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Geist von Olympia in Handewitt
Internationale Begegnung, olympische Werte und Sportsgeist – beim Projekt „Starke Werte, starke Zukunft – olympische Basiskompetenzen“ des IQSH entsteht Fortbildungsmaterial für die zeitgemäße Lehrkräftebildung.
Exzellenz, Respekt, Freundschaft – die olympischen Werte prägen einen fürs Leben, erzählt Matthias Hahn, 61. Der ehemalige Olympionike, der nun bei Flensburg Handewitt unter anderem die A-Jugend trainiert, steht in der Wikinghalle in der Siegfried-Lenz-Schule in Handewitt. 24 Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 17 Jahren hängen gebannt an seinen Lippen. „Das Gefühl kann man nicht erzählen“, sagt Hahn, der 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona selbst bei olympischen Spielen dabei war. Und doch spüren es alle schon beim Zuhören, die Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler, die Studierenden, die gekommen sind, um bei dieser Sport-Einheit, die Hahn heute anleitet, mitzumachen.
Erfahrungsbasiertes und selbstgesteuertes Lernen
An der Siegfried-Lenz-Schule läuft gerade ein Projekt, bei dem nach der Methode der genetischen Spielvermittlung digitales und modulares Unterrichtsmaterial entsteht. Das erfahrungsbasierte und selbstgesteuerte Vorgehen steht bei diesem didaktischen Ansatz im Vordergrund. Entwickelt haben die Projekt-Idee Schirin Polzien, Alexandra Vogel und Hilke Wald, die am IQSH im Landesprogramm Zukunft Schule im digitalen Zeitalter als regionale Fachberaterinnen tätig sind. Im Kern geht es darum, dass Schülerinnen und Schüler olympische Werte erlernen, erfahren und anderen Schülerinnen und Schülern vermitteln sollen. Um diese gut spürbar zu machen, wärmt Matthias Hahn heute die Gruppe auf.
In Handewitt sind dem olympischen Geist gemäß 16 internationale Gäste aus Estland und aus Griechenland dabei, begleitet von ihren jeweiligen Lehrkräften. Die EU fördert das Vorhaben im Rahmen von Erasmus+. Bisher haben sich die Jugendlichen nur online kennengelernt, nun treffen sie sich zum ersten Mal persönlich. Ziel der Woche ist es, das Spiel, mit dem die olympischen Werte erfahrbar werden, und das Turnier konkret vorzubereiten, das im Juni in Athen an der Deutschen Schule stattfinden wird.
Phasenübergreifendes Vorhaben
„Geht es jetzt darum, nicht ins Gefängnis zu kommen? Oder ist es eine Ehre?“ fragt eine Schülerin. In der Gruppe erarbeiten die Schülerinnen und Schülern nun an den Spielregeln. An der Wand kleben Stichwortsammlungen zu Exzellenz, Respekt, Freundschaft, neben ersten Entwürfen und Spielplänen. „Eine neue Idee: wenn man nicht sicher ist, ob man getickt wurde, könnte man die Pads zählen“, schlägt Gesa Raschke, Lehrerin an der Siegfried Lenz Schule, vor. Während die Schülergruppe auf Deutsch und Englisch diskutiert, beraten sich die Studierenden, die heute bei dem Projekt zuschauen dürfen. Sie werden ihre Masterarbeiten zu dem Thema genetische Spielvermittlung schreiben und sind durch ihr Studium an der Europa-Universität-Flensburg an dem Projekt nah dran. „Es ist schon was besonderes, so ein praktisches Programm live zu sehen. Es macht Spaß, dass man später so arbeiten kann“, fasst Tjark von Lanken zusammen. Die Studierenden untersuchen je nach Schwerpunkt ihrer Master- oder Bachelorarbeit durch Beobachtungen und Interviews das Zusammenspiel aus genetischem Lernen, internationaler Kooperation und werteorientierter Spielentwicklung.
Kinder fühlen sich gesehen
Anna-Lena Götsch ist bereits in der zweiten Phase der Ausbildung zur Lehrkraft, sie hat als Referendarin die Methode der genetischen Spielvermittlung an ihrer Schule ausprobiert und eine siebenstündige Unterrichtseinheit dazu entwickelt. „Es geht hier ja auch um sozial-emotionale Kompetenzen,“ betont Götsch, „und mit dieser Methode fühlen sich die Kinder sehr gesehen, und das ist wirklich was Besonderes“. Elemente aus ihrer Unterrichtseinheit sind in das Projekt eingeflossen – eine große Wertschätzung und auch ein Zeichen für die Qualität der Ausbildung aus ihrer Sicht: „Das ist das Gute, dass man ganz viel lernt als Referendarin,“ betont sie.
„Wir sehen vor allem, welche Freude die Kinder haben“, sagt Aina Porman, die mit ihrer Kollegin Kairi Salu aus Talinn nach Flensburg gereist ist. „Die Reise nach Deutschland ist wirklich etwas besonderes, und sie kommen so gut mit der Sprache voran“, betont Salu. Die Schule nehme das erste Mal an einem Erasmus-Projekt teil. Jan-Patrick Witte, der die griechische Gruppe begleitet, ist vor allem von der Koordinierung und dem pädagogischen Schub angetan, den die Methode bringt: „Es ist eine ganz authentische internationale Begegnung, und ich bin begeistert, wie schnell die Kinder schon kooperieren. Das liegt auch an der organisatorischen Rahmung und der methodischen Mischung“.
„Ich bin wirklich erleichtert, das Projekt läuft nach Plan“, sagt Alexandra Vogel. Während die nächste Phase, die praktische Methodenerprobung für die Projektkoordinatorinnen bereits beginnt, geht es für die Jugendlichen erstmal in die Pause – in lockeren Gruppen, also ob sie schon immer international zusammen gelernt hätten. „Das ist ein richtig cooles Projekt, man kann so viel entwickeln“, sagt Nelson, 14.
Zielsetzung: Entwicklung praxisnaher, modularer Schulungsmaterialien als digitale Open Educational Ressource (OER) zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen
Didaktischer Ansatz: Genetisches Lernen – erfahrungsbasiert/selbstgesteuert; Schülerinnen und Schüler entwickeln in internationalen Teams im Rahmen eines Blended-Mobility-Projekts eigene Sportspiele basierend auf den olympischen Werten und realisieren mini-oympische Spiele (sportliche Werte werden von SuS für SuS erlebbar gemacht)
Zielgruppen: Lehrkräfte entlang der gesamten Qualifizierungskette (Phase 1 – 3: Studium, Vorbereitungsdienst, Fortbildung) sowie Schülerinnen und Schüler der Sek. I – mit Fokus auf Demokratiefähigkeit, Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit im europäischen Kontext.
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