Die Zahl der älteren Menschen in Deutschland steigt. Um ihre medizinische Versorgung weiterhin flächendeckend zu gewährleisten, hat die Landesregierung Schleswig-Holstein neue Maßnahmen beschlossen. Diese sind im Krankenhausplan 2017 zusammengefasst.
Ein Ziehen in der Hüfte, ein stechender Schmerz im Knie, Bluthochdruck, Schwindel. Es ist der natürliche Lauf der Dinge: Je älter ein Mensch wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden. Diese können gleichzeitig oder in Folge auftreten. Das wird dann als „Multimorbidität“ bezeichnet. Die Versorgung der älteren Menschen steht im Mittelpunkt der sogenannten Altersmedizin, auch „Geriatrie“ genannt. In Schleswig-Holstein ist die geriatrische Versorgung dreistufig: Die Patientinnen und Patienten werden stationär in Kliniken, teilstationär in Tageskliniken oder ambulant behandelt. Was für jeden Patienten das Beste ist, entscheidet sich nach dem individuellen Befinden und den Krankheiten, an denen er oder sie leidet. Alle geriatrischen Behandlungen haben dabei ein Ziel: Sie wollen den Patienten ermöglichen, weiter oder wieder ein selbstständiges Leben zu führen.
Im Krankenhausplan 2017 sind die Maßnahmen der Landesregierung für eine flächendeckende, umfassende Versorgung in unterschiedlichen Fachbereichen der Medizin festgehalten. Die Geriatrie bildet dabei einen besonderen Schwerpunkt. Das dreistufige Geriatriekonzept, das auf die Landesrahmenvereinigung (LRV) zur geriatrischen Versorgung in Schleswig-Holstein von 2010 zurückgeht, wird im Krankenhausplan 2017 aufgegriffen.
Geriatrischer Versorgungsverbund
Kern des Konzepts ist der geriatrische Versorgungsverbund. Dieser ist ein sektorenübergreifendes Netzwerk und dient als regionale Anlaufstelle für alle Fragen, welche die Geriatrie betreffen. Konkret ist der Versorgungsverbund zuständig für:
Koordination der Patientenversorgung in den unterschiedlichen Versorgungsstufen
Frühzeitiges Identifizieren eines geriatrischen Patienten (Screening)
Geriatrische Beratungsdienste in anderen Fachabteilungen
Fort- und Weiterbildungen für medizinisches Personal, Patienten und Angehörige
Einhaltung von Qualitätskriterien
Steuerung der Patienten
Um zu bestimmen, welche der drei Versorgungsformen für einen Patienten in Frage kommt, wird zu Beginn eines jeden stationären Aufenthalts ein sogenanntes geriatrisches Screening durchgeführt. Auch die Entlassung eines Patienten muss koordiniert werden. Es muss geklärt sein, welche Unterstützung zu Hause nötig und möglich ist. Dabei spielt das soziale Umfeld eine große Rolle.
Die stationäre Geriatrie ist das Herzstück des geriatrischen Versorgungsverbunds. Sie nimmt Patienten auf, die teilstationär oder ambulant nicht ausreichend behandelt werden können. In Schleswig-Holstein sind die geriatrischen Kliniken fachübergreifende Spezialeinheiten. Denn dadurch, dass die Patienten meist an mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden, ist gerade in der Geriatrie die Zusammenarbeit von verschiedenen Berufsgruppen sehr wichtig. Neben verschiedenen Fachärzten und Pflegekräften sind also auch Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten, Sozialarbeiter und Psychologen am Behandlungsprozess eines Patienten beteiligt.
Zu Hause schlafen: geriatrische Tagesklinik
Geriatrische Tageskliniken dienen als Verbindungsstück zwischen stationärer und ambulanter Behandlung. Sie gewährleisten die bestmögliche Versorgung von Patienten, die aus der stationären Geriatrie entlassen wurden, für die aber das ambulante Behandlungsangebot noch nicht ausreicht. Darüber hinaus versorgen sie ältere Menschen, die nicht vollstationär aufgenommen werden müssen, für die eine intensive medizinische Pflege dennoch notwendig ist. Geriatrische Tageskliniken spielen eine große Rolle bei der Wiedereingliederung in die eigene häusliche Umgebung. Denn der vollstationäre Aufenthalt wird verkürzt und in einigen Fällen sogar ganz vermieden. Das erleichtert den Weg hin zu einer selbstständigen Lebensführung der Patienten um ein Vielfaches.
Ambulante Geriatrie
Zur ambulanten geriatrische Versorgung zählen folgende Bausteine:
Geriatrische „Heilmittelerbringer“. Dazu gehören Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen.
Behandlung in den jeweiligen Fachpraxen
Geriatrische Institutsambulanzen
Behandlung in Kliniken mit geriatrischen Abteilungen
Ambulante geriatrisch-rehabilitative Versorgung (AGRV)
Verschiedene Therapien werden in einem Behandlungsprogramm unter einem Dach gebündelt. So können ein Bewegungsbad, Krankengymnastik und eine Einheit Sprachtherapie innerhalb von zwei, drei Stunden absolviert werden.
Für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, gibt es darüber hinaus die ambulante mobile geriatrische-rehabilitative Versorgung, kurz MGRV genannt. Dabei werden die Patienten bei sich zu Hause versorgt.
Derzeit muss für solche Behandlungsmaßnahmen ein Antrag gestellt werden. Dieses Anmeldeverfahren ist in der Praxis jedoch wenig praktikabel. Alle Beteiligten suchen nach Wegen, um das Verfahren zu verbessern.
Die Bettenzahl
Die Bedarfsermittlung ist im Krankenhausplan 2017 von besonderer Bedeutung. Im Ergebnis zeigt sich: Die Anzahl der Betten in schleswig-holsteinischen Krankenhäusern bleibt weitestgehend konstant. Es gibt dafür eine Verschiebung innerhalb der medizinischen Fachgebiete. Damit reagiert die Landesregierung auf die demografische Entwicklung, also das fortschreitende Altern der Bevölkerung. In der Geriatrie kommen 83 Betten hinzu. Das macht eine Gesamtzahl von 1.179 Betten für das Jahr 2017.
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