Der Landeshaushalt wird vom Landtag in Form eines Gesetzes beschlossen. Er gilt in Schleswig-Holstein für ein Jahr.
Letzte Aktualisierung: 21.10.2026
Überblick: Der Haushaltsentwurf 2027
Auch in schwierigen Zeiten möchte die Landesregierung Schleswig-Holstein handlungsfähig halten. Deshalb sieht der Haushaltsentwurf 2027 gezielte Investitionen in Bildung, bezahlbaren Wohnraum, Klimaschutz und Klimaanpassungen sowie in die Sicherheit vor. Am Konsolidierungskurs wird das vierte Mal in Folge festgehalten.
Schleswig-Holstein steht 2027 vor großen finanziellen Herausforderungen. Die schwache wirtschaftliche Entwicklung auf Bundesebene führt trotz der vergleichsweise stabilen Lage hierzulandenach der aktuellen Steuerschätzung vom Mai 2026 zuMindereinnahmen beim Länderfinanzausgleich und bei den Bundesergänzungszuweisungen in Höhe von rund 308 Millionen Euro.
Gleichzeitig steigen die Ausgaben. Die allgemeine Tarif- und Besoldungsentwicklung macht sich bemerkbar. Hinzu kommen erhebliche, ungeplante Mehrausgaben bei Besoldung und Versorgung infolge der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts: rund 320 Millionen Euro für die fortgeschriebenen Anpassungen der Jahre 2025 und 2026 und weitere rund 180 Millionen Euro für 2027.
Die Ausgaben für die Eingliederungshilfe und die Sozialhilfe steigen im Haushaltsentwurf 2027 auf rund 1,4 Milliarden Euro und sind damit rund 247 Millionen Euro höher als im Vorjahr.
Für 2027 plant die Landesregierung mit bereinigten Einnahmen von rund 18,5 Milliarden Euro. Dem stehen Ausgaben von rund 19,4 Milliarden Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein negativer Finanzierungssaldo von rund 892,6 Millionen Euro. Neben planmäßigen, zweckgebundenen Rücklagenentnahmen und neuen Krediten soll daher der verfassungsrechtlich zulässige Kreditspielraum von 783,6 Millionen Euro vollständig genutzt werden.
Zusätzlich ist die Entnahme von242 Millionen Euro aus dem Versorgungsfonds zur Finanzierung laufender Versorgungsausgaben geplant. Die gesetzliche Deckelung von 641,1 Millionen Euro bleibt bestehen.
Schwerpunkte des Haushaltsentwurfs 2027
Bildung
Bildung bleibt der zentrale Schwerpunkt, denn sie ist die wichtigste Investition in die Zukunft unseres Landes - sie schafft Chancen, Teilhabe und Innovationskraft. Wir schaffen 115 zusätzliche Lehrkräftestellen, um die Unterrichtsversorgung bei steigenden Schülerzahlen zu sichern. Hinzu kommen 80 Stellen zur Stärkung der Fächer Deutsch und Mathematik in der Grundschule. Ab dem Schuljahr 2027/2028 wird der Unterricht in beiden Fächern auch in der zweiten Klasse um jeweils eine Stunde pro Woche erweitert.
Die politische Bildung wird ebenfalls gestärkt: 40 zusätzliche Lehrkräftestellen ermöglichen zwei weitere Wochenstunden im Fach Wirtschaft und Politik in der Sekundarstufe II an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen.
Für die Kitas steigen die Investitionsmittel von 803 auf 830 Millionen Euro, ergänzt um 13,3 Millionen Euro für „Kita für alle“. Für die Hochschulen sind zusätzlich 13,8 Millionen Euro eingeplant. Damit investieren wir gezielt in Bildung, Teilhabe und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
Sicherheit
Eine weitere zentrale Aufgabe des Staates ist die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit. Deshalbsieht der Haushaltsentwurf die Schaffung von 33 zusätzlichen Stellen vor, um die zweite Einsatzhundertschaft vollständig aufzubauen.Weitere 10,1 Millionen Euro sind für die Schutzausstattung vorgesehen. Für die Bekämpfung von Cyberkriminalität werden 18 zusätzliche Stellen für Ermittlungen und Analysen geschaffen.
Auch die Justiz wird gestärkt: Die Staatsanwaltschaften erhalten 27 weitere Stellen. Denn ein starker Rechtsstaat braucht neben einer leistungsfähigen Polizei eine ebenso leistungsfähige Justiz.
Zum Schutz unserer Demokratie stellen wir außerdem 1,2 Millionen Euro für die Vorbereitung der Landtagswahl und Maßnahmen gegen Desinformation bereit.
Bezahlbarer Wohnraum
Zu gleichwertigen Lebenschancen gehört auch bezahlbarer Wohnraum. Die Mittel für die soziale Wohnraumförderung werden daher erneut erhöht. 2027 stehen, einschließlich der Bundesmittel, 400 Millionen Euro zur Verfügung. Gemeinsam mit der IB.SH schaffen wir damit insbesondere für Familien sowie für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen neue Perspektiven. Gerade bei knappen öffentlichen Mitteln gilt: Es muss dort investiert werden, wo staatliches Handeln einen besonders großen Unterschied macht. Bezahlbarer Wohnraum gehört dazu.
