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: Thema: Ministerien & Behörden

Diagnostik in der Unterrichtspraxis: mehr als bloße Datenerhebung

Wie kann Diagnostik Lehrkräften helfen, Lernprozesse besser zu verstehen und gezielt zu fördern? Wie gelingt die praktische Anwendung im Schulalltag? Darüber informierten sich rund 60 Lehrkräfte beim Fachtag Niemanden zurücklassen.

Letzte Aktualisierung: 13.03.2026

Zwei Frauen stehen nebeneinander an einem Rednerpult und lächeln in die Kamera.
Dr. Claudia Krille und Dr. Nicole Lüke (beide IQSH) erläuterten im Fachvortrag, wie sich diagnostische Ergebnisse sinnvoll im Unterricht nutzen lassen.

Die Grund- und Gemeinschaftsschule in St. Michaelisdonn ist zum Magneten geworden. Schülerinnen und Schüler nehmen Schulwege von bis zu 40 Kilometern auf sich, um dort hinzugehen. Das Besondere: „Es ist eine Schule ohne jeglichen Unterricht“, so stellte Schulleiter Helge Thomsen seine Schule und ihr Schulkonzept vor. Schülerinnen und Schüler lernen dort autonom, in ihrem Tempo und gekoppelt an ihre Interessen. Grundlage hierfür sind eine fundierte Diagnostik und ständige Rückmeldungen durch Lerncoaches. Diese innovative Idee erforderte viel Überzeugungsarbeit in der Gemeinde. Genehmigt wurde die Weiterentwicklung unter zwei Bedingungen: Ein Rückbau zum Klassenunterricht müsse grundsätzlich möglich bleiben, und es dürfen keine zusätzliche Kosten entstehen. Das Beispiel aus St. Michaelisdonn zeige, wie vielseitig Diagnostik im Schulalltag wirksam werden könne.

Diagnostik sinnvoll nutzen

Damit Schülerinnen und Schüler erfolgreich ihren Bildungsweg gehen, sind basale Kompetenzen die Grundlage für die Entwicklung anschließender funktionaler Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, ihr Leben, einen Beruf oder eine weiterführende Schule zu bewältigen. Das IQSH bietet deshalb seit vielen Jahren das Programm „Niemanden zurücklassen“ (NZL) für Deutsch und Mathematik an – sowohl für die Grundschule als auch für die Sekundarstufe I. Es hilft Lehrkräften dabei, individuell auf Lernende einzugehen, die in diesen grundlegenden Bereichen Unterstützungsbedarf haben. Um diese Bedarfe zu erkennen, brauchen Lehrkräfte diagnostische Verfahren, beispielsweise VERA und LeA.SH. Sie machen Lernstände und -entwicklungen sichtbar. Auf dieser Grundlage kann Unterricht gezielt gestaltet werden – mit passgenauer Förderung, angemessener Forderung und einer stärkeren Individualisierung von Lernprozessen.

Um die verschiedenen Programme und Verfahren zu erläutern und vor allem praxisnahe Nutzungsmöglichkeiten zu zeigen, hatte das Team NZL des IQSH am 7. März 2026 zum Fachtag nach Kiel eingeladen. Bei einer Tasse Kaffee oder Tee trafen sich Mitglieder der NZL-Schulfamilien wieder, knüpften an bestehende Kontakte an und tauschten Erfahrungen aus. Auch Lehrkräfte aus Schulen, die bislang nicht am Programm teilnehmen, waren herzlich willkommen und wurden schnell in das bestehende Netzwerk integriert. Der Tag zeigte damit bereits zu Beginn, was NZL auszeichnet: Austausch, Kooperation und gemeinsames Lernen.

Gerade mit Blick auf datengestützte Schulentwicklung ist Diagnostik immens wichtig. Gleichzeitig betrachten diagnostische Elemente stets einen individuellen Moment im Leben eines Schulkindes. Damit das Bild vollständig wird, braucht es auch den professionellen Blick der Lehrkraft“, betonte Christiane Hüttmann, kommissarische Abteilungsleitung im IQSH. Sie machte den Lehrkräften Mut, die Verfahren und Instrumente zu nutzen und so passgenaue Förderung zu ermöglichen.

Individuelle Förderung – von Diagnostik bis Differenzierung

Um Lehrkräften wirksame Hilfen an die Hand zu geben, lag der Schwerpunkt des Fachtags auf der praktischen Arbeit in Workshops. Hier konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den ganzen Samstag zahlreiche Aspekte der Unterrichtsentwicklung von diagnostischen Verfahren im Unterricht über die Erstellung passgenauer Materialien und konkreter Unterrichtsideen bis hin zu Lese- und Rechenmethoden vertiefen. Darüber hinaus beschäftigten sich mehrere Workshops mit Fragen der Heterogenität und Differenzierung im Unterricht sowie mit der Gestaltung von Übergängen von der Grundschule in die weiterführende Schule. Auch Lernschwierigkeiten im Zusammenhang mit der Händigkeit wurden thematisiert.

Einen innovativen Ansatz stellte Freya Gröber (IQSH) vor. Sie demonstrierte, wie sich mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz individuelle Texte für Lautleseverfahren im Leseband.SH erstellen lassen – ein Beispiel dafür, wie digitale Werkzeuge sinnvoll in die Leseförderung integriert werden können.

Austausch, Praxisbeispiele und gemeinsame Reflexion entscheidend für gelingende Unterrichtsentwicklung

Weil der kollegiale Austausch auf Augenhöhe für die Weiterentwicklung des Unterrichts entscheidend ist, hatte das NZL-Team zusätzlich ein Barcamp angeboten. Themen aus Workshops, die aus organisatorischen Gründen nicht stattfinden konnten, wurden hier spontan aufgegriffen und gemeinsam diskutiert. Die offene Struktur ermöglichte intensive Gespräche und neue Perspektiven.

Impressionen der Veranstaltung

Helge Thomsen, Schulleiter in St. Michaelisdonn, stellte eine innovative Methode der Individualisierung vor.
Christiane Hüttmann, komm. Leitung der Fort- und Weiterbildungsabteilung am IQSH, und Levke Matzen, NZL-Team, begrüßten die Lehrkräfte.
Rund 60 Lehrkräfte kamen am Samstag morgen nach Kiel, um sich zu den NZL Themen fortzubilden.

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