Seitenflügelkunst 2026 // Lucia Figueroa
Einführungstext von Dr. Uta Kuhl, Kuratorin der Landesmuseen Schleswig-Holstein
Ausgestellt ist eine kleine Auswahl von Werken einer Künstlerin, die seit Jahrzehnten zur Kunstszene Schleswig-Holsteins gehört und die im vergangenen Jahr ihren 80. Geburtstag feiern konnte. Die präsentierten Arbeiten sind alle neu – sie entstanden in den letzten drei Jahren, der überwiegende Teil sogar erst 2025. Dennoch sind sie repräsentativ für das Oeuvre Figueroas der letzten Jahrzehnte. Zugleich würdigt diese Ausstellung ein Lebenswerk.
Lucia Figueroa wurde am 29. Oktober 1945 in Cordoba in Argentinien geboren. Von 1965 bis 1969 besuchte sie dort die Kunstschule und richtete sich 1970 ein Atelier in Cordoba ein. Doch die zunehmende politische Repression in Argentinien veranlasste Figueroa, ihr Heimatland zu verlassen, so dass sie – nach einer Zwischenstation in Spanien – nach Deutschland kam. Von 1975 bis 1980 studierte sie Bildhauerei an der Hochschule der Künste in Berlin und wurde Meisterschülerin bei Lothar Fischer.
Vor 45 Jahren, 1981, kam Lucia nach Schleswig-Holstein. Ihr erstes Atelier im Lande war in Osterhever. 1987 ging sie mit ihrer Familie für zwei Jahre nach Ghana. 1991 folgte ein Stipendium der Fundació Llorens Artigas in Barcelona. Seit 1995 hat sie ihr Atelier in Husum. Ein entscheidendes und zugleich verbindendes Element ihres Schaffens, über alle die Jahrzehnte hinweg und an allen Orten, an denen sie gelebt hat, ist ihr Interesse am Menschen; das ist die inhaltliche Ebene. In formaler Hinsicht ist ein zentrales Element ihr Material: der Ton. Ton, einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit, ist in vielen Kulturen der Stoff, aus dem Gott die Menschen schuf. Ein mythisch aufgeladenes Material – Erde, Wasser, Feuer und Luft, die vier Elemente, kommen hier zusammen. Zugleich ist es ein Material, das uns im Alltag überall umgibt … als Baustoff für Häuser, als Werkstoff für viele Gegenstände. Ein Material mit unendlichen Möglichkeiten – mit denen Lucia souverän spielt. In ihrer Vielschichtigkeit und auch Rätselhaftigkeit lassen sich die Werke Figueroas nicht restlos in Sprache übersetzen – genau das ist wesentlich für Kunst. Sie lassen sich unterschiedlich interpretieren, je nach Lebenssituation der Betrachtenden. Sehr häufig rühren Lucias Bildwerke an existenzielle Situationen. Auch wenn sie bei jedem von uns eine andere Saite anklingen lassen, sind sie doch treffend, wie Worte es kaum sein können.
Aus ihrem Humor und aus der Erfahrung ihrer 80 Lebensjahre erwachsen die Freiheit und der klare Blick, mit dem Lucia Figueroa, auf die Welt und den Menschen blickt – und auch unsere Augen öffnet.