Das Arbeitsprogramm ergibt sich aus den politischen Beschlüssen zum "Landesprogramm zum Schutz der Böden und zum nachhaltigen Flächenmanagement" und zum "Landesentwicklungsplan Schleswig-Holstein - Fortschreibung 2021".
Gesetzliche Grundlagen und Steuerung
Die flächenpolitische Strategie muss vor allem in den Kommunen umgesetzt werden. Das erforderliche Instrumentarium liefert das Baugesetzbuch (BauGB). Der Vorrang der Innen- vor der Außenentwicklung – und damit der Gedanke einer nachhaltigen Stadtentwicklung – ist darin verankert (§ 1 Abs. 5) ebenso wie Bedeutung des Bodens als hohes Gut und somit das Ziel des Flächensparens (§1a Abs. 2 so genannte Bodenschutzklausel).
Leitvorstellungen und Vorgaben für eine ausgewogene Siedlungs- und Freiraumstruktur ergeben sich außerdem aus dem Raumordnungsgesetz des Bundes und den Landesplanungsgesetzen bzw. den Landesentwicklungs- und Regionalplänen der Bundesländer.
Beschluss der Raumentwicklungsministerkonferenz (RMK)
Auf der 49. Sitzung der Raumentwicklungsministerkonferenz am 27.11.2025 in Bremen wurde vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen und den damit einhergehenden wachsenden Flächenbedarfen und Nutzungsinteressen das „Leitbild: Flächenbedarfe und Flächenkonkurrenzen gestalten“ beschlossen. Die Raumentwicklungsministerkonferenz erkennt den positiven Trend der Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrsflächen in den letzten Jahren an, formuliert in dem Leitbild dennoch weitere konkrete Handlungsansätze zum bewussten und sparsamen Umgang mit der Fläche.
Neuinanspruchnahme ungleich Versiegelung
Unter "Flächenneuinanspruchnahme" versteht man die Umwandlung von Freiraumflächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen (SuV-Flächen). Da die Siedlungs- und Verkehrsflächen neben Wohnbau-, Gewerbe- und Verkehrsflächen auch Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen, Parks, Garten- oder Grünanlagen umfassen und nicht alle diese Flächen vollständig überbaut sind, ist Inanspruchnahme von Flächen nicht mit Versiegelung gleichzusetzen. In Schleswig-Holstein gelten ungefähr 45 bis 50 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen als versiegelt.
Häufig wird synonym zu Neuinanspruchnahme von Flächen auch der Begriff "Flächenverbrauch" benutzt. Damit soll deutlich gemacht werden, dass Boden ein endliches Gut ist, das – einmal für Siedlungs- und Verkehrszwecke in Anspruch genommen – natürliche ökologische Funktionen verliert und für andere Nutzungen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht.
Die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen geht in der Regel zu Lasten landwirtschaftlich genutzter Flächen. Auch auf unversiegelten Siedlungs- und Verkehrsflächen kann keine landwirtschaftliche Produktion mehr stattfinden. Zudem werden natürliche Bodenfunktionen beeinträchtigt oder ganz zerstört.
Durch Versiegelung wird nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, sondern auch die Kapazität des Bodens zur Grundwasserneubildung und zur Speicherung von Treibhausgasen zerstört. Daraus ergeben sich wiederum negative Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung und das lokale Klima.
Ein Anstieg der Fläche pro Einwohnerin und Einwohner bei kontinuierlich abnehmender Siedlungsdichte bedeutet, dass eine größere Gesamtheit von Infrastrukturen von immer weniger Einwohnerinnen und Einwohnern genutzt wird.
Die Kosten für neue technische und soziale Infrastrukturen belasten Kommunen zusätzlich, obwohl diese Infrastrukturen zugleich häufig schlechter ausgelastet sind.
Der verschwenderische Umgang mit Fläche gefährdet also nicht nur die naturräumliche Vielfalt, sondern auch die Finanzkraft der Kommunen und die Lebensqualität der Bevölkerung.
Neben der Zerschneidung von Landschaftsräumen und einer Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch weiter zunehmende Zersiedelung gehen Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren. Die Biodiversität nimmt ab.
Außenentwicklung wirkt oft einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung entgegen. Mehr innerörtliche Leerstände und Brachflächen verursachen steigende Kosten für die Verkehrssicherung und lassen Ortskerne weniger attraktiv erscheinen.
Menschen sind infolge von Zersiedelung auf eigene Fahrzeuge im Alltag angewiesen. Nicht nur ihre Lebenshaltungskosten steigen, sondern auch der Verkehr, Lärm und die Schadstoffbelastungen.
Messung der Neuinanspruchnahme von Flächen
Seit 1992 wird die Entwicklung der Neuinanspruchnahme von Flächen für das gesamte Bundesgebiet über die Angaben zur tatsächlichen Flächennutzung in den amtlichen Liegenschaftskatastern beobachtet.
Aktion Fläche – Portal für Kommunales Flächensparen
Aktion Fläche ist die Informations- und Kommunikationsplattform des Bundes zum Thema Flächensparen. Das Internet-Portal bietet Informationen über Strategien, Instrumente, Werkzeuge und Praxisbeispiele, die auf einen sparsamen Umgang mit der Ressource Fläche zielen. Angesprochen werden Akteure in Städten und Gemeinden. Angeboten werden Fachinformationen darüber, wie Flächensparen vor Ort umgesetzt werden kann. Das Portal ist zugleich ein Angebot der Kommunikation und Vernetzung für Flächenakteure vor Ort, die ihre Aktivitäten einem breiten Personenkreis bekannt machen wollen.
Das Umweltbundesamt berät das Bundesumweltministerium im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren und sonstigen Aktivitäten, u. a. zum Thema Flächensparen. Außerdem führt es Forschungsvorhaben durch, um daraus Kriterien für eine effiziente Siedlungsentwicklung abzuleiten, oder zu Ansätzen, um Planungsrecht und Planungsinstrumente noch stärker auf Flächensparen und Innenentwicklung auszurichten. Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen sind auf den Internetseiten des Amtes veröffentlicht.
REFINA steht für "Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement" und war ein Förderschwerpunkt verschiedener Bundesministerien im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung.
Zwischen 2006 und 2012 wurden mehr als 110 Projekte für eine effiziente Flächennutzung über REFINA gefördert. Ziel war es, innovative Lösungsansätze und Strategien für eine Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement zu erarbeiten und in Form von Demonstrationsvorhaben zu testen. Die Internetseiten zum Projekt werden nicht mehr aktualisiert und geben den Forschungsstand von 2012 wieder. Sie dokumentieren jedoch eine Vielzahl von Produkten und Projekten zum Thema Flächensparen.
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