Grußwort zum 5. Kieler Dialog im Kulturspeicher Kiel
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrte Frau Johannsen,
sehr geehrter Herr Prof. Koch,
sehr geehrter Herr Prof. Hochscherf,
sehr geehrte Frau von Bassewitz,
sehr geehrte Frau Jones,
sehr geehrter Herr Städing,
meine Damen und Herren, liebe Gäste,
herzlich willkommen zum Kieler Dialog 5.0!
Dieses Mal – das erkennen Sie ja schon am Veranstaltungsort hier im neuen Kulturspeicher – geht es um Kunst, Kultur und Künstliche Intelligenz.
Ich freue mich sehr, dass Sie alle den Weg hierher gefunden haben.
Vielen Dank liebe Frau Johannsen, dass wir die schönen Räume der Landesbibliothek wieder einmal nutzen dürfen und diesem wunderbaren Dritten Ort weitere Sichtbarkeit verschaffen.
Mit dem Zentrum für Digitalisierung und Kultur sind Sie die erste Anlaufstelle für alle Fragen rund um KI und eine Innovationsplattform für Kultureinrichtungen im ganzen Land. Wir hätten also keinen passenderen Ort für unseren Kieler Dialog finden können.
Früher hieß es immer, die Künstliche Intelligenz kommt. Heute ist sie da – als wichtiges Gegenwarts- und Zukunftsthema, als Chance und als Herausforderung.
Neben vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten gibt es oftmals Vorbehalte in Bezug auf KI-gestützte Anwendungen. Das gilt gerade für den Kulturbereich, wo es doch auf individuelle Kreativität und Schaffenskraft ankommt.
Menschen fragen sich:
Wird KI zu einem neuen künstlerischen Werkzeug wie der Tiefdruck oder die Fotolinse?
Verlernen wir durch die KI langfristig, selbst kreativ zu sein?
Werden wir in Zukunft überhaupt noch zwischen Kunstwerken menschlichen Ursprungs und Kunstwerken von KI unterscheiden können?
Was bleibt authentisch?
Gleichzeitig entstehen neue Formen der Kreativität und Gestaltungsprozesse durch KI-Tools.
Deshalb ist ein verantwortungsvoller Umgang notwendig, der selbstverständlich Urheberrechte, Datenschutz und ethische Blickwinkel einbezieht.
Neben dem Schaffensprozess mit Hilfe von KI kann diese auch die Vermittlung von Kunst und Kultur beeinflussen:
Viele Museen und Einrichtungen erschließen schon neue Zielgruppen durch den Einsatz von KI. Andere bieten ihren Gästen digitale Führungen und KI-gestützte Interaktionen mit ChatBots an.
Das kann an vielen Stellen das Angebot erweitern, Personal entlasten und die Partizipation stärken.
Doch das persönliche Erlebnis von Kunst und Kultur, die zwischenmenschliche Begegnung – das kann Künstliche Intelligenz nicht simulieren.
Der dritte Potenzialbereich ist die Verwaltung:
Hier kommt die KI nicht nur im Ressourcenmanagement zum Einsatz.
Einige Kultureinrichtungen setzen auch KI-basierte Datenanalysen ein, um zum Beispiel Besucherverhalten auszuwerten und das Kulturangebot noch gezielter auf die Bedürfnisse ihrer Gäste ausrichten zu können.
Viele Kultureinrichtungen gehen also bereits reflektiert und konstruktiv mit der Innovation um – sie sind offen für die Möglichkeiten, die KI bietet.
Zugleich sind sie aber auch sensibel gegenüber den kulturellen, ethischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen, die damit verbunden sind.
Ich stelle mir die Frage: Wir können wir sie dabei unterstützen?
Schleswig-Holstein hat sich früh auf den Weg gemacht: In der Landes-KI-Strategie ist als explizites Ziel formuliert, dass KI immer im Nutzen des Menschen stehen soll:
Wir steuern die KI-Anwendungen. Wir bestimmen ihre Wirkung.
