Wissenschaft und Kirche erinnern an die Flutkatastrophe von 1362
Letzte Aktualisierung: 13.05.2026
Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt bei Andacht im Wattenmeer
Inmitten des Nationalparks „Nordfriesisches Wattenmeer“ liegen die Überreste zahlreicher durch Sturmfluten zerstörter Siedlungen. Eine von ihnen ist der Handelsort Rungholt, der 1362 während der sogenannten 1. Groten Mandränke unterging.
Am 05.05.2026 fand nun auf gemeinsame Initiative des Erzbistums Hamburg und der DFG-Forschungsgruppe FOR 5837 | TORF eine Gedenkfeier an den 2023 wiederentdeckten Überresten der mutmaßlichen Hauptkirche Rungholts (siehe: https://presse.uni-mainz.de/vermisst-seit-1362) statt.
An der Feier nahm neben Vertretern des Erzbistums Hamburg und mehreren an TORF beteiligten Forschenden auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt teil.
Rungholt als Sinnbild menschlicher Eingriffe
Überregional durch seinen mythisch verklärten Untergang bekannt, gilt Rungholt bis heute als prominentes Beispiel für die andauernden Auswirkungen massiver menschlicher Eingriffe in den norddeutschen Küstenraum. Aus den Wattflächen um Hallig Südfall sind Spuren der mittelalterlichen Besiedlung seit Langem bekannt. Seit 10 Jahren stehen sie im Fokus interdisziplinärer Forschung, die nun im Rahmen von der DFG geförderten Forschungsgruppe TORF ihre Fortsetzung und Ausweitung auf weitere Bereiche des nordfriesischen Wattenmeers erfährt.
Goldschmidt, in dessen Zuständigkeit auch der Küsten- und Naturschutz Schleswig-Holsteins fällt, informierte sich im Rahmen der Veranstaltung über die bisherigen Ergebnisse und zukünftigen Ansätze zur großflächigen Rekonstruktion der untergegangenen Kulturlandschaft, die bis heute inmitten des Nationalparks „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“ erhalten ist.
Bereits während der Kutschfahrt durch das Watt stellte die Gruppe ihre aktuellen Forschungsergebnisse vor, die nicht nur die erhaltenen Siedlungsreste um Hallig Südfall, sondern auch die massiven menschlichen Eingriffe in die mittelalterliche Küstenlandschaft sichtbar machen.
Am Fundplatz der mittelalterlichen Kirche, deren abgesteckter Umriss die ehemals beeindruckende Größe deutlich werden ließ, wurde anschließend in einer Andacht an die Menschen erinnert, die während der Sturmflut 1362 ihr Leben verloren.
Ausgerichtet durch das Erzbistum Hamburg führten Bruder Johannes und Bruder Elias vom Kloster Nütschau durch die Gedenkfeier. Die Teilnehmenden legten im Watt Blumen nieder und schritten, begleitet von Weihrauch und Gesang, die rekonstruierten Grundmauern der Kirche ab.
An die Andacht anschließend folgte eine kurze Ansprache des Ministers, in der Goldschmidt die Relevanz des Wattenmeers als Natur- aber auch Kulturraum betonte.
„Ich habe die Faszination für Rungholt nie richtig erfasst – bis heute«, sagte er. „Jetzt, wo wir quasi mitten in der Kirche stehen, wird sie greifbar. Besonders beeindruckt hat mich die Größe der alten Kirche. Sie zeigt, wie viele Menschen hier mal gelebt und gewirtschaftet haben. Die Forschenden machen die Jahrhunderte alten Lebensweisen sichtbar und vorstellbar. Heute erleben wir hier eine atemberaubende Naturlandschaft. Die damalige Sturmflut und ihre Opfer mahnen uns, mit der Natur zu planen, zu leben und zu bauen und nicht gegen sie."
Mit dem auflaufenden Wasser trat die Gruppe schließlich den Rückweg nach Nordstrand an und vertiefte während der Rückfahrt ihren Austausch über die historischen wie aktuellen Chancen und Herausforderungen der nordfriesischen Wattenmeerregion.
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