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Politische Bildung und Demokratieerziehung an Schleswig-Holsteins Schulen

Staatskanzlei

Politische Bildung und Demokratieerziehung an Schleswig-Holsteins Schulen

Das Fach Wirtschaft/Politik wird an allen weiterführenden Schularten angeboten und ist wesentlicher Beitrag zur Demokratieerziehung.

Was bedeutet politische Bildung und Demokratieerziehung?

Das übergeordnete Bildungsziel aller schulischen Bildung ist es, Schülerinnen und Schüler „zu befähigen, sich in der modernen Gesellschaft zu orientieren und politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen und Probleme kompetent zu beurteilen. Dabei sollen sie ermuntert werden, für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Gerechtigkeit, wirtschaftliche Sicherheit und Frieden einzutreten. Diesem übergeordneten Ziel sind grundsätzlich alle Unterrichtsfächer verpflichtet, insbesondere aber die des gesellschaftswissenschaftlichen Bereichs“. So wurde es 2009 auch von Schleswig-Holstein in der Kultusministerkonferenz beschlossen.

Portraitfoto Karin Prien

Unser Ziel muss sein, Schülerinnen und Schüler an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen noch besser auf das Abitur vorzubereiten und mehr Vergleichbarkeit mit den anderen Bundesländern herzustellen

Karin Prien

Von Anfang an? Findet politische Bildung schon in der Grundschule statt?

Ja! Politische Bildung und Demokratieerziehung sind Querschnittsthemen. Schule vermittelt nicht nur Wissen, sondern bereitet auch auf die Teilhabe in unserer Gesellschaft vor. Politische Bildung und Demokratieerziehung ziehen sich von der ersten Klasse bis zum Schulabschluss. Schon in der Grundschule lernen Kinder, wie Demokratie funktioniert: zum Beispiel bei der Wahl der Klassensprecherinnen und -sprecher. Sie lernen, wie man damit umgeht, wenn eine andere Entscheidung getroffen wurde, als sie sich vielleicht selbst gewünscht hätten und wie man gemeinsam an Zielen arbeitet.

Plakat zur Juniorwahl für Kids ©MBWK

Im Fach Sachunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler ihre Heimat besser kennen. Sie lernen zum Beispiel, welche Kreise es gibt, oder besuchen das örtliche Rathaus. Außerdem gibt es in den Grundschulen viele spannende und neu eingeführte Demokratieprojekte wie zum Beispiel die Juniorwahl Kids. Dabei erleben die Schülerinnen und Schüler eine simulierte Bundestagswahl.

Und wie geht es dann weiter?

Im Laufe der Sekundarstufe I, also zwischen der 5. und 10. Jahrgangsstufe, sollen alle Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein mindestens zwei Jahre Politikunterricht haben. Dieser findet zuallererst im Fach Wirtschaft und Politik, kurz WiPo, aber auch in Geschichte, in Weltkunde und Geographie und vielen weiteren gesellschaftswissenschaftlichen Fächern statt.

Und in welchen Jahrgangsstufen findet der Unterricht statt?

Das ist unterschiedlich. Schulen sollen die größtmögliche Flexibilität haben. Seit 2007 wird daher in Schleswig-Holstein mit einer Kontingentstundentafel gearbeitet. In einer Kontingentstundentafel sind die Fächer Aufgabenfeldern zugeordnet. Das bedeutet, dass die Schulen in den Aufgabenfeldern selbst entscheiden können, wann sie die vorgegebenen Fächer unterrichten.

Warum ist das so geregelt?

Wir wollen, dass unsere Schulen möglichst flexibel und individuell entscheiden können, welches Fach zu welchem Zeitpunkt sinnvoll ist. In diesem Zusammenhang können auch weitere schulische Angebote wie Projektwochen, Arbeitsgemeinschaften oder etwa Jugend debattiert eine Rolle spielen. Es gibt aber auch ganz praktische Gründe. Nehmen wir als Beispiel die Naturwissenschaften: Wenn man die Fächer Biologie, Physik und Chemie betrachtet, kann es sinnvoll sein, dass mit Biologie früher angefangen wird als mit Chemie. Ein Argument dafür ist die Sicherheit im Chemieraum.

Im Fach WiPo spielt das mit dem Alter zunehmende Verständnis für wirtschaftliche und politische Zusammenhänge eine Rolle.

Geht WiPo in der Oberstufe weiter?

In der Oberstufe sind WiPo und Geschichte die Leitfächer für die politische Bildung. In der aktuell gültigen Profiloberstufe müssen alle Schülerinnen und Schüler Geschichte bis zum Abitur belegen. Das ist ein verbindlicher Beschluss der Kultusministerkonferenz, den wir in Schleswig-Holstein unterstützen! WiPo ist in der Einführungsphase ein Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler. In der Qualifikationsphase kann es alternativ zu Geografie belegt werden.

Welche Rolle spielt WiPo in der Oberstufe?

Das gesellschaftswissenschaftliche Profil ist in Schleswig-Holstein das am häufigsten belegte Profil (fast 42 Prozent Anteil im Abitur 2018). In diesem Profil liegt WiPo inzwischen mit Geschichte und Geographie als Schwerpunkt im Profil gleichauf. Derzeit wählen mehr Schülerinnen und Schüler WiPo als Geographie.

