Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
ich kann mich noch sehr gut an die ersten Drohnensichtungen vor zwei Jahren über Brunsbüttel erinnern. Schleswig-Holstein war eines der ersten Länder, das von der zunehmenden Massivität dieser Vorfälle betroffen war. Die Landespolizei hat bereits damals mit großem Engagement und erheblichem Einsatz auf die Drohnensichtungen reagiert.
Und schon damals hat sich sehr schnell gezeigt, dass eine wirksame Drohnenabwehr eine große Herausforderung darstellt und mit erheblichen technischen und operativen Anforderungen verbunden ist. Und dass es ein permanenter Wettlauf gegen die Zeit und mit der technischen Entwicklung ist.
Heute, zwei Jahre später, geht es längst nicht mehr nur um die Gefahr von Spionage durch Drohnen. Heute müssen wir auch auf eine neue Dimension der Bedrohung reagieren: auf Drohnen, die mit Sprengstoff bestückt sein können und damit eine unmittelbare Gefahr darstellen. Der hybride Anschlagsversuch auf dem Leipziger Flughafen hat gezeigt, dass die Drohnenabwehr in Deutschland schneller ausgebaut werden muss und dass die Debatte darüber mehr Transparenz und Ehrlichkeit braucht.
In Schleswig-Holstein haben wir im Jahr 2025 148 mutmaßliche Drohnensichtungen gehabt. Im Jahr 2026 sind es bis jetzt 34. Die Zahlen muss man einordnen: Es handelt sich dabei nicht ausschließlich um illegale Drohnenüberflüge. Es sind Eingangsmeldungen, deren weitere Prüfung und Ermittlungen teilweise noch andauern. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, zeigt die Entwicklung, dass Drohnen ein Instrument hybrider Bedrohungen und hybrider Kriegsführung sind.
Und deswegen brauchen wir ein bundesweites Lagebild zu hybriden Bedrohungen, eine tagesaktuelle Übersicht über alle Vorfälle im Bundesgebiet. Dieses Lagebild wird zurzeit von Bund und Ländern vorbereitet und soll im Gemeinsamen Abwehrzentrum Hybrid umgesetzt werden.
Während wir gerade über die Drohnenabwehr sprechen, kommen in Flensburg die EU-Innenministerinnen und -minister der osteuropäischen EU-Staaten und der Ostsee-Anrainerstaaten zusammen. Auch dort steht die Frage im Mittelpunkt, wie wir uns gemeinsam besser gegen Drohnen und die damit verbundenen hybriden Bedrohungen wappnen können. Und dass dieser Drohnen-Gipfel in Schleswig-Holstein stattfindet, unterstreicht die besondere Bedeutung unseres Landes für die Drohnenabwehr.
Diese Bedeutung zeigt sich nicht nur in der Relevanz Schleswig-Holsteins für die internationale Sicherheitsarchitektur, sondern auch in dem, was wir hier vor Ort konkret aufbauen und leisten. Die schleswig-holsteinische Landespolizei hat mit breiter Unterstützung dieses Hauses über 50 neue Stellen für die Drohnenabwehreinheit und die notwendige Ermittlungsarbeit geschaffen, die nahezu vollständig besetzt sind. Unsere Drohnenexpertinnen und -experten sind aufgrund des Know-hows bundesweit gefragt. Und auch unter den Nordländern übernehmen wir immer wieder eine führende Rolle.
Zudem wurden 7 Millionen Euro in moderne Drohnenabwehr investiert. Damit haben wir die Voraussetzungen für eine mehrstufige Abwehr geschaffen: von der frühzeitigen Detektion über die Verifizierung einer Drohne bis hin zur gezielten Intervention.
Aber auch an dieser Stelle braucht es Ehrlichkeit. Moderne Drohnen fliegen oftmals ohne eine übliche Funk- oder Signalverbindung. In solchen Fällen stoßen herkömmliche Systeme an ihre Grenzen, sodass oftmals nur eine Intervention durch kinetische Einwirkung möglich ist. Also durch einen Abschuss der Drohne, oder durch eine andere physische Einwirkung. Unsere Spezialeinheiten der Landespolizei haben bei der gemeinsamen Terrorismusabwehrübung von Polizei und Bundeswehr gezeigt, wie das geht. Wir haben als eines der ersten Länder eine Drohne abgeschossen.
Hinzu kommt, dass die Innovationszyklen bei der Entwicklung von Drohnen extrem kurz sind. Teilweise sprechen wir hier von wenigen Wochen. Das bedeutet: Auch unsere Fähigkeiten zur Drohnenabwehr müssen sich kontinuierlich weiterentwickeln und an neue Bedrohungen anpassen.
Die Ukraine, unsere Partnerregion Cherson, hat uns angeboten, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen und uns dabei zu unterstützen, unsere eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Ich möchte dabei ausdrücklich hervorheben: Diese Erfahrungen sind mit großem Leid verbunden. Gleichzeitig gibt es vermutlich kein anderes Land, das derzeit über mehr praktische Erfahrungen und Know-how bei der Drohnenabwehr verfügt als die Ukraine.
Deswegen bereiten wir eine Delegation von unseren Expertinnen und Experten vor in die Ukraine, um dort gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern konkret zu schauen, wie Drohnenabwehr funktioniert und welche Erkenntnisse wir daraus für Schleswig-Holstein gewinnen können.
Dazu gehört auch die Frage, wie wir die Betreiberinnen und Betreiber kritischer Infrastruktur mit unserer Unterstützung in die Lage versetzen können, selbst gegen Drohnen vorzugehen. Denn eine wirksame Drohnenabwehr muss dort ansetzen, wo die Bedrohung entsteht und wo ein besonderer Schutz erforderlich ist.
Wir werden uns deshalb künftig noch stärker dezentral aufstellen und unsere Fähigkeiten näher an der kritischen Infrastruktur positionieren, um eine schnellere und flexiblere Abwehr zu ermöglichen. Dabei sind langwierige Debatten über Zuständigkeiten der Sicherheitsbehörden fehl am Platz. Drohnenabwehr ist zeitkritisch – im Ernstfall zählt jede Sekunde. Deshalb müssen alle beteiligten Sicherheitsbehörden, von Bundes- und Landespolizei bis hin zur Bundeswehr, über dieselben rechtlichen Befugnisse verfügen, um gegen Drohnen vorgehen zu können.
Am Ende geht es bei der Drohnenabwehr um eines: um die Sicherheit der Menschen in unserem Land. Lassen Sie mich deshalb zum Schluss noch einmal Danke sagen – für die breite Unterstützung, die wir bei diesem Thema auch in den vergangenen Jahren hier erfahren haben. Gerade bei diesen Bedrohungen, bei denen es auch um die Destabilisierung unseres Landes geht, ist dieser gemeinsame Schulterschluss entscheidend. Diese Geschlossenheit ist unsere Stärke.
Vielen Dank.
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