Die Milchkuh- bzw. Schweinebestände haben seit 1962 in einigen Naturräumen Schleswig- Holsteins in so auffallender Weise zugenommen und in anderen abgenommen, dass man regelrecht von einer "Wanderung" des Viehs sprechen kann.
Die arbeits- und damit lohnintensive Milchviehhaltung wurde von vielen größeren Betrieben, vor allem auf den besseren Ackerbaustandorten des östlichen Hügellandes, aufgegeben und mit ihr das gesamte Rindvieh abgeschafft. Dagegen zwangen hoher Grünlandanteil, geringe Ackererträge und knappe Flächenausstattung die Betriebe auf der Geest, das notwendige betriebliche Wachstum durch Rindviehaufstockung zu erreichen. Arbeitsmäßig wurden die Betriebe damit voll ausgelastet, so dass als Folge die Schweinehaltung häufig aufgegeben wurde. Durch die Aufgabe der Milchviehhaltung auf dem Hügelland konnten die dortigen Betriebe verstärkt in den Betriebszweig Schweinehaltung einsteigen.
Wegen der im Zeitablauf geänderten Erhebungsmethodik sind die Ergebnisse ab 1999 nur eingeschränkt mit den Ergebnissen der Dezember-Viehzählungen der Jahre vor 1999 vergleichbar. Während für den Schweinebestand wegen der kontinuierlichen Erzeugung in den landwirtschaftlichen Betrieben eine gute Vergleichbarkeit unterstellt werden kann, kann es beim Rinderbestand wegen des veränderten Erhebungstermins (seit 1999 im Frühjahr statt im Winter) sowie der seit 2008 erfolgenden Auswertung der Datenbank des Herkunftssicherungs- und Informationssystem (HIT Rinder) zu methodisch bedingten Veränderungen gekommen sein. Seit 2010 gelten darüber hinaus für alle Viehbestände höhere Erfassungsgrenzen.
Im Naturraum Hohe Geest hat sich der Milchkuhbestand seit 1962 kontinuierlich erhöht. Der Höchststand betrug 205.000 Milchkühe im Jahr 1984. Im Vergleich zum Basisjahr 1962 hat der Milchkuhbestand im Jahr 2020 um 11,4 % zugenommen, ist aber gegenüber 2016 um 6,1% gesunken. Auf der Vorgeest ist in demselben Zeitraum der Milchkuhbestand um 7,8 % angestiegen, ist aber gegenüber 2016 um 10,8 % gesunken. In diesen beiden Naturräumen, die 43 % der LF des Landes umfassen, werden damit 66 % aller Milchkühe gehalten.
Im Hügelland dagegen hat sich der Milchkuhbestand seit 1962 um 61 % reduziert. In der Marsch ist der Kuhbestand gegenüber 1962 nur um etwa 19 % zurückgegangen. In allen Naturräumen hat die Zahl der Milchkühe von 1984 - dem Beginn der Milchmengenregelung - bis 2020 um etwa 24 % abgenommen.
Bei den Schweinebeständen verlief die Entwicklung nahezu entgegengesetzt. Von 1962 bis 2020 verringerte sich die Zahl der Schweine auf der Hohen Geest und der Vorgeest zusammen genommen um 69 %. Auf dem Hügelland dagegen, das schon immer den mit Abstand größten Schweinebestand aufwies, war zunächst bis etwa 1980 ein erheblicher Anstieg, danach aber wieder ein entsprechendes Abfallen zu verzeichnen, wobei sich dieser Trend von 1999 bis 2010 wieder umkehrte um bis 2020 wieder um ca. 120.000 Schweine abzunehmen. In allen Naturräumen ist gegenüber der Zählung im Jahre 2016 ein Rückgang der Schweinebestände zu verzeichnen.
Entwicklung der Viehbestände in den Naturräumen in Schleswig-Holstein [Anklicken zum Vergrößern - öffnet in einem neuen Fenster]Regionale Veränderung des Milchviehbestandes nach Naturräumen [Anklicken zum Vergrößern - öffnet in einem neuen Fenster]Regionale Veränderung des Schweinebestandes nach Naturräumen [Anklicken zum Vergrößern - öffnet in einem neuen Fenster]
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