Schleswig-Holstein legt erste Waldstrategie vor – Forstministerin Schmachtenberg: „Wir stellen die Weichen für den Wald von morgen“
KIEL. Wie sollen Schleswig-Holsteins Wälder in Zukunft aussehen? Wie können sie an den Klimawandel angepasst, ihre biologische Vielfalt erhalten und gleichzeitig nachhaltig bewirtschaftet werden? Mit der neuen Waldstrategie legt das Land erstmals einen langfristigen Handlungsrahmen für die Entwicklung seiner Wälder vor. Ziel sind stabile, klimaangepasste und nachhaltig bewirtschaftete Mischwälder. Sie sollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten, zum Klimaschutz beitragen, den nachwachsenden Rohstoff Holz liefern, Einkommen und Arbeitsplätze sichern und zugleich Erholungsraum für die Menschen sein. Damit greift die Strategie die unterschiedlichen ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Funktionen des Waldes auf.
„Wer heute einen Wald pflanzt oder einen bestehenden Wald umbaut, denkt weit über die eigene Generation hinaus. Genau diesen langfristigen Blick brauchen wir auch in der Waldpolitik. Mit unserer Waldstrategie geben wir Orientierung für die Entwicklung unserer Wälder in den kommenden Jahrzehnten. Wir zeigen auf, wo wir hinwollen und welche Schritte dafür notwendig sind
“, sagte Forstministerin Cornelia Schmachtenberg heute (19. Oktober) bei der Vorstellung der Strategie in der Försterei Bordesholm.
Schleswig-Holstein kann dabei auf dem Erreichten aufbauen: Schon heute sind 91 Prozent der Wälder Mischwälder, 68 Prozent der Waldfläche werden von Laubbäumen geprägt. „Das zeigt, dass wir bei der Entwicklung unserer Wälder bereits auf einem guten Weg sind. Mit der Waldstrategie wollen wir diesen Weg konsequent weitergehen: mehr Wald schaffen, bestehende Wälder zu stabilen, standortgerechten Mischwäldern weiterentwickeln und den heimischen Rohstoff Holz nachhaltig nutzen. Schutz und Nutzung gehören für mich zusammen. So erhalten wir die vielfältigen Leistungen unserer Wälder auch für kommende Generationen
“, betonte Schmachtenberg.
Schleswig-Holsteins Waldstrategie umfasst sieben Handlungsfelder:
Neuwaldbildung: Heute sind rund 182.500 Hektar und damit etwa 11,5 Prozent der Landesfläche bewaldet. Der Waldanteil soll auf mindestens 12 Prozent erhöht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren für neue Waldflächen vereinfacht und vereinheitlicht, die Kulisse für potenzielle Neuwaldbildung erweitert und klar definiert sowie die Erstaufforstungsförderung weiterentwickelt werden. Ein Schwerpunkt soll auf Flächen liegen, die bestehende Wälder miteinander vernetzen oder Lücken im Biotopverbund schließen. Damit soll die Neuwaldbildung für Flächeneigentümerinnen und Flächeneigentümer erleichtert und attraktiver werden.
Waldentwicklung, nachhaltige Bewirtschaftung und Jagd: Schleswig-Holstein verfügt bereits heute über einen hohen Anteil an Mischwäldern: 91 Prozent der Wälder sind Mischwälder, 68 Prozent der Waldfläche werden von Laubbäumen geprägt. Ziel ist es, die Wälder als stabile Mischwälder mit einem breiten und standortgerechten Baumartenportfolio weiterzuentwickeln und nachhaltig zu bewirtschaften. Dafür sollen wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfen zur Baumartenwahl kontinuierlich weiterentwickelt und neue Erkenntnisse zu alternativen, klimaangepassten Baumarten stärker in die forstliche Praxis übertragen werden. Auch die Versorgung mit geeignetem forstlichem Vermehrungsgut soll unterstützt werden. Angepasste Wildbestände sollen zugleich dazu beitragen, dass sich die Hauptbaumarten möglichst ohne Schutzmaßnahmen natürlich verjüngen können.
Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel: Die Wälder sollen an die sich verändernden klimatischen Bedingungen angepasst und langfristig stabilisiert werden. Dafür sollen die Datengrundlagen über die Wälder verbessert und unter anderem Risikokarten für Windwurf, Waldbrand und erforderlichen Waldumbau entwickelt werden. Sie sollen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und notwendige Maßnahmen gezielter planen zu können. Bewirtschaftungskonzepte sollen an die veränderten Bedingungen angepasst werden.
Waldnaturschutz und Biodiversität: Waldnaturschutz und forstwirtschaftliche Nutzung sollen Hand in Hand gehen. Naturnahe Waldstrukturen und wertvolle Lebensräume sollen erhalten und weiterentwickelt werden. Bestehende Wälder sollen durch gezielte Aufforstungs- und Vernetzungsmaßnahmen besser miteinander verbunden werden, um Lebensräume zu verknüpfen und den Biotopverbund zu stärken. Biodiversitätserhebungen sollen zu einem landesweiten Biodiversitätsmonitoring im Wald ausgebaut werden. Damit soll die Entwicklung der biologischen Vielfalt künftig systematischer erfasst und bewertet werden können.
Holzerzeugung, Verwendung und Wertschöpfung: Der regional verfügbare und nachwachsende Rohstoff Holz soll nachhaltig genutzt und möglichst hochwertig und langlebig verwendet werden. Dafür sollen insbesondere die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Holz bei Neubauten, Gebäudesanierungen und öffentlichen Bauvorhaben verbessert werden. Zugleich sollen Forschung und Entwicklung neuer Produkte und Verarbeitungswege – etwa im Bereich der holzbasierten Bioökonomie – vorangebracht werden.
Arbeit, Einkommen und Waldeigentum: Die wirtschaftlichen Grundlagen der Waldbewirtschaftung sollen gestärkt und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für Waldbesitzende erschlossen werden. Dazu sollen unter anderem forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse weiter professionalisiert werden. Auch die Leistungen, die Wälder für die Allgemeinheit erbringen, sollen stärker berücksichtigt und Möglichkeiten zu deren Honorierung weiterentwickelt werden. Dazu gehören beispielsweise Leistungen für Klimaschutz, Biodiversität oder Wasserhaushalt.
Erholung, Sport, Bildung und Gesundheit: Der Wald soll auch künftig Raum für Erholung, Sport, Naturerleben, Bildung und Gesundheit bieten. Gleichzeitig sollen die unterschiedlichen Interessen von Waldbesitzenden und den verschiedenen Nutzergruppen stärker miteinander in Einklang gebracht werden. Dafür sollen der Dialog zwischen den Beteiligten gestärkt und Konzepte zur Besucherlenkung weiterentwickelt werden. Waldpädagogische Angebote und Waldbesuche sollen zudem dazu beitragen, Wissen über den Wald zu vermitteln und ihn als außerschulischen Lernort erlebbar zu machen.
Erarbeitet wurde die Waldstrategie in einem Beteiligungsprozess mit Wald- und Forstwirtschaft, Verbänden, Wissenschaft, Politik sowie Gesellschaft. Auf dieser Grundlage soll nun auch ein Maßnahmenprogramm mit konkreten Instrumenten und Anreizen für die weitere Waldentwicklung erarbeitet werden. Die Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen und Konzepte steht unter dem Vorbehalt einer gesicherten Finanzierung. „Die Waldstrategie ist der Ausgangspunkt für die nächsten Schritte. Jetzt geht es darum, gemeinsam konkrete und praxistaugliche Maßnahmen zu entwickeln. Dabei ist mir wichtig, die Waldbesitzenden mitzunehmen und Lösungen zu finden, die vor Ort funktionieren
“, sagte Schmachtenberg.
Die gesamte Waldstrategie Schleswig-Holstein steht hier zum Herunterladen bereit:
Wald
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