KIEL. Wie blicken Jugendliche in Schleswig-Holstein auf Demokratie, Vielfalt und das gesellschaftliche Miteinander? Antworten darauf liefern die aktuellen Regionalanalysen zum Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein, die das Landesdemokratiezentrum beim Landespräventionsrat heute (29. April) gemeinsam mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e. V. (KFN) vorgestellt hat.
Die Studie zeichnet ein aktuelles und differenziertes Bild von Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen im Land. Sie stellt rechtsextreme Orientierungen systematisch in den Zusammenhang mit verschiedenen Dimensionen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sowie mit eigenen Erfahrungen als Betroffene von Gewalt und Ausgrenzung.
Grundlage der Untersuchung ist eine breit angelegte Befragung von mehr als 4.600 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 7 und 9 an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien in Schleswig-Holstein. Mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft nahmen an der Vorstellung der Ergebnisse teil.
„Die aktuellen Ergebnisse sind alarmierend. Sie zeigen deutlich, dass sich etwas in unserer Gesellschaft verschiebt
“, sagt Innenministerin Magdalena Finke. „Und dem müssen wir uns mit allem, was wir haben, entgegenstellen. Wir müssen frühzeitig hinschauen, zuhören und gezielt gegensteuern, wo sich menschenfeindliche Haltungen verfestigen. Die Studie liefert uns dafür eine belastbare Grundlage und hilft uns, Maßnahmen gegen Rechtsextremismus gezielt weiterzuentwickeln.
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Zentrale Befunde
Während ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild unter Jugendlichen mit 3,5 Prozent auf dem Niveau der Erhebung von 2018 bleibt, steigt die Zustimmung zu rechtsautoritären Diktaturvorstellungen. Zugleich nimmt der Kontakt zu rechtsextremen Szenen und Inhalten spürbar zu. Lag der Anteil 2018 noch bei 36,1 Prozent, berichten 2025 bereits 57,6 Prozent der Jugendlichen von entsprechenden Erfahrungen.
Abwertende Einstellungen gegenüber arbeitslosen, obdachlosen und homosexuellen Menschen sowie gegenüber Menschen mit Behinderung haben zugenommen, während andere Dimensionen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit weitgehend stabil bleiben. Auffällig ist der Anstieg bei diskriminierenden Verhaltensweisen. 23,1 Prozent der Jugendlichen geben an, selbst bereits andere beleidigt, Sachen beschädigt oder körperlich angegriffen zu haben. 2018 lag dieser Wert bei 14,3 Prozent.
Parallel dazu berichten mehr Jugendliche von eigenen Diskriminierungserfahrungen. Über zehn Prozent geben an, aufgrund von Nationalität, Herkunft, Sprache oder Hautfarbe benachteiligt worden zu sein. Insgesamt berichten 25,4 Prozent, mindestens eine Form gruppenbezogener Diskriminierung erlebt zu haben. Das bedeutet ein Anstieg gegenüber 12,6 Prozent im Jahr 2018. Dabei räumt die Studie ein, dass ein Teil der Anstiege durch höhere Sensibilität erklärt werden kann, während passgenaue und starke Präventionsmaßnahmen empfohlen werden.
„Wir schauen uns die Befunde genau an. Sie mahnen uns, noch gezielter zu handeln
“, betont die Ministerin. „Präventionsarbeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Trotzdem ist es eine Aufgabe, die wir nur alle gemeinsam bewältigen können. Mit politischer Bildung, Unterstützung von Schulen und Lehrkräften und der Förderung einer aktiven Zivilgesellschaft können und müssen wir den Entwicklungen entgegenwirken. Und je früher wir ansetzen, desto besser können wir demokratische Werte stärken und Ausgrenzung wirksam entgegenwirken.
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Die Analysen ermöglichen einen Vergleich mit der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2018 und zeigen Entwicklungen und Trends auf. Sie bilden damit eine wichtige Grundlage, um Präventionsmaßnahmen im Land gezielt weiterzuentwickeln. Der Landespräventionsrat und das Landesdemokratiezentrum werden die Erkenntnisse gemeinsam mit zahlreichen Akteurinnen und Akteuren in konkrete Maßnahmen überführen.
Die konkreten Handlungsempfehlungen und die gesamte Studie finden Sie hier:
Fortschreibung der Regionalanalysen zum Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein (2026) (PDF, 2MB, Datei ist barrierefrei)
Prävention im Bereich Rechtsextremismus
Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sind gesamtgesellschaftliche Probleme. Die Präventionsarbeit ist in diesem Bereich sehr gut aufgestellt. Das Landesdemokratiezentrum (LDZ) beim Landespräventionsrat (LPR) Schleswig-Holstein, angesiedelt beim Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport, verantwortet die Ausgestaltung der Strukturen auf Landesebene in den Bereichen Extremismusprävention und -intervention sowie Demokratieförderung. Kern dieser Tätigkeit ist die Förderung und Zusammenarbeit mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Beratungsstellen.
Im Phänomenbereich Rechtsextremismus koordiniert und fördert das Landesdemokratiezentrum (LDZ) beim Landespräventionsrat (LPR) Schleswig-Holstein unter anderem Maßnahmen der Mobilen Beratung sowie der Ausstiegs- und Distanzierungsberatung.
Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus wird in Schleswig-Holstein durch die Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus (RBT-SH) umgesetzt, die sich in Trägerschaft des AWO Landesverbands Schleswig-Holstein e. V. sowie der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein e. V. befinden. Die RBT-SH informieren landesweit Menschen und Institutionen zum Thema Rechtsextremismus und beraten zum Umgang mit Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und weiteren Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Neben den Beratungen bieten die RBT-SH Fortbildungen und Workshops an, mit denen für das Themenfeld sensibilisiert und Wissen über Erkennungszeichen, Organisationen etc. vermittelt wird.
Die Ausstiegs- und Distanzierungsberatung wird durch die Maßnahme Ausstieg-SH umgesetzt, die sich in Trägerschaft von KAST e. V. befindet. Ausstieg-SH unterstützt Menschen, die bereits Kontakt zur rechtsextremistischen Szene haben oder Teil derselben sind, sowie deren Angehörigen dabei, neue Netzwerke aufzubauen, neue Ressourcen und berufliche Perspektiven zu entwickeln und neue Lebenswege zu beschreiten.
Verantwortlich für diesen Pressetext: Tim Radtke/ Jana Hämmer / Dörte Mattschull | Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport | Düsternbrooker Weg 92, 24105 Kiel | Telefon 0431 988-3007 / -3337 / -2792 |
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