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Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung,
Wissenschaft, Forschung und Kultur
: Thema: Ministerien & Behörden

Dr. Dorit Stenke

Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur

Mathe stark machen     


Landtagsrede der Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein Karin Prien zum TOP 26    

Letzte Aktualisierung: 14.12.2022

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren,

Rechnen ist – neben Lesen und Schreiben – die wichtigste grundlegende Fähigkeit, die wir erlernen müssen. Ohne ein mathematisches Grundverständnis verstehen wir keine Grafiken und Verbraucherinformationen, es fehlt das räumliche Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit, die Plausibilität von Ereignissen abzuschätzen. Es fehlt die Grundvoraussetzung für gesellschaftliche und politische Teilhaben und der Zugang zu nahezu jeder beruflichen Qualifikation. Türen bleiben verschlossen.

Oder – um es mit Galileo Galilei zu sagen: „Wer die Geometrie begreift, vermag in dieser Welt alles zu verstehen.“

Alle Kinder haben deshalb das Recht, in der Schule die basalen Kompetenzen Rechnen, Lesen und Schreiben zu lernen.

Die Landesregierung hat frühzeitig in der vergangenen Legislaturperiode damit begonnen, den Mathematikunterricht auf den Prüfstand zu stellen und konsequent weiterzuentwickeln.

Mit unserem Masterplan Mathematik haben wir seit Anfang 2019 zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, von denen ich einige hier nennen möchte. In den ersten beiden Jahrgangstufen der Grundschulen haben wir den Deutsch- und Matheunterricht um zwei zusätzliche Unterrichtsstunden ausgeweitet.

Mit der Umstellung von G8 auf G9 erhielten die Schülerinnen und Schüler in der Sek. I des Gymnasiums 24 statt 23 Lehrerwochenstunden Mathematik.

Einen besonderen Fokus haben wir auf die Aus- und Weiterbildung der Mathematiklehrkräfte gerichtet. An der Europa-Universität Flensburg kann das Fach Mathematik wieder auf Sek. I Niveau studiert werden. Damit gewinnen wir gut ausgebildete Lehrkräfte für unsere Gemeinschaftsschulen.

Wir flankieren außerdem seit Jahren den Mathematikunterricht in den Grundschulen durch jährliche Weiterbildungsmaßnahmen für fachfremd unterrichtende Lehrkräfte. Mit den jährlichen Zertifikatskursen „Niemanden zurücklassen - Mathe macht stark Grundschule“ haben wir seit 2018 bisher jährlich im Durchschnitt rund 100 Lehrkräfte qualifiziert – trotz Pandemie.

137 Grundschulen engagieren sich bei „Mathe macht stark“, das insbesondere für fachfremd unterrichtende Lehrkräfte gut zu nutzen ist. Diagnostik und passgenaue Förderung stehen im Fokus. Fortbildungsangebote aus dem Bereich SINUS ergänzen das Angebot im Sinne der Mathe.SH-Strategie mit ausgewählten Themen und damit auch für fachfremd unterrichtende Lehrkräfte.

Zur Verbesserung des Übergangs von der Schule ins Studium haben wir einen Aufgabenkatalog entwickelt, der die Mindestanforderungen für ein MINT-Studium beschreibt. Das war ein wichtiges Ergebnis des gemeinsamen Runden Tisches der Schulen und Hochschulen.

Dieser Aufgabenkatalog steht allen Lehrkräften zur Verfügung – in den Mathefachschaften der weiterführenden Schulen wird das Angebot gezielt vorgestellt.

Der Masterplan Mathematik befasst sich auch mit der Digitalisierung im Mathematikunterricht.

Es werden unter anderem Trainingsprogramme zum Üben von Fertigkeiten bereitgestellt – auch mit Rückmeldefunktion für die Schülerinnen und Schüler.

Diese Programme unterstützen insbesondere im Bereich der Rechenfertigkeiten. Für das mathematische Kommunizieren und mathematische Argumentieren und des Aufbaus von Grundvorstellungen braucht es weiterhin die Lehrkraft für einen guten Mathematikunterricht.

Für den Primarbereich gibt der Leitfaden zu den Fachanforderungen Mathematik Grundschule Beispiele für einen sinnvollen Einsatz digitaler Medien sowie Kriterien und vertiefende Hinweise zur Auswahl geeigneter Software. Gerade in Grundschulen sollten digitale Medien nur unterstützend zu spezifischen Inhalten passgenau ausgewählt werden. Denn hier gilt noch viel mehr: Im Mittelpunkt der Kompetenzvermittlung steht die Lehrkraft.

