KIEL/LAUENBURG. Auf dem Weg zu einem verbesserten Hochwasserschutz in der Lauenburger Altstadt kommen Stadt, Wasser- und Bodenverband sowie das Land gemeinsam voran. Heute (9. März 2016) stellten Gutachter in Lauenburg die Ergebnisse ihrer Untersuchungen des Untergrundes im Bereich der Altstadt und des angrenzenden Geesthanges vor. Zudem unterrichtete die vom Wasser- und Bodenverband mit der Projektsteuerung beauftragte Planungsgemeinschaft Bürgerinnen und Bürger über die Schlussfolgerungen, die sie aus den Gutachten für die weiteren Planungen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in Lauenburg zieht. Einer Verabredung zwischen Stadt und Land zufolge sollten die Gutachten noch offene Fragen klären.
Die Gutachter kommen nach umfangreichen ingenieur- und geohydrologischen Erhebungen und Modellierungen zu dem Ergebnis, dass Hochwasserereignisse keinen Einfluss auf die Standsicherheit des Elbufers im Bereich der Lauenburger Altstadt und des Geesthanges haben. Kernaussagen sind: "Ein genereller Einfluss eines Hochwassers auf die Gesamtstandsicherheit der Geestböschung kann nicht abgeleitet werden
", sowie: "Die "Gesamtstandsicherheit" der Häuser ist durch das Hochwasser nicht berührt.
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Mit diesem Befund sind wesentliche Fragen, die das 2014 vorgelegte Realisierungskonzept zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in Lauenburg aufgelistet hatte, geklärt. So stand in Frage, ob eine tiefgründige Spundwand, wie sie in der von Stadt und Bürgern damals favorisierten Lösung (Variante C des Realisierungskonzeptes) vorgesehen war, tatsächlich notwendig sei. Aus dem Gutachten ergibt sich, dass eine solche Spundwand keine Auswirkungen auf die Stabilität des Hanges hat. Allerdings sollten, den Untersuchungen zufolge, Beeinträchtigungen des stabilisierenden Bewuchses am Schlosshang vermieden werden.
"Aufbauend auf den nun vorliegenden Gutachten können seitens des Wasser- und Bodenverbandes und der Stadt die nächsten Schritte in der Planung des Hochwasserschutzes auf einer abgesicherten Grundlage angegangen werden
", sagte Minister Robert Habeck, der sich bei der Veranstaltung über den Stand informierte.
"Ich bin froh, dass alle Beteiligten – die Stadt, der Wasser- und Bodenverband und das Land – hier in großer Gemeinsamkeit konsequent vorangehen. Es ist wichtig, dass die Lauenburger Altstadt einen wirksamen und effizienten Hochwasserschutz bekommt. Das Land wird hier im Rahmen seiner Möglichkeiten weiter fachliche und finanzielle Unterstützung leisten.
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Auf Basis der Gutachten kommen der Wasser- und Bodenverband Delvenau-Stecknitzniederung, die Stadt Lauenburg und die Landesverwaltung zum Schluss, dass zur Verbesserung des Hochwasserschutzes eine Kombination aus einer hochwassersicheren Ertüchtigung vorhandener Mauern mit der abschnittsweisen Errichtung einer neuen Mauer die technisch ausreichende und wirtschaftlich angemessenste Lösung darstellt. Dies soll mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern weiter erörtert werden und könnte anschließend Gegenstand eines zu vergebenden Planungsauftrages sein.
Erster Stadtrat Meyer stellt hierzu fest: "Mit den vom Land beauftragten Gutachten haben wir Grundlagen erhalten, die uns bei der Entscheidung zum technisch notwendigen und wirtschaftlich leistbaren Hochwasserschutz unterstützen. Wir werden nun die weiteren Schritte einleiten und dabei die Bürgerinnen und Bürger transparent informieren und auch weiterhin den Dialog suchen.
