- 747.000 Euro Förderung: Acht innovative Forschungsprojekte zur Energiewende in Schleswig-Holstein werden unterstützt.
- Große Nachfrage: 41 Anträge zeigen den hohen Forschungsbedarf.
- Praxisnahe Lösungen für Klimaziel 2040: Geförderte Projekte reichen von KI für Windenergie über Wasserstofftechnologien bis zu neuen Energie- und Wärmekonzepten.
Kiel, 29. Juni 2026. Die Energiewende in Schleswig-Holstein bekommt weiteren Rückenwind aus der Forschung: Zum zweiten Mal werden mit dem Landesförderfonds Energiewendeforschung (LEF) Projekte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Land gefördert. Die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH (EKSH) schüttet in der zweiten Förderrunde rund 747.000 Euro aus und unterstützt damit acht Forschungsprojekte, die sich mit zentralen Fragen der Energiewende in Schleswig-Holstein befassen.
Die Projekte bearbeiten Fragestellungen entlang der Energiewendeforschungs-Roadmap für das Land Schleswig-Holstein und sind jeweils einem oder mehreren der sieben Fokusfelder des Landeskompetenzzentrums Energiewendeforschung zugeordnet. Sie haben eine Laufzeit von maximal einem Jahr und werden mit bis zu 100.000 Euro unterstützt.
Die Bandbreite der geförderten Vorhaben zeigt, wie vielfältig die Herausforderungen und Lösungsansätze der Energiewende sind: So arbeitet etwa das Projekt „Ocean Power Ponton“ der HAW Kiel an einem hybriden Offshore-Kraftwerk, das Wellen- und Solarenergie kombiniert. Dieses neuartige System soll insbesondere Inseln und Küstenregionen eine nachhaltige Energieversorgung ermöglichen – auch dort, wo andere erneuerbare Energiequellen beispielsweise aus Umweltschutzgesichtspunkten nur eingeschränkt nutzbar sind.
Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „WindSenseAI“ der Universität zu Lübeck, das Künstliche Intelligenz für die frühzeitige Erkennung von Anomalien in Windenergieanlagen entwickelt. Ziel ist es, ungeplante Ausfälle zu verhindern und Wartungsprozesse effizienter zu gestalten – ein wichtiger Beitrag zur höheren Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit der Windenergie im Land.
Zudem nimmt das Projekt „SPLASH“ der Europa-Universität Flensburg die Wärmewende in den Blick: Es untersucht, wie öffentliche Schwimmbäder als flexible Wärmespeicher genutzt werden können, um erneuerbare Energien besser in das Energiesystem zu integrieren. Dadurch könnten nicht nur CO₂-Emissionen reduziert, sondern auch Stromnetze entlastet werden.
„Mit dem Landesförderfonds Energiewendeforschung stärken wir gezielt die wissenschaftliche Expertise und Innovationskraft in Schleswig-Holstein. Die große Resonanz auf den zweiten Förderaufruf zeigt, wie viele gute Ideen und Lösungen in unserem Land vorhanden sind. Gleichzeitig machen die geförderten Projekte deutlich, wie wichtig es ist, die Energiewendeforschung entlang unserer strategischen Schwerpunkte weiterzuentwickeln. Das sind konkrete Beiträge für eine Klimaneutralität bis 2040“
, betont Wissenschaftsministerin Dr. Dorit Stenke.
Die Resonanz auf den zweiten Förderaufruf war sehr groß: 41 Anträge gingen bis zum Stichtag am 1. April 2026 ein. Eine Jury aus Fachleuten wählte die acht besten Projekte aus.
„Unsere Erwartungen hinsichtlich der Nachfrage nach Fördermitteln wurden übertroffen! Wir haben deutlich mehr Anträge erhalten, als wir fördern können. Um auch das Potenzial der nicht geförderten Anträge zu nutzen, werden wir uns gemeinsam mit den Forschenden um andere Fördermöglichkeiten bemühen“
, sagt Prof. Dr.-Ing. Frank Osterwald, Geschäftsführer der EKSH.
Das Förderprogramm LEF ist Teil des Projekts Landeskompetenzzentrum Energiewendeforschung bei der EKSH und läuft vom 1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2027. Es wird durch das Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur Schleswig-Holstein (MBWFK) finanziert. Ziel ist es, durch praxisnahe Forschung einen Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2040 zu leisten.
Weitere Informationen zum Programm und den geförderten Projekten finden Sie unter mehr lesen
Verantwortlich für diesen Pressetext:
Sandra Laffrenzen | Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH | Boschstraße 1, 24118 Kiel | Telefon 0151 61 34 32 69 | E-Mail: laffrenzen@eksh.org
und
Beate Hinse I Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur | Brunswiker Straße 16-22, 24105 Kiel | Telefon 0431 988-2369 | E-Mail: pressestelle@bimi.landsh.de
Projektübersicht
KALAGA - Katalysatoren für die landseitige H2-Generierung aus grünem Ammoniak
Prof. Dr. Malte Behrens (CAU Kiel)
Kurzinfo: KALAGA zielt darauf ab, kostengünstige, aktive und stabile Katalysatoren für die Wasserstoffgewinnung aus grünem Ammoniak weiterzuentwickeln und damit die Grundlagen für das geplante Verbundprojekt „AmmoRef 2.0“ zu schaffen. Aufbauend auf bisherigen Arbeiten werden insbesondere das Fe:Co-Verhältnis optimiert, geeignete Promotoren identifiziert sowie erste Schritte zur Formgebung und Skalierung der Katalysatoren umgesetzt und von grundlegenderen Untersuchungen zum Reaktionsmechanismus flankiert.
