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Schleswig-Holstein
: Thema: Ministerien & Behörden

Für mehr Bienen- und Insektenschutz


LBV.SH startet Pilot-Projekt mit neuem Mähgerät für mehr Schutz der Biodiversität.

Letzte Aktualisierung: 12.10.2023

Vier Männer vor einem einem Unimog mit Mähgerät am Ausleger.
Das neue insektenfreundliche Mähgerät wurde (v.r.n.l.) vom Frank Quirmbach (stv. LBV.SH-Direktor), Burkhard Miksch (Leider SM Westerrönfeld), Thorge Petersen (Straßenwärter) sowie Detlev Finke (Projetmanager bei der Artenagentur Schleswig-Holstein) vorgestellt.

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) macht mit bei der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie des Landes: „Bei dem Pilotprojekt `Biodiversitätsfreundliches Straßenbegleitgrün` wollen wir neue Strategien zur Anlage und Unterhaltung artenreicher Rasenflächen erproben. Der Landesbetrieb will damit einen wichtigen Beitrag leisten, indem er die biologische Vielfalt entlang der Straßen in Schleswig-Holstein entwickelt und sichert“, bestärkt der stellvertretende LBV.SH-Direktor Frank Quirmbach. Denn: „Durch ihren linearen Verbund sind unsere Flächen des Straßenbegleitgrüns besonders gut geeignet, um die Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten und den genetischen Austausch dauerhaft zu ermöglichen“, so Quirmbach weiter. Der LBV.SH-Vizechef ist heute eigens in die Straßenmeisterei in Westerrönfeld gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen von den praktischen Vorbereitungen vor Ort; etwa von dem neuen, insektenfreundlichen Mähgerät.

Grünstreifen neben einer Straße über dem ein Mähgerät ist.
Das neue Mähgerät im Einsatz.

Mit dieser technischen Innovation zum Mähen hat der LBV.SH nun einen der deutschlandweit zwei insektenfreundlichen Mäher in der Straßenbauverwaltung im Einsatz und will diesen im Piloteinsatz testen. „Rasenflächen werden je nach Lage zur Straße und spezieller Funktion in unterschiedlicher Intensität gepflegt, wir unterscheiden Intensiv- und Extensivbereichen. Die Intensivbereiche haben vorrangig verkehrliche Funktionen zu erfüllen, sie müssen aus Gründen der Verkehrssicherheit, des Wasserabflusses oder an Rastplätzen des Erholungsbedarfes niedrig und dicht gehalten und daher häufiger und kürzer gemäht werden“, erklärt Quirmbach.

Extensivbereich: natürlicherer Anblick statt Golfrasen

Bei dem Pilot-Projekt betrachtet der LBV.SH vorwiegend die Extensivbereiche; hier überwiegen landschaftspflegerische Belange. Dazu zählen alle Rasenflächen auf Straßengrund, die außerhalb der Intensivbereiche liegen: Straßenböschungen, Restflächen zwischen Intensivbereich und Nachbargrundstück, Flächen ohne Erholungs- und Aufenthaltsfunktion im Bereich von Rastanlagen und Parkplätzen oder die Innenflächen von Anschlussohren. „Ziel des Pilotprojektes ist es, beispielhaft auf der Ebene des Straßenmeistereibezirks Westerrönfeld die fachgerechte Anlage und Pflege artenreicher Straßenbegleitgrünflächen zu erproben und deren Erhalt langfristig zu sichern“, ergänzt die zuständige Geschäftsbereichsleiterin Straßenbetrieb, Susan Müller.

Wichtig: „Der biodiversitätsfreundliche Mähkopf wird dabei zukünftig vermehrt eingesetzt; das wird landschaftlich ein anderes Mähbild ergeben. Denn das verbleibende Gras ist länger und unregelmäßiger geschnitten. Dies ist so gewollt und beruht nicht auf Fehlern beim Mähen oder am Gerät“, sagt Quirmbach.

Innovatives, insektenfreundliches Mähen

Für eine biodiversitätsfreundliche Unterhaltung ist entscheidend, dass das Mähen naturschonend erfolgt und eine Nährstoffanreicherung durch verbleibendes, sich zersetzendes Mähgut verhindert wird. Beide Anforderungen erfüllt das neue Mähgerät. Für das Projekt wurde ein Unimog mit dem Anbaugerät ausgerüstet. „Der Clou dabei ist: Statt des üblichen Schlegelmähers, der gemulchtes Mahdgut erzeugt, ist der innovative Mähkopf mit einem Doppelmessermähwerk ausgestattet, der das Grün abschneidet, statt es zu zerschlagen. Die offene Bauweise ermöglicht Insekten die Flucht und lässt Saatgut herausfallen“, führt Quirmbach aus.

Aufnahme des Schnittgut

Auf einer Straße neben einer Grünfläche fährt ein Arbeitsfahrzeug mit Anhänger.
Als Fahrzeug wird ein Unimog mit Container-Anhänger eingesetzt.

Bewegliche Förderarme bringen das Schnittgut zum Fördergebläse, von hier gelangt es zu dem nachgeführten Container-Anhänger, der es aufnimmt und verbringt. Bislang verbleibt das Schnittgut auf den gemähten Flächen. Die daraus folgende Nährstoffanreicherung begünstigt vor allem konkurrenzstarke Gräser, die dann andere Pflanzenarten unterdrücken. Die entstehende Artenverarmung bei den Pflanzen führt auch zu weniger Tier- und insbesondere Insektenarten, für die dieser Lebensraum eigentlich besonders gut geeignet ist. Der LBV.SH geht daher mit dem Pilotprojekt „Biodiversitätsfreundliches Straßenbegleitgrün“ einen neuen Weg zur fachgerechten Entsorgung des anfallenden Schnittguts.

Standorttypische Ansaat

Neben der ökologisch optimierten Neuausrichtung des Pflegeregimes soll der Artenreichtum durch die Ansaat gebietseigenen Saatguts gezielt gefördert werden. Hierfür wurden bereits verschiedene geeignete Rasenflächen der Extensivbereiche in dem Straßenmeistereibezirk ausgewählt und vegetationskundlich erfasst. Für das Projekt wurden zunächst 19.500 Quadratmeter aufzuwertende Rasenflächen der Extensivbereiche ausgewählt. Die ökologische Aufwertung erfolgt zeitnah durch Ansaaten mit speziell auf die jeweiligen standörtlichen Verhältnisse abgestimmtem gebietseigenem Saatgut.

Kosten

Die Kosten für die Entwicklung und Beschaffung des speziell auf die biodiversitätsfreundliche Unterhaltung des Straßenbegleitgrüns ausgerichteten Mähgeräts betragen gut 207.000 Euro. Sie setzen sich zusammen aus dem Mähausleger mit Mähkorb und Absaugeinrichtung, dem Schneid-Greif-Gebläse, mit ungefähr 80.000 Euro, dem Anhänger mit Container und Zusatzausstattung gut 80.000 Euro sowie der Umrüstung des aus dem Bestand stammenden Unimogs mit rund 46.000 Euro. Die Kosten der Ansaatarbeiten, einschließlich der vorbereitenden Bodenbearbeitung, die teilweise auf Böschungsflächen erfolgt, betragen rund das Fünffache der Kosten für das spezielle Saatgut (48 Kilogramm zu etwa 4.500 Euro).

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