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Die Lauenburger Altstadt ist der letzte und komplizierteste Abschnitt, der Hochwasserertüchtigung, die nach dem Hochwasser 2013 eingeleitet wurde. Für andere Abschnitte an der Elbe sind Teile der Bauarbeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes bereits abgeschlossen, andere in konkreter Planung oder im Bau (siehe Hintergrund).
Hintergrund zum Hochwasserschutz der Altstadt Um den Hochwasserschutz in der Altstadt zu verbessern, hatte die Stadt im Jahr 2014 ein Realisierungskonzept erstellen lassen. Bürger und Stadt sprachen sich damals für eine Hochwasserschutzvariante aus, die den Bau zweier Spundwände und einer Promenade vorsah. Allerdings wies das Realisierungskonzept auf Informationsdefizite zum Baugrund und den Grundwasserverhältnissen hin.
Daher hatten Bürgermeister Andreas Thiede und Minister Robert Habeck gemeinsam mit dem örtlichen Wasser- und Bodenverband vereinbart, den klärungsbedürftigen Fragen, die im städtischen Realisierungskonzept zum Hochwasserschutz aufgeführt wurden, nachzugehen. Ausgangspunkt war hier eine Anfang Oktober 2014 öffentlich abgehaltene Sitzung. "Die Untersuchung wird vom Land bezahlt, Fragestellung und Auftragnehmer werden im Einvernehmen mit Lauenburg festgelegt. Die Ergebnisse der Untersuchung sind Grundlage für die weiteren Entscheidungen und werden vom Land wie von Lauenburg akzeptiert
", heißt es in dem gemeinsamen Protokoll.
Ausgehend davon wurden im Auftrag des Landes Gutachten erstellt. Parallel zu diesen Untersuchungen arbeitete das Ingenieurbüro, das auch das Realisierungskonzept federführend erarbeitet hatte, im Auftrag des Wasser- und Bodenverbandes technische Konkretisierungen der Hochwasserschutzvarianten aus.
Anhand der Ergebnisse der jetzt vorliegenden Gutachten kann die Vergabe der Planung zur Verbesserung des Hochwasserschutzes für einen weiteren Bereich der Lauenburger Altstadt auf einer abgesicherten Grundlage vorbereitet werden. Neben der unmittelbar bevorstehenden Beauftragung der Planung für den Bereich vom Ruferplatz bis zur Hitzler-Werft und den bereits abgeschlossenen Baumaßnahmen im Bereich des Stecknitzdeiches und der Palmschleuse wird damit ein weiterer Schritt für eine geschlossene Hochwasserschutzlinie in der Lauenburger Altstadt getan.
Hintergrund zum Stand des Hochwasserschutzes in den übrigen Bereichen Sichtbare Ergebnisse für einen verbesserten Hochwasserschutz in Lauenburg gibt es bereits für das Industriegebiet: Die Schutzmauer an der Palmschleuse ist ertüchtigt, am Stecknitzdeich sind die Bauarbeiten abgeschlossen, zur Schwachstellenbeseitigung am Bahndamm stehen die Bauarbeiter bereit.
Für den Abschnitt entlang der Hafenstraße zwischen Schleuse und Kanalbrücke sind die Gespräche mit den betroffenen Anliegern weit vorangegangen und die konkreten Planungsarbeiten können beginnen. Förderzusagen des Landes Schleswig-Holstein liegen vor.
Die Erteilung des Planungsauftrages für den Bereich zwischen der Hitzler-Werft und dem Ruferplatz steht unmittelbar bevor. Ab April beginnen die Planungsarbeiten. Auch hier stehen die erforderlichen Mittel des Landes und der Stadt bereit.
Das ingenieurgeologische Gutachten sowie sämtlicher Präsentationen aus der Informationsveranstaltung vom 9. März 2016 sind zeitnah auf der Seite der Stadt Lauenburg zu finden:
www.hochwasserschutz-lauenburg.de
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