Genau das beschreibt auch das Prinzip „Human in the Loop“: Der Mensch definiert die Idee, die Perspektive und die kreative Richtung.
Ein nachhaltiger und sicherer Einsatz, das Achten von Privatsphäre, Datenqualität und Transparenz, Vielfalt, Nichtdiskriminierung und Fairness muss unser Handeln auszeichnen.
Denn das Ziel von jedem KI-Einsatz in Schleswig-Holstein ist das gesellschaftliche Interesse und Wohlergehen.
Mit der Frage, wie Kultureinrichtungen die digitale Transformation erfolgreich gestalten können, beschäftigt sich auch der Masterplan Kultur.
Er ist die umfassende Strategie zur digitalen Weiterentwicklung im Kulturbereich – herausgegeben von meinem Ministerium und der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek.
Der Digitale Masterplan Kultur 2.0, wie er genau heißt, baut auf seinem Vorgänger auf und fördert digitale Innovationen im Land.
Wir wollen damit zum Beispiel kulturelle Teilhabe stärken und Reichweiten erhöhen.
Besonders dabei: Der Masterplan beruht auf Evaluationen, wissenschaftlicher Bewertung sowie Anhörungen von Akteurinnen und Akteuren aus dem Kultursektor.
Es haben sich Museen und Theater, Bibliotheken und Archive, kulturelle Bildungseinrichtungen, Kommunen und die Wissenschaft beteiligt.
Aufgrund dieser Vielstimmigkeit spiegelt der Masterplan die spezifischen Bedürfnisse und Potenziale aller Zielgruppen wider.
Ein zentraler Bestandteil ist zudem die Entwicklung einer landesweiten Kulturplattform, die neue personalisierte Angebote ermöglicht.
Das heißt also, wir sind auf einem guten Weg und haben schon bedeutende Etappen zurückgelegt. Gemeinsam.
Gerade weil die Treiber und Entwickler von Künstlicher Intelligenz oftmals außerhalb der kulturellen Institutionen zu finden sind, bleibt es so wichtig, im gemeinsamen offenen und regen Austausch zu bleiben.
In Schleswig-Holstein blicken wir auf vielschichtige kreative Milieus, kompetente Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie ein großes Netzwerk aus engagierten Kulturakteuren.
Damit haben wir die Voraussetzung für neue Ideen und Wissenstransfer.
Praxisbeispiele zeigen schon heute, wie KI als kreatives Werkzeug in der Kulturarbeit eingesetzt werden kann – nicht als Ersatz menschlicher Kreativität, sondern als ergänzendes Mittel, um Geschichte, Literatur und kulturelle Inhalte auf neue Weise erfahrbar zu machen.
Im Zusammenspiel von wissenschaftlicher Arbeit, künstlerischer Gestaltung und digitalen Technologien entstehen so neue Formen der Vermittlung, die historische Stoffe lebendig und immersiv erzählen – und damit neue Zielgruppen erschließen können.
Die Reaktionen des Publikums fallen dabei sehr unterschiedlich aus: zwischen großer Neugier, Begeisterung und durchaus kritischen Stimmen.
Diese Diskussion zeigt aber, wie wichtig kulturelle Orte für die gesellschaftliche Debatte sind.
Die Digitalisierung im Kulturbereich ist kein Selbstzweck.
Entscheidend bleibt immer die Frage, wie Technologie dazu beitragen kann, bedeutende Inhalte zugänglicher, anschaulicher und dialogorientierter zu vermitteln.
Liebe Gäste, meine Damen und Herren, nochmals herzlichen Dank, dass Sie heute hier sind.
Danke auch an alle, die diesen Abend geplant und organisiert haben.
Ich freue mich nun auf die Impulse, die Podiumsdiskussion und einen anregenden Austausch mit Ihnen!
Vielen Dank.
Dr. Dorit Stenke
Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein