"Ach Julia, ich finde, du solltest im Allgemeinen Vollzug arbeiten." Dieser Satz sollte das Berufsleben von Julia Heim* nachhaltig verändern. Damals plante die gebürtige Hamburgerin, nach Lübeck zu ziehen. In einem Telefonat stellte sie ihrer Freundin die Frage: "Aber was mache ich dann beruflich?" Die Antwort kam überraschend und traf doch genau ins Schwarze.
Heute macht Julia ihre Ausbildung im Allgemeinen Justizvollzug in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck – der mit über 520 Haftplätzen größten Vollzugsanstalt in Schleswig-Holstein. Knapp 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dort für Strafgefangene sowie Untersuchungshäftlinge.
Vorbereitung zahlt sich aus
Nach dem Telefonat mit ihrer Freundin stieß Julia auf eine Stellenanzeige der JVA Lübeck. Der nachfolgende Weg in die Ausbildung verlangte viel Einsatzbereitschaft. Die gebürtige Hamburgerin bereitete sich mithilfe einer App intensiv auf das Auswahlverfahren vor. Außerdem frischte sie ihre Mathekenntnisse auf, die im anschließenden Online-Test abgefragt wurden. Wer diesen besteht, wird zu einem Sporttest und weiteren schriftlichen Prüfungen eingeladen. Den sportlichen Teil sollten Bewerberinnen und Bewerber nicht unterschätzen, rät Julia. Sprinttraining und Ausdauerübungen seien eine sinnvolle Vorbereitung.
Die Ausbildung verbindet theoretischen Unterricht mit der Praxis im Vollzug. Im Einführungslehrgang stehen zunächst verschiedene Inhalte wie Straf- und Vollzugsrecht, Pädagogik und soziale Arbeit sowie Psychologie auf dem Lehrplan. "Man kann es ein bisschen mit Schule vergleichen", sagt Julia. "Nur die Themen sind natürlich ganz andere." Außerdem gehört auch Sport zur Ausbildung. Die Anwärterinnen und Anwärter lernen dort Selbstverteidigungstechniken und Erste Hilfe.
Resozialisierung von Gefangenen
Während ihrer Ausbildung hat Julia festgestellt, dass der Justizvollzug weit mehr umfasst, als das bloße Bewachen von Gefangenen. "Es geht darum, Strukturen zu schaffen und Menschen dabei zu unterstützen, wieder Teil der Gesellschaft zu werden." Somit sei der Vollzug ein unverzichtbarer Bestandteil des Rechtsstaats.
Durchsetzungsvermögen und Empathie
Nach Julias Einschätzung zählen Kommunikationsstärke, Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein zu den wichtigsten Eigenschaften für die Arbeit im Justizvollzug. "Nur Autorität reicht eben nicht", stellt sie klar. Wer ausschließlich auf Härte setzt, könne Konflikte sogar verschärfen. Empathie, Respekt und Sensibilität seien daher ebenso wichtig. "Die Justizvollzugsbeamtinnen und -beamten haben den Insassen gegenüber eine Vorbildfunktion", sagt die Auszubildende. Aus diesem Grund sei es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
Abwechslungsreicher Arbeitsalltag
Die Justizvollzugsanstalt Lübeck überzeugt die Auszubildende mit ihren vielfältigen Einsatzbereichen. Ob Frauen-, Straf- oder Untersuchungshaft – jede Station bringt ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Besonders reizvoll findet sie derzeit die Untersuchungshaft. "Dort ist kein Tag wie der andere", sagt Julia. Neben Kontrollen der Hafträume und Inhaftierten begleiten die Mitarbeitenden Untersuchungshäftlinge unter anderem zu Gerichtsterminen oder übernehmen Neuaufnahmen. Durch den ständigen Wechsel der Belegung bleibt der Arbeitsalltag abwechslungsreich und verlangt ein hohes Maß an Flexibilität.
Eine endgültige Entscheidung, wo sie nach Abschluss ihrer Ausbildung arbeiten möchte, hat die Schleswig-Holsteinerin jedoch noch nicht getroffen. Zunächst möchte Julia weitere Erfahrungen sammeln und in ihre Rolle als Justizvollzugsbeamtin hineinwachsen. Ihr Ziel: In schwierigen Situationen stets fair, zuverlässig und professionell handeln.
Rat für Interessierte
Wer sich für die Ausbildung interessiert, sollte sich von Fernsehserien und Filmen nicht täuschen lassen, rät Julia. "Der Beruf sollte weder unterschätzt noch romantisiert werden." Der Alltag im Justizvollzug sei oft anspruchsvoll und verlange ein hohes Maß an Professionalität. Doch wer in belastenden Situationen ruhig bleiben und Grenzen setzen kann sowie gerne im Team arbeitet, für den sei dieser Beruf richtig. Eine Bewerbung ist jederzeit möglich. Insbesondere für die größeren Einrichtungen wie Lübeck finden alle drei Monate Auswahlverfahren statt.
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