KIEL. Ab dieser Woche gibt es drei neue Meeresschutzgebiete in der Ostsee. Damit schützen wir so viel Fläche der schleswig-holsteinischen Ostsee, wie noch nie, und setzen auch international Maßstäbe. Das erste Gebiet an der Hohwachter Bucht wurde heute im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlicht, tritt also morgen in Kraft. Die anderen beiden folgen im Laufe der Woche.
Bei der feierlichen Einweihung der ersten Infotafel an der Hohwachter Bucht sagte Meeresschutzminister Tobias Goldschmidt: „Wir Menschen sind Teil der Natur und leben von ihr. Dass wir dabei oft auch Schaden anrichten, sehen wir in unserer Ostsee deutlich. Mit den neuen Meeresschutzgebieten bekommen Fische und Schweinswale, Seegraswiesen und Seevögel wichtige Ruheoasen. Hier können Pflanzen und Tiere buchstäblich aufatmen. Damit entfaltet ein Highlight des Aktionsplans seine Wirkung.“
Mit dem Aktionsplan Ostseeschutz werden bis 2030 12,5 % der Ostsee unter strengen Schutz gestellt. Nach nur zwei Jahren ist durch die drei neuen Meeresschutzgebiete nun schon für 7,56 % der strenge Schutz erreicht.
„Und auch wir Menschen profitieren von gesunden Meeren: Intakte Ökosysteme speichern CO2, gleichen Wetterextreme aus und liefern wertvolle Nahrungsmittel. Die Schutzgebiete sind also auch eine wichtige Investition in unsere Zukunft“,
betont Meeresschutzminister Tobias Goldschmidt. Und weiter: "Vor zwei Jahren haben wir das größte Ostseeschutzpaket in der Geschichte Schleswig-Holsteins beschlossen, den APOS. Auch wenn der Weg dahin herausfordernd war, hat sich jede Veranstaltung, jedes Gespräch und jede Debatte über den besseren Schutz unseres Heimatmeeres gelohnt. Ostseeschutz ist heute Teil des schleswig-holsteinischen Lebensgefühls, so wie es das Leben mit dem Meer schon immer war."
Geodaten abrufbar über das Umweltportal Schleswig-Holstein
Die Verordnungen sind nach ihrer Verkündung im Gesetz- und Verordnungsblatt Schleswig-Holstein in Kraft getreten. Die zugehörigen Abgrenzungskarten sind Bestandteil der Verkündung und können ab sofort im Umweltministerium während der Dienstzeiten eingesehen werden. Ergänzend werden digitale Geodaten bereitgestellt: Shapefiles der Gebiete sind über das UmweltportalSchleswig-Holstein verfügbar.
Die hochauflösenden Karten werden in den kommenden Tagen unter www.ostseeschutz.sh zum Download bereitgestellt.
Mit diesen Angeboten wird sichergestellt, dass die neuen Schutzgebietsgrenzen transparent und praxisnah zugänglich sind.
Die drei neuen Meeresschutzgebiete
Auf Basis verschiedener Untersuchungen zur Ostsee wurden Gebiete ausgewählt, die aufgrund ihrer Artenvielfalt, Lebensräume, Entwicklungsmöglichkeiten und bestehenden Belastungen besonders schutzwürdig sind. Entscheidend sind v. a. das Vorkommen gefährdeter Arten und Lebensräume sowie deren Bedrohung.
Die Gebiete grenzen zum Teil an bereits bestehende Naturschutzgebiete und erfüllen somit eine Vernetzungsfunktion für die Wanderung, die geographische Verbreitung und den genetischen Austausch wildlebender Arten.
Ostseefläche südliche Hohwachter Bucht
Hier befinden sich besonders wertvolle Meeresbodenhabitate wie Riffe, Seegraswiesen und Großalgen. Durch die besondere Lage innerhalb der flachen Hohwachter Bucht ist das Gebiet mit starkem Lichteinfall und einer hohen biologischen Produktivität ganzjährig ein wichtiger Ort für See- und Küstenvögel wie beispielsweise den Seetaucher, die hier rasten, überwintern und Nahrung finden. Eine besondere Bedeutung hat das Gebiet durch die Nähe zu den Strandseen im Süden der Hohwachter Bucht, die als Überwinterungsgebiet und Brutplatz genutzt werden.
Ostseefläche Geltinger Bucht bis Schleimündung
Dieses Naturschutzgebiet umfasst Wasserflächen der Ostsee im Bereich der äußeren Flensburger Förde um die Geltinger Birk bis zur südlich davon gelegenen Schleimündung. Auch hier befinden sich besonders wertvolle Habitate wie ausgedehnte und vergleichsweise tiefliegende Riffstrukturen und Bestände von Großalgen und Seegras (Makrophyten). Außerdem finden ostseeweit gefährdete Arten von teils internationaler Bedeutung hier Nahrungs-, Rast- und Fortpflanzungsgebiete, insbesondere verschiedene Meeresenten und Schweinswale.
Ostseefläche westlich Fehmarn
Der hier geschützte Bereich repräsentiert das größte zusammenhängende Flachwassergebiet der westlichen Ostsee und beinhaltet maßgebliche Teile des größten zusammenhängenden Riffes im schleswig-holsteinischen Teil des Binnenmeeres. Es enthält ausgedehnte Muschelbänke mit einer artenreichen Wirbellosenfauna und hat eine herausragende Bedeutung als Hotspot für überwinternde Meeresenten und weist zudem bedeutende Vorkommen des Schweinswals auf.
Nutzungsregelungen in den neuen Meeresschutzgebieten
Pflanzen,Tiere und Lebensräume dürfen nicht mehr zerstört, entnommen oder gestört werden. Daher sind Fischerei, Jagd, Rohstoffabbau, Bauvorhaben oder andere Veränderungen der Gewässer und des Meeresbodens untersagt. Ziel ist es, die Gebiete als ungestörte Rückzugsräume zu schützen und menschliche Einflüsse zu minimieren.
Weiterhin erlaubt sind schwimmen, baden, tauchen und der Fischfang zu Fuß vom Ufer oder im Wasser watend mit der Handangel. Auch staatliche Aufgaben wie Gefahrenabwehr bleiben möglich. Militärische Nutzung, Katastrophenschutz, Schifffahrt, Küstenschutz, Monitoring und bestimmte Nutzungen sind weiterhin zulässig. Projekte und Eingriffe sind erlaubt, wenn sie den Naturschutzvorgaben entsprechen und den Schutzzweck nicht erheblich beeinträchtigen.
Die nächsten Schritte für mehr Ostseeschutz
Gemäß APOS 2030 wird für die drei neuen Meeresschutzgebiete eine Befahrensverordnung beim Bundesministerium für Verkehr beantragt. Bei der Entwicklung des Antragsentwurfes wirkt ein Arbeitskreis aus beteiligten Behörden und Landesverbänden (z.B. aus den Bereichen Wassersport und Naturschutz) mit. Und natürlich werden auch in den anderen beiden Naturschutzgebieten Besucherinformationstafeln aufgestellt.
Außerdem wird als nächstes der Fischereiausschluss in den drei bestehenden Natura 2000-Gebieten Sagas-Bank, Stoller Grund und Geltinger Bucht umgesetzt. Darauf aufbauend werden auch die Natura-2000-Managementpläne überarbeitet.
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