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Thema : Müll im Meer

Müll im Meer

Nachhaltiger Schutz für unsere Meere

Die Landesregierung widmet sich mit besonderer Aufmerksamkeit dem Plastikmüll in den Meeren und Gewässern des Landes. Dabei sollen verschiedene Aktionen und Projekte das Bewusstsein für die Thematik schärfen und eine Liste an Maßnahmen zur praktischen Reduzierung des Eintrags und des Mülls im Meer beitragen.

Letzte Aktualisierung: 15.08.2023

Die Müllbelastung der deutschen Nordsee- und Ostseegewässer stammt aus verschiedenen Quellen auf See (z. B. Schifffahrt, Fischerei) und an Land (z. B. Tourismus, Einträge über die Fließgewässer). Eine zentrale Bedeutung bei der Reduzierung des Müllaufkommens in den Meeren haben abfallbezogene Bestimmungen und Richtlinien (Abfallrahmenrichtlinie, Kreislaufwirtschaftsgesetz, Einwegkunststoffrichtlinie, Richtlinie über Hafenauffangeinrichtungen, MARPOL). Ergänzend zu diesen bestehenden allgemein geltenden Regelungen und Maßnahmen und um gezielt das Problem des Mülls in der Meeresumwelt anzugehen, enthält das MSRL-Maßnahmenprogramm neun Maßnahmen zur Reduzierung des Mülls in der deutschen Nord- und Ostsee. Diese setzen an drei wesentlichen Punkten an:

  • den primären Quellen der Abfälle, d. h. den Produkten,
  • den Entsorgungswegen, damit entstandener Müll nicht den Weg in die Meere findet, und
  • Maßnahmen, um dennoch in die Meere und an die Strände gelangten Müll wieder zu entfernen.

Die Maßnahmen zu Müll im Meer sind somit sehr vielfältig und ihre Umsetzung erfordert eine große Bandbreite an Akteuren, die es einzubinden gilt. In Deutschland wurde daher der "Runde Tisch Meeresmüll" ins Leben gerufen. Am Runden Tisch Meeresmüll nehmen rund 130 Experten teil, unter anderem Vertreterinnen und Vertreter aus Fischerei, Schifffahrt, Kunststoffindustrie, Abwassermanagement, Abfallwirtschaft, Kosmetik- sowie Reifenindustrie, Einzelhandel, Wissenschaft, Bildung, Tourismus, Umweltverbände, Vereine, Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden sowie Landes- und Kommunalpolitiker:innen und Künstler:innen. Auch das MEKUN ist am Runden Tisch Meeresmüll beteiligt.

Startseite | Runder Tisch Meeresmüll (muell-im-meer.de)

MSRL-Maßnahmen

Die Meerestrategie-Rahmenrichtlinie enthält folgende Maßnahmen um das Umweltziel "Meere ohne Belastung durch Abfall" zu erreichen:

MSRL-Maßnahmen

Modifikation/Substitution von Produkten unter Berücksichtigung einer ökobilanzierten Gesamtbetrachtung (UZ5-02)


Ansetzend an den Produkten wurden z.B. Arbeiten zur Nachweisführung über "Top-Litter-Items" und ihre negativen Auswirkungen auf die Meeresumwelt durchgeführt, und es wird in die Forschung nach umweltverträglichen Substituten/Alternativen zu schädlichen und häufigen Meeresmüllfunden investiert und auf dieser Grundlage Lösungsansätze entwickelt.

Produkte | Runder Tisch Meeresmüll (muell-im-meer.de)

Vermeidung und Reduzierung des Eintrags von Mikroplastikpartikeln in die marine Umwelt (UZ5-10)


Mikroplastik
Mikroplastik

Bestandteil dieses Maßnahmenpakets ist auch die Reduzierung des Einsatzes und Eintrages von Mikroplastik. Bislang wurde zu Definition und Klassifizierung von "Mikroplastik" und Identifizierung von Anwendungsbereichen, Vermeidungsbedarf und Handlungsoptionen gearbeitet. Erreicht wurde z.B. eine Selbstverpflichtung der Kosmetikindustrie, auf abrasive Mikroplastik in Produkten zu verzichten.

Themenpapier Mikroplastikeinträge in die marine Umwelt - Stand des Wissens und Handlungsoptionen | Runder Tisch Meeresmüll (muell-im-meer.de)

Reduktion der Einträge von Kunststoffmüll, z.B. Plastikverpackungen, in die Meeresumwelt (UZ5-4)


Weiterhin wurden vom Runden Tisch Meeresmüll eine Vielzahl von Teilmaßnahmen zur Reduktion der Einträge aus landbasierten und seebasierten Quellen identifiziert. Diese umfassen u.a. die Einrichtung neuer Pfandsysteme, Verbesserungen im Abfallmanagement und Produktdesign sowie Erzielung höherer Recyclingraten. Eine freiwillige Vereinbarung mit dem Einzelhandel, dickwandige Kunststofftüten nur gegen Bezahlung an den Kunden abzugeben, wurde erzielt. Ab Januar 2022 gilt in Deutschland ein Verbot für leichte Plastiktragetaschen mit einer Wandstärke von 15–50 Mikrometer.

