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Regionalsprache in Schleswig-Holstein -
Plattdeutsch

Staatskanzlei

Regionalsprache in Schleswig-Holstein -
Plattdeutsch

"Plattdeutsch" und "Niederdeutsch" sind zwei Bezeichnungen für dieselbe Sprache. Als Regionalsprache ist Plattdeutsch in ganz Schleswig-Holstein zu Hause. Mehr oder weniger selbstverständlich wird das Plattdeutsche im täglichen Miteinander benutzt, allerdings auf dem Lande stärker als in den Städten.

Seine Dialektvielfalt ist dabei groß. Soweit die geschichtliche Kenntnis zurückreicht, haben sich die Menschen in Norddeutschland immer dieser Sprache bedient. Neben Schleswig-Holstein wird Plattdeutsch heute noch in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sowie in Teilen von Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt gesprochen.

Weltsprache der Hanse

Die älteste überlieferte Form des Plattdeutschen ist das sogenannte Altsächsische oder auch Altniederdeutsche. Gemeint ist damit die Sprache des germanischen Stammes der Sachsen. Zur Blütezeit der deutschen Hanse, vom 13. bis zum 16. Jahrhundert, galt Plattdeutsch als Weltsprache. Die Kaufleute der Hanse bedienten sich der Sprache in ihren Verhandlungen und setzten Verträge auf plattdeutsch auf. Recht und Gesetz wurde in plattdeutsch festgehalten und gesprochen. Das Hochdeutsche existierte kaum.

Vom 16. Jahrhundert an drängte das Hochdeutsche immer stärker von Süden nach Norden. Gründe für diese Veränderung lagen in dem Verlust der wirtschaftlichen und politischen Macht der Hanse und im Einfluss der Reformation. Die Menschen im stadtbürgerlich geprägten Norden empfanden ihre Sprache zunehmend als minderwertig gegenüber der höfischen Kultur des hochdeutschen Südens. Zunächst übernahmen vor allem Adlige und Angehörige der höheren Schichten das Hochdeutsche. Verstärkt durch die Erfindung des Buchdrucks verdrängte Hochdeutsch Plattdeutsch als Schriftsprache. Das Ergebnis dieser Entwicklung war, dass der gesamte öffentliche Sprachgebrauch fortan hochdeutsch war - der ursprünglich rein plattdeutsche Norden wurde zweisprachig. Wer etwas auf sich hielt, konnte zwar Plattdeutsch, bevorzugte aber das Hochdeutsche und sprach platt nur noch in der Familie und Nachbarschaft. Plattdeutsch wurde zur Sprache der 'kleinen Leute'.

Seit man am Ende des 18. Jahrhunderts das "Volk" mit seiner Sprache und Kultur neu zu entdecken begann, wandelte sich jedoch die Einstellung zum Plattdeutschen. Viele Vereine sahen in der Heimatsprache wieder einen besonderen Wert und fingen an, sie bewusst zu pflegen. Allmählich stieg das Plattdeutsche zu einer anerkannten Regionalsprache des Nordens auf. Seit 1999 wird Plattdeutsch offiziell durch das Inkraftreten der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitsprachen geschützt und staatlich gefördert.

Regionalsprache Plattdeutsch

Nachdem Plattdeutsch lange Zeit als minderwertig galt, ist es heute wieder eine lebendige und beliebte Sprache in Schleswig-Holstein. Die Erkenntnis nimmt zu, dass Plattdeutsch zur regionalen Kultur Norddeutschlands gehört. Plattdeutsch gilt als Sprache, in der man etwas deutlich, verständlich und frei heraus sagen kann.

Einer Studie des Instituts für niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen aus dem Jahr 2007 zufolge verstehen zwei Drittel der Einwohner Schleswig-Holsteins Plattdeutsch sehr gut oder gut. Sehr gute bis gute Sprachkenntnisse haben jedoch nur rund ein Viertel der Einwohner. Auf dem Lande und bei der älteren Generation ist Plattdeutsch häufiger in Gebrauch als bei jungen Menschen und in den Städten.

