der Gb-B Carmen Hockerup aus dem SHIBB startete um 9.30 Uhr der Impulsvortrag: Gleichstellung im Wandel: Polarisierung und junge Generationen im Fokus. Referentinnen waren Theresa Kauffeld und Louisa Wiethold von
Equalista
Der Vortrag gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, Zahlen und Herausforderungen der Gleichstellungsarbeit und verknüpfte diese mit dem Alltag in Berufsschule, Ausbildung und Beruf. Im Zentrum stand die Frage, wie junge Menschen Gleichstellung in Zeiten nie dagewesener Freiheiten, aber auch von Retraditionalisierung, globalem Backlash und der prägenden Rolle von KI und Social Media wahrnehmen. Ihre spezifischen Fragen, Erfahrungen und Herausforderungen wurden in den Gesamtkontext von Gleichstellung eingeordnet und es wurde aufgezeigt, welche Chancen und Verantwortung sich daraus für Schule, Betriebe und Gesellschaft ergeben. Die Diskussion der Referentinnen mit dem Plenum war sehr angeregt und für alle insbesondere im Hinblick auf die Gefahren von KI im gesellschaftlichen Kontext und der dortigen Verfestigung von vorhandenen Wahrnehmungsverzerrungen hinsichtlich verschiedener Gleichstellungsfragen außerordentlich spannend.
Folgende Workshops fanden statt:
Alles im Kopf? Mental Load und Care-Arbeit sichtbar machen
Care-Arbeit bedeutet: Für andere sorgen: in Familien, in Beziehungen, in Teams. Mental Load meint die unsichtbare Denkarbeit, die entsteht, wenn man ständig alles im Blick behalten muss: Termine, Aufgaben, Absprachen. Beide Phänomene betreffen nicht nur das Privatleben, sondern spiegeln sich auch im beruflichen Alltag wide. Gerade für Lehrkräfte, die mit vielfältigen Erwartungen und ständiger Verantwortung umgehen.
Im Workshop schauten wir uns an, wie Care-Arbeit und Mental Load wirken, warum sie oft ungleich verteilt sind und unsichtbar bleiben und welche Folgen sie für Gleichstellung und Zusammenarbeit haben. Die Teilnehmenden erhielten Impulse, um eigene Erfahrungen einzuordnen und Anknüpfungspunkte für den schulischen Kontext zu finden.
KI & Gleichstellung im Berufsschulkontext: Chancen, Risiken und Praxisideen
Lernende werden KI im Alltag und beim Lernen einsetzen, ob wir wollen oder nicht. Doch KI ist kein neutraler Raum: In ihr spiegeln sich Werte, Vorstellungen und Ideologien wider, die auch das Verständnis von Gleichstellung prägen. Das kann Chancen eröffnen und Perspektiven weiten, birgt aber auch Risiken wie stereotype Darstellungen, einseitige Genderbilder, die Verstärkung bestimmter Gleichstellungsideen oder gar politische Instrumentalisierung und Polarisierung. Im Workshop reflektierten wir diese Spannungsfelder, schauten uns Praxisbeispiele und Tools an und entwickelten gemeinsam Ansätze, wie Lehrkräfte KI kritisch-reflexiv einsetzen und dabei Gleichstellung im Berufsschulkontext stärken können.
Intersektionalität: wenn Geschlecht nicht der einzige Unterschied ist
Vielfalt ist ein fester Bestandteil des schulischen und beruflichen Alltags. Schüler*innen bringen unterschiedliche Lebenswelten, Sprachen, Geschlechterrollen, soziale Hintergründe, körperliche Voraussetzungen und kulturelle Prägungen mit. Diese Unterschiede überschneiden sich und wirken nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel – genau hier setzt der Begriff der Intersektionalität an. Er beschreibt, wie verschiedene Diskriminierungs- und Ungleichheitsdimensionen zusammenwirken und individuelle Erfahrungen prägen.
In diesem 90-minütigen Workshop setzten sich Lehrkräfte interaktiv und praxisnah mit Intersektionalität auseinander. Anhand von kurzen Impulsen, Fallbeispielen und kreativen Methoden reflektierten sie ihre eigenen Perspektiven und entdeckten, wie mehrfach verschränkte Ungleichheiten im Schulalltag sowie im Berufsleben sichtbar werden. Ziel war es, Sensibilität für die komplexen Lebenslagen von Schüler*innen zu entwickeln und Handlungsoptionen kennenzulernen.
Offen, aber nicht grenzenlos: Kontroverse Perspektiven in der Gleichstellungsarbeit
In der Gleichstellungsarbeit gibt es nicht den einen richtigen Weg und Vielfalt an Sichtweisen gehört dazu und führt im besten Fall zu besseren Ergebnissen. Dieser Workshop lud ein, unterschiedliche Ansätze kennenzulernen, den Blick für Optionen, Freiheiten und Flexibilität zu weiten und kritisch zu prüfen, wo eine Verengung des Diskurses – gerade in Zeiten globaler Backlashs – Gleichstellung schwächt. Wir fragten gemeinsam: Wo ist berechtigte Kritik und Weiterentwicklung nötig, und wo müssen wir Haltung zeigen und klar bleiben? Wo verlaufen die roten Linien? Wo ist Toleranz geboten, und wo braucht es klare Haltung gegen Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit? Gemeinsam entwickelten wir Orientierungen, wie Verantwortung für Gleichstellung in Schule, Betrieb und Gesellschaft übernommen werden kann.
Am Ende nach den Workshops trafen sich alle Teilnehmenden zu einem letzten gemütlichen Kaffee und einem kurzen Feedback.
Alle waren sich einig, dass es eine gelungene Veranstaltung mit vielen neuen Impulsen war.
Nächstes Jahr findet das Forum am 1.3.2027 statt. Weitere Informationen erfolgen beizeiten.
Zum Ende ein kleines Bonbon für alle.
Inspiriert durch die Workshops, die Andreas Bitzer, noch Schulleiter der Walther-Lehmkuhl-Schule, gemeinsam mit seiner Gleichstellungsbeauftragten Alexandra Wedi-Kahlke besucht hatte, schickte er mir am nächsten Tag ein mit KI erstelltes Lied passend zur Veranstaltung. Er merkte noch an, er hoffe, er hätte meinen Musikgeschmack getroffen 😄.
Hat er! Herzlichen Dank dafür und viel Spaß Ihnen!
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