Mehrfamilienhäuser, die leerstehen oder gravierende bauliche Mängel aufweisen, fehlen nicht nur als Wohnraum, sondern beeinträchtigen die Lebensqualität der Menschen und der ganzen Umgebung. Aber was können Städte und Gemeinden dagegentun? Eine neue Publikation der Technischen Hochschule Lübeck (THLübeck) und der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) bietet Kommunen inSchleswig-Holstein konkrete Hilfestellungen, umdie entsprechenden Immobilien frühzeitig zuerkennen, negative Entwicklungen zuverhindern und betroffene Quartiere wieder zustabilisieren.
Das Grundlagenpapier richtet sich an Stadt- und Gemeindeverwaltungen, Wohnungsunternehmen und alle, die an einer nachhaltigen Wohnraumpolitik mitwirken. Es beinhaltet Handlungsempfehlungen, die sofort umgesetzt werden können, rechtliche Instrumente wie das neue Wohnraumschutzgesetz und praktische Tipps zur Zusammenarbeit mit Eigentümerinnen und Eigentümern.
Konkrete Hilfestellung
Das Papier legt ein strukturiertes Vorgehen in vier Schritten dar: Früherkennung, strategische Vorbereitung, gezielte Stabilisierung und, falls nötig, direkte Eingriffe. Es enthält auch praxisnahe Werkzeuge, etwa ein integriertes Bestandsmonitoring, das Daten zu Baualter, Eigentümerstruktur und Wohnungszustand zusammenführt.
Ein Beispiel aus Bad Schwartau zeigt, wie die Kombination von Wohnungsmarktbeobachtungen und Analysen bereits frühzeitig potenzielle Risikogebiete sichtbar macht. Ein weiteres Beispiel aus Rendsburg verdeutlicht, wie die Festlegung eines Sanierungsgebiets und die gezielte Nutzung von Fördermitteln dazu geführt haben, dass innerhalb von fünf Jahren vier private Sanierungsprojekte realisiert und über 100 Genehmigungen erteilt wurden.
Wichtige Ergänzung zum Wohnraumschutzgesetz
„Problemimmobilien stellen die Kommunen vor Herausforderungen. Der Leitfaden ist daher eine wichtige Ergänzung zu unserem Wohnraumschutzgesetz, um möglichst frühzeitig die Entwicklung zu erkennen und mit allen Akteurinnen und Akteuren wirksam dagegen vorzugehen, damit Missstände gar nicht erst entstehen“, betont Innenministerin Magdalena Finke. Prof. Dr. Marcus Menzl von der TH Lübeck fasst das Kernprinzip zusammen: „Wissen ohne klare Struktur bleibt wirkungslos, und Struktur ohne die Bereitschaft zu intervenieren ist unglaubwürdig. Nur das Zusammenspiel von Daten, Organisation und entschlossenen Maßnahmen führt zum Erfolg.“
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