Digitale Souveränität und Green-IT gehören zusammen
Digitale Souveränität und Green-IT werden oft getrennt betrachtet – in Schleswig-Holstein gehören sie zusammen. Offene, anpassbare und ressourcenschonende IT stärkt die Handlungsfähigkeit der Verwaltung und hilft dabei, Digitalisierung nachhaltiger zu gestalten. Wie wirken Open Source, Green-IT und konkrete Messergebnisse aus der Landesverwaltung konkret zusammen?
Schleswig-Holstein hat sich ein klares Ziel gesetzt: "Mehr Digitalisierung bei weniger Verbrauch". Dafür braucht es digitale Lösungen, die zuverlässig funktionieren, sicher betrieben werden können und gleichzeitig sparsam mit Energie und Ressourcen umgehen. Genau hier treffen zwei zentrale Zukunftsthemen aufeinander: Digitale Souveränität und Green-IT.
Digitale Souveränität bedeutet, dass die Verwaltung ihre digitalen Systeme, Daten und Prozesse selbstbestimmt steuern kann. Entscheidend ist dabei, Abhängigkeiten zu reduzieren, Wahlmöglichkeiten zu schaffen und die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken. Wer digitale Technologien versteht, anpassen und bei Bedarf wechseln kann, ist weniger abhängig von einzelnen Anbietern und kann die eigene IT gezielt weiterentwickeln.
Green-IT ergänzt diesen Anspruch um eine ökologische Perspektive. Denn Digitalisierung braucht Strom, Hardware, Rechenleistung und Rohstoffe. Gerade vor dem Hintergrund globaler Krisen, steigender Energiebedarfe und begrenzter Ressourcen wird deutlich, dass eine zukunftsfähige Verwaltung digitale Systeme nicht nur sicher und leistungsfähig, sondern auch ressourcenschonend betreiben muss.
Ressourceneffizienz als Teil strategischer Unabhängigkeit
Digitale Souveränität und Green-IT sind deshalb nicht voneinander losgelöst zu betrachten. Sie ergänzen sich. Die Verwaltung kann durch eigene Messungen transparent sehen, wo Strom verbraucht wird, welche Anwendungen besonders ressourcenintensiv sind und wo Einsparpotenziale liegen. Gleichzeitig stärkt digitale Souveränität die Möglichkeit, die eigene IT-Landschaft aktiv und bedarfsgerecht zu gestalten.
Umgekehrt trägt Green-IT dazu bei, digitale Souveränität langfristig abzusichern. Wer Energie spart, Geräte länger nutzt und Systeme (z. B. Serverinfrastruktur) effizienter betreibt, macht sich unabhängiger von steigenden Energiekosten, knappen Rohstoffen und komplexen Lieferketten. Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Effekt. Open-Source-Betriebssysteme wie Linux können häufig auch auf älterer Hardware leistungsfähig betrieben werden. Dadurch lässt sich die Nutzungsdauer von Geräten verlängern. Gleichzeitig können geringere Anforderungen an Rechenleistung und Systemressourcen dazu beitragen, Hardware weniger zu beanspruchen. Wird ein Gerät dauerhaft unter hoher Last betrieben, kann dies die technische Lebensdauer verkürzen. Die Möglichkeit, bestehende Hardware länger zu nutzen, reduziert den Beschaffungsdruck und kann Kosten im Betrieb sowie für Neuanschaffungen senken. Ressourceneffizienz wird damit zu einem Baustein strategischer Unabhängigkeit.
Das gilt besonders für öffentliche Verwaltungen. Sie müssen auch in Krisenzeiten verlässlich arbeiten können. Resiliente Verwaltungsstrukturen entstehen nicht allein durch neue Technik, sondern durch bewusst gestaltete IT, die offen, sicher, anpassbar und nachhaltig ist.
Open Source als Baustein für souveräne und nachhaltige IT
Ein wichtiger Hebel auf diesem Weg ist der Einsatz von Open-Source-Software. Schleswig-Holstein verfolgt mit seiner Open Innovation und Open Source Strategie das Ziel, die digital souverän zu werden, sich aus Abhängigkeiten von proprietären Lösungen zu lösen, die Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur zu gewinnen und den Digitalstandort Schleswig-Holstein zu stärken.
Open Source bedeutet, dass der Quellcode einer Software offen einsehbar ist. Dadurch können Anwendungen unabhängiger geprüft, angepasst und weiterentwickelt werden. Für die Verwaltung schafft das mehr Transparenz und Gestaltungsspielraum. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass Software gezielter an die tatsächlichen Bedarfe des Landes angepasst werden kann. Wenn zum Beispiel bestimmte Fachverfahren, Sicherheitsanforderungen oder Schnittstellen benötigt werden, lassen sich offene Lösungen entsprechend weiterentwickeln. Gleichzeitig können offene Standards die Zusammenarbeit unterschiedlicher Systeme erleichtern und Wechselmöglichkeiten verbessern.
In Schleswig-Holstein wird dieser Ansatz Schritt für Schritt in die Praxis übertragen. Dazu gehören unter anderem die Einführung von LibreOffice und der Einsatz von Linux am Arbeitsplatz. Diese Beispiele zeigen, dass digitale Souveränität nicht abstrakt gedacht, sondern konkret im Verwaltungsalltag umgesetzt wird.
Wenn offene Lösungen weniger Strom verbrauchen
Digitale Souveränität und Green-IT wirken auch praktisch zusammen, wie Messungen aus dem Green-IT-Projekt der Landesverwaltung zeigen. In einem exemplarischen Vergleich wurden Open-Source-Programme mit bekannten Office-Anwendungen verglichen. Betrachtet wurden Writer, Calc und Impress im Vergleich zu Word, Excel und PowerPoint. Für die gleichen Prozesse und durchgeführten Anwendungsschritte benötigten die Open-Source-Programme in den Stichproben jeweils weniger Strom.
Die gemessenen Unterschiede waren deutlich: Writer verbrauchte im Vergleich zu Word rund 35 % weniger Strom, Calc im Vergleich zu Excel rund 42 % weniger Strom und Impress im Vergleich zu PowerPoint rund 50 % weniger Strom. Ein möglicher Erklärungsansatz liegt darin, dass die betrachteten Open-Source-Anwendungen weniger Datenverkehr verursachen, über einen weniger komplexen Funktionsumfang verfügen und dadurch insgesamt weniger Rechenleistung benötigen.
Diese Ergebnisse sind stichprobenartig und ersetzen keine umfassende Langzeitbetrachtung. Sie zeigen aber, welches Potenzial in der gezielten Auswahl und Nutzung von Open-Source-Software liegen kann. Wenn Anwendungen weniger Energie benötigen, wirkt sich das nicht nur auf einzelne Arbeitsplätze aus. Geringere Anforderungen an die Hardware können dazu beitragen, Geräte länger zu nutzen, Neuanschaffungen zu reduzieren und Betriebskosten zu senken. Auf die gesamte Landesverwaltung betrachtet können viele kleine Einsparungen zusammengenommen einen relevanten Beitrag leisten.
Souverän, nachhaltig, zukunftsfähig
Diese Beispiele zeigen, dass digitale Souveränität und Green-IT zusammengehören. Offene und anpassbare digitale Lösungen stärken die Handlungsfähigkeit der Verwaltung. Gleichzeitig schaffen sie neue Möglichkeiten, Energie und Ressourcen bewusster einzusetzen.
Schleswig-Holstein geht diesen Weg konsequent Schritt für Schritt mit Open-Source-Lösungen, messbaren Einsparpotenzialen und konkreten Maßnahmen im Verwaltungsalltag. So wird Digitalisierung nicht nur unabhängiger, sondern auch nachhaltiger.
Damit zeigt die Landesverwaltung, wie "mehr Digitalisierung bei weniger Verbrauch" praktisch gelingen kann. So leistet Green-IT einen Beitrag zu einer zukunftsfähigen, resilienten und ressourcenschonenden Verwaltung.
Hinweis zur Verwendung von Cookies
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: