Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Prof. Hundt,
sehr geehrter Herr Prof. Quandt,
sehr geehrter Herr Prof. Schneider,
sehr geehrte Frau Prof. Cleophas,
sehr geehrter Herr Prof. Vetter,
sehr geehrte Frau Kanzlerin Meyer,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Treutel,
sehr geehrte Frau Ministerin von der Decken,
sehr geehrter Herr Minister Schrödter,
meine Damen und Herren, liebe Gäste,
es ist mir eine große Freude, heute zu Ihnen zu sprechen – in einem Jahr, das für die Universität von ganz besonderer Bedeutung ist.
Die Verbindung zwischen der Christian-Albrechts-Universität und dem Land Schleswig-Holstein ist seit jeher eine besondere.
Die CAU ist ein Motor für Innovation, ein Ort der Debatte und der Zukunftsgestaltung.
Sie bildet Fachkräfte aus, zieht kluge Köpfe aus aller Welt an oder hält sie im Land, treibt Forschung voran, stärkt aus vielerlei Gründen unsere Wertschöpfung und bereichert unser gesellschaftliches Leben.
Für Schleswig-Holstein und die Region darüber hinaus ist die CAU ein strategischer Zukunftsfaktor.
Mit dem Antrag in der Exzellenzstrategie „Connecting Horizons: From the Baltic Perspective to Global Impact“ setzen Sie genau hier an.
Denn Schleswig-Holstein liegt nicht am Rande Europas. Wir befinden uns im Herzen des Ostseeraums und sind die Brücke zwischen Skandinavien, dem Baltikum und Mitteleuropa.
Die Ostsee vor unserer Haustür ist ein gemeinsamer Erfahrungs-, Wirtschafts- und Wissenschaftsraum.
Die großen Fragen unserer Zeit – und dazu zähle ich den Klimawandel, den Meeres- und Küstenschutz, die Energieversorgung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt – diese Fragen verdichten sich im Ostseeraum wie unter einem Brennglas.
Wer hier Lösungen entwickelt, entwickelt sie nicht nur mit regionaler Relevanz, sondern auch mit nationaler und europäischer.
Und zu diesen großen Fragen unserer Zeit gehören ebenso Fragen der Sicherheit – ja, auch der militärischen Sicherheit.
Die tiefgreifenden Umbrüche, die wir derzeit in Europa und der Welt erleben, zeigen sich mit bedrückender Deutlichkeit im Ostseeraum.
Der seit über vier Jahre währende Angriffskrieg des Ostsee-Anrainers Russland gegen die Ukraine hat nicht nur die europäische Sicherheitsordnung erschüttert.
Er hat auch Fragen von Forschungssicherheit, Cybersicherheit und Sicherheitsforschung – aber auch Forschungssicherheit – neu in den Mittelpunkt von Debatten gerückt.
Gleichzeitig geraten unsere transatlantischen Beziehungen unter Druck, wie zu Beginn dieses Jahres unsere dänischen Nachbarinnen und Nachbarn erfahren mussten.
Transatlantische Kooperationen, die über Jahrzehnte hinweg selbstverständlich waren, sind es nicht mehr.
Die Antwort darauf kann nur eine gemeinsame europäische sein.
Globale Herausforderungen lassen sich nicht mit nationalen Alleingängen bewältigen – und schon gar nicht mit Landeslösungen.
Wir müssen nationale und europäische Ansätze zusammen denken und mit unserem Handeln vor Ort verbinden.
Für Schleswig-Holstein bedeutet das:
Der Ostseeraum und unsere Partner in Skandinavien, im Baltikum und in Polen rücken noch stärker in den Fokus.
Sie, meine Damen und Herren, haben dies erkannt und verbinden in Ihrem Exzellenzantrag Disziplinen, Perspektiven und Regionen:
„Connecting Horizons
“ steht für interdisziplinäre Exzellenz, für internationale Kooperation und für den Anspruch, aus einer regionalen Verankerung heraus globale Wirkung zu entfalten.
Als Landesregierung stehen wir geschlossen hinter diesem Antrag – hinter Ihnen.
Ich freue mich, am Ortsbesuch im Mai teilzunehmen, und ich glaube, ich spreche für uns alle hier im Audimax: Wir drücken fest die Daumen, dass die Begutachtung erfolgreich verläuft.
Aber eines ist auch klar: Exzellenz entsteht nicht an einem einzigen Tag. Sie entsteht durch die Menschen, die eine Universität tagein und tagaus prägen.
Durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, durch Studierende, durch Mitarbeitende, durch Partnerinnen und Partner in Wirtschaft und Gesellschaft – durch alle, die an einem Strang ziehen und gemeinsam für ihre Universität eintreten.
Der Wissenschaftsrat hat in diesem Zusammenhang in seinem großen Grundsatzpapier zu den „Perspektiven der Wissenschaft in Deutschland bis 2040“ erst kürzlich Erwartungen an Hochschulen formuliert:
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Wird die Generation der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen ausreichend in den Blick genommen und früh an Eigenständigkeit und Verantwortung herangeführt?
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Bilden sich auf allen Ebenen in Wissenschaft und Verwaltung die verschiedenen Merkmale von Diversität ausreichend ab?
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Bestehen national und international, aber genauso unmittelbar mit anderen Wissenschaftseinrichtungen vor Ort gute und fruchtbare Kontakte?
Ich bin sicher, dass gerade dies eine Stärke ist, mit der Kiel die Gutachterinnen und Gutachter im Exzellenzwettbewerb überzeugen wird.
Das Miteinander statt Gegeneinander im Wissenschaftssystem unseres Landes ist etwas Besonderes und die CAU ist geradezu prädestiniert, diese Rolle als zentraler Akteur in der Wissenschaftslandschaft einzunehmen:
Sie ist vernetzt, sie ist sichtbar, sie ist anerkannt.
Exzellenz wirkt dann am stärksten, wenn sie über eine einzelne Universität hinausreicht:
Sie eröffnet neue Spielräume für gemeinsame Berufungen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, für geteilte Infrastrukturen und für strategisch abgestimmte Schwerpunkte im ganzen Land.
Sie stärkt Verbünde zwischen Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen – komplementär, statt konkurrierend.
Die erste Exzellenzrunde hat gezeigt, welches Potenzial darin liegt:
In München haben die Ludwig-Maximilians-Universität und die Technische Universität gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft ein international sichtbares Forschungsökosystem aufgebaut.
Die RWTH Aachen (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule) hat ihre Region als Innovationsstandort gestärkt.
Diese Beispiele zeigen:
Exzellenz ist kein bloßer Titel für eine Institution – sie ist ein Entwicklungsschub für ein ganzes Wissenschaftssystem.
Genau das ist die Chance für Kiel: „Connecting Horizons“ kann nicht nur Profil schärfen, sondern Verbindungen stiften – für Innovation, internationale Sichtbarkeit und ein starkes, vernetztes Wissenschaftssystem im Norden.
Meine Damen und Herren, Wissenschaft lebt vielfach vom Mut.
Vom Mut, Neues zu denken.
Vom Mut, Horizonte zu erkunden.
Vom Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Die Christian-Albrechts-Universität steht für genau diesen Mut.
Sie verbindet Tradition mit Zukunft, regionale Verwurzelung mit globalem Anspruch und wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung.
Ich wünsche der Bewerbung in der Exzellenzstrategie von Herzen Erfolg – und uns allen einen inspirierenden Abend mit guten Gesprächen und neuen Verbindungen.
Herzlichen Dank.
Dr. Dorit Stenke
Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein