KIEL. Verloren gegangene Fischereigeräte, umgangssprachlich auch „Geisternetze“ genannt, gefährden weltweit die Meeresumwelt und stellen auch die Fischerei vor große Herausforderungen. Zum Abschluss des Pilotprojekts „Umgang mit verloren gegangenen Fischereigeräten in Schleswig-Holstein“ haben Fischereiministerin Cornelia Schmachtenberg und Umweltminister Tobias Goldschmidt heute (4. August) die Ergebnisse vorgestellt und gemeinsam Bilanz gezogen.
Im Pilotprojekt arbeiteten Fischerinnen und Fischer, Taucherinnen und Taucher sowie Expertinnen und Experten aus Fischerei, Meeresschutz und Verwaltung in den vergangenen rund zwei Jahren eng zusammen. Das Projekt konzentrierte sich auf Gebiete mit traditionell hoher fischereilicher Aktivität, die gemeinsam mit den beteiligten Fischereibetrieben als Schwerpunktbereiche ausgewählt wurden. Ziel war es, verlorene Fischereigeräte möglichst effizient aufzuspüren, zu bergen und Erkenntnisse für den künftigen Umgang mit Netzverlusten zu gewinnen.
Fischereiministerin Cornelia Schmachtenberg sagte: „Das Pilotprojekt zeigt, wie Naturschutz und Fischerei gemeinsam zum Schutz der Ostsee beitragen können. Es macht zugleich deutlich, dass die Fischereibetriebe ein großes Eigeninteresse daran haben, verlorene Fanggeräte zu bergen und Netzverluste möglichst zu vermeiden. Fanggeräte sind kostspielig, und jeder Verlust bedeutet für unsere kleinen, handwerklich geprägten Familienbetriebe einen wirtschaftlichen Schaden. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass in den untersuchten Gebieten deutlich weniger verlorene Fanggeräte gefunden wurden als vielfach angenommen. Besonders erfreulich ist, dass auf einer bereits vor drei Jahren bereinigten Untersuchungsfläche keine neuen Netzverluste festgestellt wurden. Das unterstreicht den verantwortungsvollen Umgang unserer heimischen Fischerei mit ihren Fanggeräten. Diese Erkenntnisse werden wir nun im Rahmen der Zielvereinbarung Ostseefischerei nutzen, um den erfolgreichen Netzbergungsansatz in Schleswig-Holstein gemeinsam mit den Fischereiverbänden weiterzuentwickeln und dauerhaft zu verankern.“
Umweltminister Tobias Goldschmidt sagte: „Meeresschutz geht uns alle an und erfordert Teamwork. Das Pilotprojekt war so erfolgreich, weil alle an einem Strang gezogen, zusammen Lösungen entwickelt und angepackt haben. Unsere Meere stehen unter Stress: Erderwärmung, Lärm, Verschmutzung und Übernutzung belasten die Unterwasserwelt. Verloren gegangene Netze können Fischen und anderen Lebewesen zusätzlich schaden. Das besondere an diesem Projekt ist die enge Zusammenarbeit zwischen Fischern, Tauchern und Projektträgern. Danke an alle, die in den letzten Jahren im Netzwerk gegen Geisternetze aktiv waren.“
Die wichtigsten Ergebnisse des Projekts zusammengefasst:
Auf einer Untersuchungsfläche von rund 38 Quadratkilometern – das entspricht etwa 5.300 Fußballfeldern – wurden insgesamt 51 verlorene Fischereigeräte festgestellt, darunter 39 Stellnetzfragmente, elf Aalröhren-Leinen sowie eine Reuse. Von diesen konnten bislang 41 erfolgreich geborgen werden. Für die Suche erwies sich die Kombination aus Sonarkartierung, Taucheinsätzen und gezielter Bergung als besonders erfolgreich.
Taucherinnen und Taucher überprüften insgesamt 185 Verdachtspunkte. Die meisten davon erwiesen sich nicht als verlorene Fischereigeräte, sondern als Metallschrott, Holz-, Beton- oder Munitionsreste oder als natürliche Strukturen auf dem Meeresboden.
Als besonders erfolgreich erwies sich die enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Fischereibetrieben sowie Taucherinnen und Tauchern. Die Tauchteams lokalisierten die verlorenen Fanggeräte, befestigten Hebeleinen und lösten die Netze vorsichtig vom Meeresboden. Anschließend wurden sie mithilfe der technischen Ausrüstung der Fischereifahrzeuge an Bord gehoben. Durch dieses abgestimmte Vorgehen konnten alle identifizierten Fischereigeräte erfolgreich geborgen werden.
Eine bereits vor drei Jahren kartierte und bereinigte Untersuchungsfläche in der Neustädter Bucht wurde erneut untersucht. Obwohl es sich ebenfalls um ein Gebiet mit traditionell hoher fischereilicher Aktivität handelt, wurden dort keine neuen verlorenen Fischereigeräte gefunden.
Das Pilotprojekt wurde unter der Federführung des WWF durchgeführt und gemeinsam vom Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz sowie vom Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur unterstützt. Finanziert wurde das Vorhaben mit insgesamt 263.000 Euro, davon 184.000 Euro aus dem Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) sowie 79.000 Euro aus Landesmitteln zur Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL).