Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und die Wirtschaftsweise Prof. Dr. Veronika Grimm sind sich einig: Es brauche pragmatische Ansätze bei der Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt. Das ist ein Fazit des Gesprächs, das beide gemeinsam mit Markus Biercher, dem Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, führten.
Erhöhte Arbeitsmigration notwendig
"Wenn wir unser Produktionspotenzial in Deutschland erhalten wollen, brauchen wir, neben einer erhöhten Erwerbstätigkeit von Frauen und der Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, eine Zuwanderung von mindestens 1,5 Millionen Menschen pro Jahr", sagte Grimm. Die Einstellung von Geflüchteten scheitere oft daran, dass Arbeitgeber im Hinblick auf notwendige Sprachkenntnisse zu anspruchsvoll seien.
Wirtschaftsprognosen
Deshalb seien die jüngsten Bemühungen Schleswig-Holsteins richtig, auch Geflüchteten mit geringen Sprachkenntnissen zügig den Weg in Beschäftigung zu bahnen, sagte Grimm. Sie ist Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage. Im jüngsten Gutachten prognostizierten die sogenannten fünf Weisen ein bundesweites Wachstum von nur 0,4 Prozent bis 2028. Zudem sei eine Netto-Zuwanderung von 400.000 Menschen pro Jahr nötig.
Pilot-Projekt im "Job-Turbo"
Madsen hatte zuvor gemeinsam mit Biercher ein Pilot-Projekt im Rahmen des bundesweiten "Job-Turbo" vorgestellt. "Wir haben versucht, Betriebe dafür zu gewinnen, Geflüchtete auch mit minimalen Sprachkenntnissen einzustellen", sagte der Minister. Rund ein Dutzend – darunter auch große Unternehmen – hätten bereits Interesse signalisiert. Das sei auf jeden Fall einen Versuch wert, ist Madsen überzeugt.
Auch die Regionalagentur habe laut Biercher ihre Bemühungen intensiviert und erste Erfolge verzeichnet. So sei die Zahl der Personen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus eine Beschäftigung aufgenommen hätten, in den letzten beiden Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel angestiegen. "Es geht also in die richtige Richtung", sagte er.
Die Zeit drängt
Madsen appellierte an die Unternehmen, sich für neue Möglichkeiten zu öffnen. Denn die Zeiten, in denen es "ein Heer von gut qualifizierten Arbeitslosen gab", seien lange vorbei.
"Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit", betonte auch die Wirtschaftsweise Grimm und mahnte zur Eile. "Weil das Wachstumspotenzial insbesondere durch den demografischen Wandel gedämpft wird."
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