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Landesamt für Umwelt : Thema: Ministerien & Behörden

Wildkatze ist zurück im Norden

In Schleswig-Holstein ist erstmals seit Jahrhunderten eine Europäische Wildkatze genetisch nachgewiesen worden. Das LfU startet nun mit anderen Akteuren ein Lockstock-Monitoring zur Erfassung der Verbreitung dieser Art.

Letzte Aktualisierung: 15.01.2026

Wildkatze in Schleswig-Holstein im Knotengitterzaun
Wildkatze in Schleswig-Holstein im Knotengitterzaun

Eine kleine Sensation zum Jahresbeginn: Zum ersten Mal seit Jahrhunderten wurde in Schleswig-Holstein eine Europäische Wildkatze genetisch nachgewiesen. Damit ist die streng geschützte Art offiziell in das nördlichste Bundesland zurückgekehrt. Um mehr über eine mögliche Verbreitung der Wildkatze zu erfahren, startet der BUND gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt (LfU), der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, dem Zweckverband Schaalsee-Landschaft und weiteren Partnern in den nächsten Tagen das erste sogenannte Lockstock-Monitoring in Schleswig-Holstein – eine Sammlung von Haarproben.

Bereits im März vergangenen Jahres hatte das LfU mit einer Wildtierkamera ein Tier mit wildkatzentypischen Merkmalen, wie dem buschigen Schwanz, im Kreis Herzogtum Lauenburg fotografiert (siehe Pressemitteilung des LfU). Nun gelang ganz in der Nähe der erste genetische Nachweis einer Wildkatze.

Erster Nachweis nach Rettung aus Wildzaun

Das Tier wurde zuvor von Jäger Jan Haberkamm in höchster Not entdeckt. Er fand die Katze fest verknotet in einem Zaun hängend. Sie konnte sich nicht aus eigener Kraft befreien. Der Jäger schnitt die Katze frei und rettete ihr damit das Leben. Anschließend sammelte er Haare ab, die das Tier am Zaun hinterlassen hatte und das LfU ließ die Haare beim Institut Senckenberg in Gelnhausen genetisch analysieren. Das Ergebnis ist eindeutig: eine Europäische Wildkatze.
Viele Wildtiere verenden qualvoll an Knotengeflechtzäunen. Der BUND setzt sich seit Jahren dafür ein, diese Zäune abzubauen und durch sichere Alternativen aus Holz zu ersetzen.

Erfolg jahrzehntelanger Schutzarbeit

"Der Nachweis der Wildkatze in Schleswig-Holstein ist ein echter Meilenstein für die Art und ein bedeutender Erfolg für den Naturschutz", betont Martin Schmidt, Pressesprecher des LfU.

Friederike Scholz, Koordinatorin des „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND-Bundesverband erklärt: "Unsere langjährige Arbeit zum Schutz und zur Vernetzung von Wildkatzenlebensräumen zeigt Wirkung. Jetzt möchten wir herausfinden, wo die gefährdete Wildkatze im Norden genau lebt. Nur so können wir ihre Lebensräume sichern und die Art bei der Rückkehr unterstützen."

Gemeinsam auf Spurensuche

Ob sich die Wildkatze dauerhaft in Schleswig-Holstein angesiedelt hat, ist noch offen. Um mehr zu erfahren, startet in Kooperation verschiedener Akteure nun das erste sogenannte Lockstock-Monitoring in Schleswig-Holstein. Dabei sammeln Freiwillige Haarproben an Lockstöcken, die mit Baldrian besprüht werden – ohne die Tiere zu stören. Sie untersuchen dabei Flächen im Umkreis des neuen Wildkatzenfundes.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern geht der BUND den Spuren der Wildkatze direkt angrenzend an Schleswig-Holstein nach auch direkt im Grenzgebiet. Gemeinsam mit dem Müritz Nationalpark und dem Naturpark Feldberger Seenlandschaft werden in beiden Schutzgebieten Lockstöcke aufgestellt und von Freiwilligen betreut.

Hintergrund

Die Europäische Wildkatze war als überwiegend waldbewohnende Art in Schleswig-Holstein bereits im Mittelalter ausgestorben. Die weiträumige Waldvernichtung hatte ihren Lebensraum zerstört, hinzu kam direkte Bejagung. Das Landesamt für Umwelt konnte anhand von Aufnahmen aus landeseigenen Wildkameras 2025 erstmals eine Wildkatze in Schleswig-Holstein fotografisch nachweisen. Das genetisch sicher dokumentierte nördlichste Verbreitungsgebiet der Wildkatze endete bislang in der Lüneburger Heide. Die Elbe stellte bisher eine natürliche Barriere für eine weitere Ausbreitung dar.

Um die Europäische Wildkatze nachweisen zu können, nutzt der BUND das sogenannte Lockstock-Monitoring. Freiwillige Helferinnen und Helfer bringen Holzstöcke in Gebieten aus, in denen die scheue Wildkatze vermutet wird. Sie besprühen die Stöcke mit Baldrian. Der Geruch ist den Sexuallockstoffen der Wildkatze sehr ähnlich und zieht die Tiere magisch an. Die Katzen reiben sich am rauen Holz und hinterlassen einzelne Haare. Die Naturschützer*innen sammeln diese ab. Anschließend schicken sie die Proben für eine genetische Untersuchung zur Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Im Rettungsnetz für die Wildkatze engagieren sich 13 BUND-Landesverbände sowie der Bundesverband und die BUNDjugend für den Schutz der Europäischen Wildkatze und ihrer Lebensräume. Damit decken sie das gesamte Verbreitungsgebiet der Art in Deutschland ab. Aktuell gestalten zehn von ihnen im Projekt "Wildkatzenwälder von morgen", gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt, sichere und strukturreiche Lebensräume für die Art. Unter anderem bauen sie unnötige Knotengitterzäune, die für wandernde Wildtiere tödlich sein können, gemeinsam mit den Landbesitzenden ab.

Pressemitteilung des BUND zur Wildkatze mit Links zu:

  • Wildkatzenverbreitungskarte mit den neuesten Vorkommensgebieten
  • Problematik Knotengitterzäune: Aufnahme des Online-Seminars "Sichere Wälder für Wildkatzen" auf YouTube
  • Fotos vom Lockstock-Monitoring

Das Video von Jan Haberkamm zur Befreiung der Wildkatze ist auf Anfrage beim BUND für die Berichterstattung erhältlich.

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