Schleswig-Holstein beschleunigt die Ablösung von Microsoft Access und setzt mit einer sogenannten Low Code Plattform weiterhin auf offene Lösungen und die Entwicklung moderner Verwaltungsanwendungen.
Nach dem Abschied von Microsoft Office und Outlook setzt die Landesverwaltung weiter konsequent auf offene Lösungen: Mit der sogenannten A12 AI Low Code Plattform des deutschen Software-Unternehmens mgm technology partners beschleunigt das Land die Ablösung von Microsoft Access und die Entwicklung moderner Verwaltungsanwendungen.
Im Rahmen der Umstellung der Verwaltung auf einen digital souveränen IT-Arbeitsplatz mit Libre Office, Open-Xchange (E-Mail) und dem zukünftigen Betriebssystem Linux nimmt die Staatskanzlei Schleswig-Holstein auch die Vielzahl individueller Fachverfahren in den Blick. Fachverfahren sind unverzichtbarer Bestandteile moderner Verwaltungsarbeit und bilden komplexe Verwaltungsprozesse ab. Oft basieren sie jedoch auf proprietären oder veralteten Technologien. Mit dem Konzept der modellbasierten Softwareentwicklung (Low Code-Ansatz) und dem Einsatz der A12-Plattform wird die Landesverwaltung in die Lage versetzt, sowohl mit externer Unterstützung als auch eigenständig Softwarelösungen bereitzustellen. Es entstehen moderne, web-basierte Verfahren, die den aktuellen Bedarf erfüllen und sicher sind. Zudem können die Ergebnisse deutschlandweit anderen Verwaltungen zur Nachnutzung bereitgestellt werden. Das Land folgt somit konsequent der eigenen Digitalisierungsstrategie.
Nachhaltige und zukunftsorientierte Digitalisierung der Verwaltung
"Mit der Bereitstellung der offenen, leistungsfähigen Entwicklungsplattform A12 schaffen wir eine weitere Grundlage für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Digitalisierung der Verwaltung in Schleswig-Holstein", sagt Digitalisierungsminister Dirk Schrödter. "Wir setzen bewusst auf digitale Souveränität durch Open-Source-Lösungen und auf bundesweite Nachnutzbarkeit dieser Lösungen sowie auf Transparenz. Basis ist eine kooperative Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Unser Ziel ist eine nachhaltige, sichere und unabhängige IT-Infrastruktur in der Landesverwaltung, die Innovationen fördert und die digitale Eigenständigkeit des öffentlichen Sektors stärkt. Mit A12 werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesressorts und nachgeordneter Behörden durch gezielte Schulungen befähigt, Anwendungen eigenständig umzusetzen – als Citizen Developer ohne Programmierkenntnisse."
Die Landesverwaltung Schleswig-Holstein löst derzeit über 100 Microsoft Access-basierte Fachverfahren schrittweise ab – ein relevanter Teil davon bereits in 2026. A12 verbindet Low-Code-Modellierung mit einem iterativen Vorgehen und hat sich im laufenden Projekt als tragfähige Basis erwiesen. Das landesweite Low Code-Kompetenzcenter im Zentralen IT-Management der Staatskanzlei wird diese Eigenentwicklungsfähigkeit dauerhaft verankern. Der Betrieb der A12-Plattform erfolgt digital-souverän in Rechenzentren des Landes-IT-Dienstleisters Dataport – und schafft damit die infrastrukturelle Basis für eine länderübergreifende Nachnutzung durch weitere Dataport-Trägerländer.
Konkreter Beitrag zur digitalen Souveränität in Deutschland und Europa
Das Land Schleswig-Holstein stand mgm technology partners GmbH früh als wichtiger Impulsgeber für die Open Source-Stellung der A12-Plattform zur Seite. Nach Abstimmungen mit wichtigen Verwaltungspartnern sowie dem Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) stellte mgm zentrale Bestandteile der A12-Plattform im Mai 2026 unter EUPL 1.2-Lizenz Open Source auf openCode und GitHub bereit. Die Öffnung umfasst sowohl Quellcode, Dokumentation als auch Entwicklungs-Tools. Dieser Schritt verankert die Plattform klar im europäischen Open Source-Ökosystem und rückt sie in die Nähe des Deutschland Stacks. Die European Public License (EUPL) gewährleistet Rechtssicherheit innerhalb der EU, fördert Weiterentwicklung durch Dritte und stärkt technologische Unabhängigkeit von proprietären Einzelanbietern.
"Die Öffnung von A12 leistet einen konkreten Beitrag zur digitalen Souveränität in Deutschland und Europa", betont Hamarz Mehmanesh, Geschäftsführer von mgm technology partners. "Die Zusammenarbeit mit Schleswig-Holstein und dem Zentrum für Digitale Souveränität ZenDiS zeigt, wie Verwaltung und Technologieunternehmen gemeinsam tragfähige, skalierbare und offene Lösungen realisieren können." Gemeinsam streben die Partner auch eine Integration von A12 in den Deutschland-Stack an, sodass zukünftig eine einheitliche Basis für die Digitalisierung von Fachverfahren in Deutschland bereitsteht. "Digitale Souveränität ist Voraussetzung für einen handlungsfähigen Staat. Das ZenDiS stellt mit openCode die dafür notwendige Infrastruktur. Auf der Plattform können Verwaltungen föderal übergreifend Open-Source-Software weiterentwickeln und nachnutzen. Dass mgm A12 unter EUPL 1.2 öffnet, ist genau die Art von Commitment, die wir uns von Technologieanbietern für den öffentlichen Sektor wünschen", so Leonhard Kugler, Geschäftsführer des ZenDiS.
Die A12 Enterprise-Plattform hat sich bereits seit Jahren in sicherheitskritischen und hochkomplexen Anwendungen der öffentlichen Verwaltung bewährt, unter anderem bei ELSTER – dem zentralen Online-Steuerportal Deutschlands. KI-Funktionalitäten treiben die Entwicklung A12-basierter Fachanwendungen spürbar voran. Integrierte Modellnutzung in Fachverfahren und konsequente Unterstützung von KI-gestützter Entwicklung (Agentic Coding) beschleunigen Prozesse und eröffnen neue Potenziale für die öffentliche Verwaltung.
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