Medien-Information
vom 13. Januar 2026
KIEL. Ein spukendes Haus, zwei monströse Katzen, die vielleicht gar keine Katzen sind, und ein misanthropischer Hausherr, der womöglich längst tot ist: Bulemanns Haus zählt zu den eindringlichsten Gespensternovellen des Meisters des Poetischen Realismus. Verfasst im Januar 1864 in Heiligenstadt, zeigt Theodor Storm (1817-1888) sich hier von seiner dunkelsten Seite. Eine Spukgeschichte, die bis heute frösteln lässt – und schon jene düstere Energie anklingen lässt, die zwei Jahrzehnte später im Schimmelreiter ihren Höhepunkt findet.
Die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek hat nun das eigenhändige Manuskript dieser Novelle endlich erwerben können: 34 Seiten, signiert, mit Beilagen, durchzogen von Streichungen und Überarbeitungen. Original-Manuskripte Storms sind äußerst selten, und dieses lange in Privatbesitz befindliche Stück konnte endlich über den Autografenhandel gesichert werden – ein Glücksfall für die Forschung und für das Land. Ein weiteres Puzzlestück im wachsenden Storm-Nachlass der Landesbibliothek. Ministerin Dorit Stenke zeigt sich erfreut: „Der Storm-Nachlass gilt als eine der lebendigsten literarischen Nachlasslandschaften Norddeutschlands. Ich freue mich, dass nun auch ein verloren geglaubtes Manuskript endlich für die Forschung und die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.“
Die Neuerwerbung ist bereits auch schon durch die Landesbibliothek digitalisiert und online einsehbar.
Storms Handschriften sind ein dichtes Geflecht aus Notizen, Korrekturen und Umstellungen. Bulemanns Haus zeigt exemplarisch, wie präzise er an Atmosphäre, Rhythmus und Wirkung arbeitete – ein unmittelbarer Blick in seine Werkstatt, in der aus einer nüchternen Anlage ein flirrendes Stück Horror entsteht.
Maike Manske, Leiterin der Sammlungen, zeigt sich erfreut: „Mit der Neuerwerbung schließt sich eine Lücke im umfangreichen Storm-Bestand der Landesbibliothek. Weil der Dichter viele Handschriften verschenkte, war sein Nachlass lange zerstreut. Heute sind nahezu alle bedeutenden Novellenmanuskripte an einem Ort vereint, für die Zukunft bewahrt und für die Öffentlichkeit zugänglich – darunter Immensee, Aquis submersus, Ein Fest auf Haderslevhuus und das Druckmanuskript des Schimmelreiters.“
Das originale Manuskript, dass sich nun im Eigentum des Landes befindet, hat Ministerin Dorit Stenke am 12. Januar 2026 bei einem Pressetermin im Kulturspeicher SH vorgestellt.
Die Medien-Information steht hierals PDF zum Download bereit.
Für nähere Informationen steht die Landesbibliothek unter
Martin Lätzel
und 0431/6967712 zur Verfügung.