Meine Damen und Herren, etwa ein dreiviertel Jahr, nachdem wir den Masterplan Mathematik veröffentlicht haben, begann die Pandemie; mit Schulschließungen, Wechselunterricht und erheblichen Folgen für die physische und psychische Gesundheit von Kinder und Jugendlichen. Betroffen waren vor allem Grundschülerinnen und Grundschüler – die natürlich noch nicht eigenverantwortlich lernen können – sowie Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund.

Die jüngst veröffentlichten IQB-Bildungstrends haben gezeigt, wie dringend wir jetzt nach der Pandemie wieder volle Fahrt aufnehmen müssen. Und wir haben bereits damit begonnen. 

Wir setzen „Aufholen nach Corona“ fort, auch in 2023 mit Landesmitteln. Fortgeführt wird auch das Programm „Niemanden zurücklassen – Mathe macht stark“ und natürlich unser Masterplan Mathematik. Im derzeit geltenden Planstellenzuweisungsverfahren haben wir die Grundschulen darauf hingewiesen, dass die zusätzlichen Stunden in den Jahrgangsstufen 1 und 2 ausdrücklich für die Stärkung des Unterrichts in Deutsch und Mathematik zu nutzen sind. Eine Ausweitung des Mathematik- und Deutschunterrichts ist eine Verabredung in der Koalition. Wir werden dies auf den Weg bringen!

Schon jetzt halten wir uns an die Empfehlungen des jüngst veröffentlichten Gutachtens der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission: In den vier Grundschuljahren werden insgesamt 20 Wochenstunden Mathe und 24 Wochenstunden Deutsch unterrichtet. Es ist nicht möglich, diese Stunden flexibel mit anderen Fächern zu verbinden. Wir haben im Bildungsministerium begonnen, einen umfassenden Handlungsplan zur Verbesserung der basalen Kompetenzen zu entwickeln, die ich in der letzten Landtagssitzung vorgestellt habe.

Unter anderem entwickeln wir das schleswig-holsteinische Programm „Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark - Mathe macht stark“ auf der Grundlage der wissenschaftlichen Evaluationsergebnisse weiter. Und wir prüfen die Möglichkeit der Erweiterung auf einen flächendeckenden Einsatz der Trainingsmaterialien unter Beachtung von Prioritäten an einzelnen Standorten.

Auch die Lehrkräftebildung nehmen wir in allen ihren drei Phasen in den Blick. Als erstes werden wir mit der EUF analysieren, was es braucht, um die Kompetenzen der Lehrkräfte in der ersten Phase zu stärken und zu entwickeln. Aber auch in der zweiten Phase werden wir mit den Lehrkräften in Vorbereitung beraten, wie wir ihre Kompetenzen im Bereich der Gestaltung heterogener und lernförderlicher Formate weiter stärken können. Dazu hat sich unser IQSH bereits auf den Weg gemacht.

Mit beiden Einrichtungen werden wir über weitere Angebote in der Fort- und Weiterbildung sprechen. Wir werden dazu auch die Vorhaben in unserem Landesprogramm Zukunft Schule nutzen. Auch die Nutzung der digitalen Medien kann hierbei wirksam unterstützen. Dazu braucht es genau die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Praxis, die wir mit dem Landesprogramm auf den Weg gebracht haben.

Gemeinsam mit Frau Ministerin Touré befassen wir uns auch mit der frühkindlichen Bildung und dem Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule. Dabei geht es insbesondere um die Stärkung der mathematischen und sprachlichen Vorläuferfähigkeiten der Kinder. Außerdem werden wir im Rahmen der bundesweiten Qualifizierung der Mathematikfort-bildungen auch die sich in Ausbildung befindlichen Erzieherinnen und Erzieher und Sozialpädagogischen Assistenzen in den Fokus nehmen - ein entsprechendes Vorhaben befindet sich gerade in der Umsetzung – in der bundesweiten Qualitätsinitiative.

Meine Damen und Herren, es darf jetzt nicht darum gehen, unsere Schulen mit immer neuen Ideen und Projekten zu konfrontieren. Gerade nach der herausfordernden Zeit der Pandemie brauchen sie jetzt Kontinuität sowie Zeit und Raum, und gegebenenfalls auch zusätzliche Unterstützung, um die bestehenden und wirklich guten Projekte umzusetzen.

Und diese Zeit – und auch das Vertrauen – geben wir unseren Lehrkräften und Schulleitungen!

Verantwortlich für diesen Pressetext: Beate Hinse | Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur | Brunswiker Straße 16-22, 24105 Kiel | Telefon 0431 988-2369 | Telefax 0431 988-5903 | E-Mail: pressestelle@bimi.landsh.de  | Medien-Informationen der Landesregierung finden Sie aktuell und archiviert im Internet unter www.schleswig-holstein.de | Das Ministerium finden Sie im Internet unter www.schleswig-holstein.de

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