Klimaschutz
Auch beim Klimaschutz und bei der Klimaanpassung setzen wir konkrete Schwerpunkte. Wir stellen 2,3 Millionen Euro als Konnexitätsmittel für die Klimaanpassungskonzepte der Kreise und kreisfreien Städte bereit. Weitere 1,7 Millionen Euro fließen als Kofinanzierung in den Binnenhochwasserschutz in Kellinghusen und Lauenburg.
Zudem verlängern wir die Unterstützung des Vertragsnaturschutzes um drei Jahre und stellen dafür jährlich 1,4 Millionen Euro zusätzlich bereit. Denn der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist Teil der Daseinsvorsorge.
Digitalisierung
Wir investieren zugleich verstärkt in die Digitalisierung des Landes. Die im Haushaltsentwurf 2027 eingeplanten Mittel steigen gegenüber dem Vorjahr um 55,6 Millionen Euro auf insgesamt 530,4 Millionen Euro. Das ist nicht nur eine Frage moderner Technik: Digitalisierung muss dazu beitragen, die Verwaltung schneller, bürgernäher und effizienter zu machen. Gerade in Zeiten knapper Kassen ist sie eine Voraussetzung für einen dauerhaft leistungsfähigen Staat.
Infrastruktur
Auch in unsere Infrastruktur investieren wir erheblich. Das betrifft Straßen, Brücken und Radwege ebenso wie Krankenhäuser, den Deichbau, Hochschulen und klimaneutrale Landesliegenschaften. Damit schaffen wir die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung, Daseinsvorsorge und gleichwertige Lebensverhältnisse.
Die Investitionsquote steigt auf ein Rekordniveau von13,6 Prozent. Einschließlich der Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes sind Investitionsausgaben von rund 2,6 Milliarden Euro geplant. Davon entfallen rund 581 Millionen Euro auf Bundesmittel – 302,1 Millionen Euro für das Land und 278,9 Millionen Euro für die Kommunen. Auch ohne Berücksichtigung dieser Bundesmittel liegt die Investitionsquote noch bei 10,9 Prozent.
Konsolidierung und Einsparungen
Wir investieren in die Zukunft und setzen zugleich unseren Konsolidierungskurs fort. Für 2027 sind erneut Einsparungen von rund 205 Millionen Euro vorgesehen. Das Personalbudget der Ministerien und der Staatskanzlei wird grundsätzlich um fünf Prozent reduziert - die sächlichen Verwaltungsausgaben um rund 15 Prozent. Ausgenommen sind: Polizei, Verfassungsschutz, Steuerverwaltung, Lehrkräfte, Justiz, Nachwuchskräfte und die Landesbetriebe. Daraus ergeben sich Einsparungen von rund 47 Millionen Euro.
Weitere Entlastungen ergeben sich aus der einmaligen Kürzung der Sondervermögen KI, Breitband sowie Energie- und Wärmewende um jeweils zehn Prozent sowie aus Anpassungen beim Standortkonzept der Erstaufnahmeeinrichtungen. Weiterhin werden die Einnahmen und Ausgaben der Ressorts bedarfsgerecht angepasst. Diese Maßnahmen führen zu einer strukturellen Entlastung des Haushalts, ohne unzumutbare Belastungen für Bürgerinnen und Bürger oder zusätzliche Lasten für die Kommunen.
Neue Planstellen und Stellen schaffen wir nur dort, wo dies gesetzlich zwingend erforderlich ist, eine Drittmittel- oder Gebührenfinanzierung besteht oder politisch vereinbarte Schwerpunkte in den Bereichen Sicherheit, Justiz und Bildung umgesetzt werden. Im Saldo entstehen 46 zusätzliche Stellen, die weitgehend gegenfinanziert sind. Die Mehrausgaben von 56 Millionen Euro gegenüber 2026 ergeben sich im Wesentlichen aus höheren Beihilfeausgaben sowie Tarif-, Besoldungs- und Versorgungsanpassungen.
Auch bei IMPULS müssen wir angesichts des hohen Haushaltsdrucks die Zuführung 2027 um 317 Millionen Euro auf rund 199 Millionen Euro reduzieren.Die laufenden und bereits geplanten Bauvorhaben bleiben davon unberührt. Zugleich ist klar: Die Kürzung ist keine dauerhafte Lösung. Für eine langfristig leistungsfähige Infrastruktur müssen die Zuführungen zu IMPULS künftig wieder gesichert und gegebenenfalls erhöht werden.
Landeshaushalt 2026 verabschiedet
Am 10.12.2025 hat der Schleswig-Holsteinische Landtag den Haushalt 2026 verabschiedet.
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