Handlungsoptionen für Kommunen zur Reduktion des Plastikmüllaufkommens: Sammlung von Best-Practice-Beispielen | Runder Tisch Meeresmüll (muell-im-meer.de)

Handlungsoptionen für Kommunen zur Reduktion des Plastikmüllaufkommens: Kommunale Regelungsmöglichkeiten | Runder Tisch Meeresmüll (muell-im-meer.de)

Müllbezogene Maßnahmen zu Fanggeräten aus der Fischerei inklusive herrenlosen Netzen (sogenannten "Geisternetzen") (UZ5-5)


Studien zufolge machen Fanggeräte der Fischerei bzw. Teile davon einen Anteil von rund 30 % (nach Stückzahl) an dem Meeresmüll in europäischen Gewässern aus. Auch an den Stränden der deutschen Nord- und Ostsee stammt ein erheblicher Anteil des Mülls aus der Fischerei. Ein spezielles Problem sind dabei umhertreibende Netze, Netzreste und Schnüre (sog. "Geisternetze"). Diese stellen eine Bedrohung für Vögel, Fische und andere Meeresbewohner dar, die sich darin verfangen können und in den Netzen verenden. Gefährdungen entstehen aber auch für Taucher durch Verheddern und für den Schiffsverkehr, wenn dadurch Propulsions- und Steuerungsanlagen sowie Kühlungssysteme beschädigt oder beeinträchtigt werden. Darüber hinaus bestehen die verloren gegangenen Netze in der Regel aus Kunststoffmaterialien und werden deshalb nicht biologisch abgebaut. In der Folge verbleiben die Netze für Jahrhunderte als Müll am Meeresboden, wenn sie nicht geborgen werden. Das MSRL-Maßnahmenprogramm sieht in Bezug auf diese Fanggeräte einen ganzheitlichen Ansatz vor, der die Vermeidung des Verlustes von Fanggeräten und Teilen davon, die Detektion verlorener Geräte und die Bergung und Entsorgung von "Geisternetzen" verfolgt. Ebenso wird der Einsatz alternativer Materialien z.B. zu Kunststoff und Blei in Fanggeräten untersucht. Für das Wiederauffinden verloren gegangener Netze ist vor allem die Meldung des Verlustes durch die betreffenden Fischer entscheidend. Gemäß der See-Umweltverhaltensverordnung hat diese Meldung an die Verkehrszentrale des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes über UKW-Sprechfunk zu erfolgen. In Schleswig-Holstein werden solche "Geisternetze" auch sporadisch im Rahmen des Gewässermonitorings erfasst, aber auch Daten der hydroakustischen

Meeresbodenkartierung werden gezielt hinsichtlich des Vorkommens von Geisternetzen ausgewertet. Bergungen erfolgen in Zusammenarbeit mit Fischern und Umweltverbänden.

Empfehlungen zur Entsorgung von Fanggeräten aus der Fischerei | Runder Tisch Meeresmüll (muell-im-meer.de)

Etablierung des "Fishing-for-Litter"-Konzepts (UZ5-6)


Im Jahr 2011 startete der NABU Bundesverband gefördert durch das Umweltbundesamt als Pilotmaßnahme die erste "Fishing for Litter"- Initiative an der deutschen Ostseeküste in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nach dem Vorbild der Initiative der Kommunalen Umweltorganisation KIMO. Ein Ziel ist die Entfernung von Abfällen aus der Nord- und Ostsee. Abfall, der im Rahmen der fischereilichen Aktivitäten von den Fischern mit den Netzen als "Beifang" aufgesammelt und damit passiv gefischt wird, soll angelandet, nach Möglichkeit auf seine Zusammensetzung geprüft und fachgerecht entsorgt werden. Dafür werden den Fischern sogenannte Big-Bags zur Verfügung gestellt, in denen der Abfall an Bord gesammelt werden kann. An Land haben die beteiligten Fischer dann die Möglichkeit, den Abfall ordnungsgemäß und kostenfrei zu entsorgen, z.B. in abschließbaren und gekennzeichneten Containern. Im Anschluss werden die Mengen und Zusammensetzung des Abfalls erfasst, um Informationen über die Quellen zu erhalten. Des Weiteren trägt „Fishing for Litter“ durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit zur Begleitung von Bildungs- und Informationsmaßnahmen bei, z.B. durch Informationstafeln neben den Containern, „Fishing-for-Litter“-Flaggen auf den beteiligten Schiffen, Informationsbroschüren, Beschriftungen der Big-Bags und ähnlichem. Seit 2015 beteiligt sich Schleswig-Holstein an den Kosten für das Fishing-for-Litter-Projekt des NABU, in den deutschen Nord- und Ostseehäfen. Das Land stellt die Kofinanzierung für finanzielle Mittel aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds EMFF.

Monitoring im Rahmen der MSRL

Die Umsetzung der Richtlinie umfasst eine Bewertung der Ausgangssituation, die Festlegung von Indikatoren, um die Situation regelmäßig zu bewerten, die Festlegung von Zielen für einen guten Umweltzustand und die Einführung einer Überwachung, um zu beurteilen, ob der gute Umweltzustand erreicht wurde oder nicht. Darüber hinaus verlangt die Richtlinie die Umsetzung von Maßnahmen zur Verringerung des Eintrags von Müll und die Reduzierung des bereits vorhandenen Mülls in der Meeresumwelt.

Zurzeit sind für Deutschland drei Indikatoren eingeführt worden: die Menge des an der Küste erfassten Mülls, die Menge des auf dem Meeresboden gefundenen Mülls und die Menge des Mülls in den Mägen der an der Küste tot aufgefundenen Eissturmvögel. Andere Indikatoren z.B. für Mikroplastik werden derzeit in Forschungs- und Entwicklungsprojekten entwickelt. Bis jetzt wurden auf EU-Ebene Ziele für Müll an der Küste und Müll in den Mägen von Eissturmvögeln erarbeitet.

Die Überwachung zeigt, dass diese Ziele in Deutschland noch nicht erreicht worden sind.

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