Und was soll mit der Oberstufenreform erreicht werden?

Ziel der neuen Oberstufe ist, dass Schülerinnen und Schüler mehr Auswahl- und Vertiefungsmöglichkeiten haben. Außerdem soll die Vergleichbarkeit im Abitur verbessert werden. Die sehr starren Profile wurden vielfach kritisiert und nach einem langen Beratungsverfahren mit hunderten beteiligten Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Eltern, Fachleuten und auch den Abgeordneten des Landtags liegt nun ein Entwurf für eine Reform der Oberstufe vor. Danach gibt es für die Schülerinnen und Schüler mehr Auswahl, es soll Möglichkeiten der Vertiefung zum Beispiel durch ein Profilseminar geben. Kurz gesagt: Schülerinnen und Schüler sollen bei der Auswahl ihrer Kurse mehr auf ihre Stärken und Interessen setzen können.

Auch die Berufliche Orientierung wird gestärkt. Ein Berufsorientierungsseminar in der Einführungsphase hilft dabei, das bisher besonders für die Berufliche Orientierung verantwortliche Fach WiPo zu entlasten.

Derzeit befindet sich die Oberstufenreform in der Anhörungsphase. Alle Informationen zur neuen Oberstufe gibt es hier.

In der Zeitung steht aber doch: WiPo soll gekürzt werden?

Das ist falsch. Es soll kein Unterricht gekürzt werden, sondern es werden mehr Auswahlmöglichkeiten angeboten. Dabei muss sich das Bildungsministerium an die Vorgaben der Kulturministerkonferenz halten. Geschichte zum Beispiel soll bis zum Abitur verpflichtend sein.

Die neue Oberstufe soll mehr Kombinationsmöglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler bieten. In der Einführungsphase, also der Jahrgangsstufe 11, haben alle Schülerinnen und Schüler WiPo. Insgesamt ist für die Einführungsphase eine breite Fächerpalette vorgesehen, um für die Schülerinnen und Schüler eine gute Basis für die Wahl ihrer Kurse in der Qualifikationsphase zu schaffen. In der Qualifikationsphase wählen die Schülerinnen und Schüler die Fächer aus, die sie zusätzlich zu den Pflichtfächern ins Abitur einbringen. Dabei behalten sie mindestens zwei gesellschaftswissenschaftliche Fächer bis zum Abitur. Ein gesellschaftswissenschaftliches Fach muss zwingend Prüfungsfach im Abitur sein. 

Werden die Fächer gegeneinander ausgespielt?

Nein! Es war erklärtes Ziel der Politik, die Naturwissenschaften zu stärken und mehr für die MINT-Fächer zu tun. Jedes Schulfach ist wichtig und hat seine Berechtigung. Mehr kulturelle Bildung wäre wünschenswert, mehr Fremdsprachen und natürlich auch mehr Unterricht in den Gesellschaftswissenschaften. Wir wollen Schülerinnen und Schülern aber die Möglichkeiten geben, eigene Schwerpunkte zu setzen. Wenn wir zum Beispiel WiPo für die gesamte Oberstufe verpflichtend machen würden, gäbe es in der Oberstufe nur noch Geographieunterricht für Schülerinnen und Schüler im gesellschaftswissenschaftlichen Profil. Im Interesse der Schülerinnen und Schüler soll natürlich die Gesamtzahl der Stunden nicht noch erhöht werden.

Wie viele WiPo-Lehrkräfte gibt es eigentlich?

Für die 142 Gemeinschaftssschulen und 99 Gymnasien haben wir 902 Lehrerinnen und Lehrer mit der Fachqualifikation Wirtschaft und Politik. An unserem Lehrerbildungsinstitut IQSH finden regelmäßig Fortbildungen statt, in denen die Lehrbefugnis für WiPo in der Sek I erworben werden kann.

Die Zahl der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst für das Fach WiPo, die ihre Ausbildung abschließen, steigt in den kommenden Jahren weiter an. Wir haben etwa 50 neue WiPo-Lehrkräfte pro Jahr in Schleswig-Holstein.

Logo zur Demokratiebildung 2019 Demokratiebildung 2019 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © MBWK

Finden politische Bildung und Demokratieerziehung denn nur in WiPo statt?

Nein! Da die politische Bildung sehr wichtig ist, ist sie eben auch Teil der anderen Fächer.

Politische Bildung und Demokratieerziehung finden insbesondere auch im Geschichtsunterricht statt. Dort lernen die Schülerinnen und Schüler von Jahrgangsstufe 5 bis zum Abitur unterschiedliche Staats- und Regierungsformen kennen: von den ersten Formen der Demokratie im antiken Griechenland, über Kaiser, Könige und Diktatoren bis hin zur modernen Demokratie in der Europäischen Union.

Auch außerhalb des Schulunterrichts, beim Lernen am anderen Ort, in Projekten und auf Exkursionen und politische Bildungsfahrten finden politische Bildung und Demokratieerziehung statt.

Schule als demokratischer Ort ermöglicht Kindern und Jugendlichen von Anfang an Demokratie zu leben.