NanoCuBond SH - Nanoskulpturierte Kuperoberflächen für Sinter und Klebeverbindungen in Leistungsmodulen
Prof. Dr.-Ing. Aylin Behrendt-Bicakci (HAW Kiel) und Prof. Dr. Rainer Adelung (CAU)
Kurzinfo: Das Projekt NanoCuBond SH untersucht, ob nanosculpturierte Kupferoberflächen die Aufbau- und Verbindungstechnik von Leistungsmodulen verbessern und damit Zuverlässigkeit, Herstellbarkeit und Langzeitstabilität erhöhen können. Dazu werden neuartige strukturierte Kupfersubstrate entwickelt, in modulnahen Aufbauten getestet und hinsichtlich mechanischer, elektrischer und zuverlässigkeitsbezogener Eigenschaften bewertet.
Ocean Power Ponton - ein hybrides Kraftwerk zur komplementären Nutzung von Solar- und Wellenenergie
Prof. Dr.-Ing. Christian Keindorf (HAW Kiel)
Kurzinfo: Das Ziel von Ocean Power Ponton ist die Entwicklung eines hybriden offshore Energiesystems aus Wellenkraft und Solar als Reallabor für die Energieversorgung auf Sylt. Es ermöglicht insbesondere Küstenländern sowie Inseln und Halligen die Nutzung von Solar und Wellenenergie für den Fall, wenn andere regenerative Energiequellen aufgrund von Standort- oder Umwelt- und Naturschutzbedingungen nicht zulässig oder nicht verfügbar sind. Das hybride Energiesystem stellt eine Sprunginnovation dar, die es in Deutschland noch nicht gibt.
SmileExtend - Transfer und Verstetigung der Mobilitätsangebote des Modellprojektes SMILE24
Bente Grimm (NIT) und Prof. Dr. Thomas Franke (Universität zu Lübeck)
Kurzinfo: Das Ziel von SmileExtend ist die Entwicklung von Mobilitätskonzepten für die Mobilitätswende im ländlichen und touristisch geprägten Raum in Schleswig-Holstein, insbesondere in der Weiterverfolgung von SMILE24, was bereits in der Schleiregion erfolgreich durchgeführt wurde.
SPLASH - Flexible Power-to-Heat in Municipal Swimming Pools for Renewable Energy Integration in Schleswig-Holstein
Prof. Dr. Bernd Möller (Europa-Universität Flensburg)
Kurzinfo: Das Projekt untersucht, inwieweit öffentliche Schwimmbäder in Schleswig-Holstein als flexible Wärmelasten mittels Power-to-Heat zur Integration erneuerbarer Energien beitragen können. Dazu werden Energiebedarfe analysiert, technische und regulatorische Potenziale bewertet sowie ein Optimierungsmodell zur Abstimmung von Stromangebot und
Wärmenachfrage entwickelt. Abschließend werden die Potenziale zur Netzstabilisierung, CO₂-Reduktion und Wirtschaftlichkeit quantifiziert und in eine Umsetzungs-Roadmap überführt.
WindSenseAI - Effiziente KI zur Anomalieerkennung in Windenergieanlagen
Prof. Dr. Sebastian Otte (Universität zu Lübeck)
Kurzinfo: Das Projekt entwickelt ressourceneffiziente KI-Methoden zur frühzeitigen Erkennung von Anomalien in Vibrationsdaten von Windenergieanlagen, um ungeplante Ausfälle zu vermeiden und prädiktive Wartung zu ermöglichen. Im Fokus stehen energiearme, robuste Modelle für den dezentralen Einsatz direkt an den Anlagen (Edge-KI), die Effizienz und
Resilienz steigern.
NEMO-SST - Next-Generation Medium-Voltage Fast Charging Infrastructure Based on Solid-State Transformer Technology for Sustainable Mobility Applications
Apl. Professor Hossein Imaneini (CAU Kiel)
Kurzinfo: Das Projekt entwickelt und validiert ein Schnellladekonzept auf Mittelspannungsebene basierend auf Solid-State-Transformatoren (SST), um eine effiziente und skalierbare Ladeinfrastruktur für Anwendungen wie Elektro-Busse, Lkw und maritime Systeme zu ermöglichen. Im Fokus stehen eine modulare Systemarchitektur, fortschrittliche Steuerungs- und
Spannungsbalancierungsverfahren sowie die Integration von Batteriespeichern zur Verbesserung von Netzstabilität und Flexibilität.
AOAlytics - Datenbasierte AoA-Analyse und Lastvorhersage für Windenergieanlagen
Prof. Dr. Daniel Böhnke (HAW Kiel)
Kurzinfo: Ziel vom Projekt AOAlytics ist die Steigerung von Effizienz und Lebensdauer von Windenergieanlagen durch einen validierten KI-basierten Anstellwinkelschätzer für eine präzisere, lastarme Betriebsführung.