Plattdeutsche Kultur

Ob Schlager, Folklore, Hip Hop oder Hardrock: Plattdeutsche Musik ist heute in so gut wie jeder Stilrichtung zu hören. Einzigartig war der Erfolg der Gruppe "Fettes Brot". 1995 stürmten sie mit ihrem Lied "Nordisch by Nature" die deutschen Singlecharts und wurden 1996 als beste Nachwuchsband mit dem Musikpreis "Echo" ausgezeichnet. Das Lied "Nordisch by nature" hat mehrere plattdeutsche und eine dänische Textpassagen und gilt auch heute noch - gerade bei Jugendlichen - als inoffizielle "Nationalhymne Norddeutschlands".

Zwei Männer sitzen in einer Halle und halten das Bootsschild "Schietegool" Plattdeutsch (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © M. Ruff / grafikfoto.de

Für die größere Öffentlichkeit ist das Theater der wohl wichtigste Multiplikator des Plattdeutschen. Die großen Mehrspartentheater in Kiel und Lübeck sowie das Landestheater in Rendsburg bringen plattdeutsche Sprache und Kultur seit vielen Jahren auf die Bühne. Rund die Hälfte aller Aufführungen der etwa 110 Mitglieder des Niederdeutschen Bühnenbundes Schleswig-Holstein und des Landesverbandes der Amateurtheater Schleswig-Holsteins finden in Plattdeutsch statt. Seit vielen Jahren treffen sich im März plattdeutsche Theaterspieler auf dem Scheersberg zum Niederdeutschen Spielgruppentreffen. In 2007 wurde erstmals der Scheersbarg-Theaterpries für plattdeutsche Amateurtheatergruppen verliehen.

Plattdeutsch ist im Norden Deutschlands auch in den Medien präsent. Der Norddeutsche Rundfunk sendet plattdeutsche Regionalnachrichten und produziert Sendungen rund um das Plattdeutsche für Radio und Fernsehen. Auch der Bürgerrundfunk Offener Kanal Schleswig-Holstein und die privaten Rundfunkanstalten bieten verschiedene plattdeutsche Sendungen an.

Organisationen des Plattdeutschen

Als zentrale Einrichtung zwischen Wissenschaft und Serviceleistung fördert, stützt und vernetzt das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen alle Bemühungen um das Plattdeutsche. Das Institut vertritt die Interessen der Plattdeutsch-Sprecher auf allen Ebenen der nationalen wie europäischen Sprachenpolitik und vermittelt Kenntnisse über die plattdeutsche Sprache und ihre Kultur. Das INS führt auch die Geschäfte des 2002 gegründeten "Bundesraat für Nedderdüütsch", der die Plattsprecher aus acht Bundesländern vertritt und ihre Interessen wahrnimmt.

In Schleswig-Holstein kümmert sich insbesondere der im Jahr 2000 gegründete Plattdeutsche Rat um alle Belange des Plattdeutschen. Die Geschäftsführung für den Plattdeutschen Rat erfolgt durch den Schleswig-Holsteinischen Heimatbund (SHHB). Der SHHB ist ein kultureller Dachverband von über 300 Vereinen, Verbänden und Initiativen im Land. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört auch die Förderung der Regionalsprache Plattdeutsch. So veranstaltet der SHHB beispielsweise jedes Jahr den beliebten Vorlesewettbewerb "Schölers leest Platt", um Kinder früh in Kontakt zu ihrer Heimatsprache zu bringen.

Die Zentren für Niederdeutsch in Leck für den Landesteil Schleswig und in Ratzeburg für den Landesteil Holstein sind zwei regional arbeitende Einrichtungen, die vom Land zur aktiven Förderung des Plattdeutschen in Schleswig-Holstein gegründet wurden und die die Arbeit der im Lande aktiven Gruppen, Institutionen und Einzelpersonen unterstützen.