In Kiel hat Minderheitenbeauftragter Johannes Callsen gemeinsam mit Digitalisierungsminister Dirk Schrödter die Deputierte der niederländischen Provinz Fryslân (Friesland), Eke Folkerts, empfangen. Bei ihrem zweitägigen Besuch informiert sie sich über die Minderheitenpolitik in Schleswig-Holstein.
Aus "Niebüll" wird "Naibel" und aus "Hallig Hooge" wird "de Huuge" – wer schon einmal durch Nordfriesland gefahren ist, dem sind die zweisprachigen Ortsschilder in Deutsch und Friesisch wahrscheinlich schon aufgefallen. Mit solchen und weiteren Aktionen setzt sich das Land Schleswig-Holstein seit vielen Jahren für den Schutz von Minderheitensprachen ein.
Besuch aus Friesland
Die friesische Sprache soll nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern langfristig in ganz Europa gesichert werden, betonte der Minderheitenbeauftragte Johannes Callsen in Kiel nach einem Gespräch mit Eke Folkerts, der Deputierten der niederländischen Provinz Fryslân (Friesland). Während in Schleswig-Holstein nur noch annähernd 8.000 bis 10.000 Menschen die nordfriesische Sprache beherrschen, sind es in der niederländischen Provinz gut 450.000 Menschen, die das Westfriesische sprechen.
Kultureller Austausch
Die niederländische Politikerin ist zu einem zweitägigen Besuch nach Schleswig-Holstein gereist. "Die Zusammenarbeit zwischen der Provinz Fryslân und Schleswig-Holstein bietet große Chancen für den Erhalt und die Stärkung der friesischen Sprache, beispielsweise durch gemeinsame Projekte in Forschung, Lehrkräfteausbildung, digitalen Sprachanwendungen und kulturellem Austausch", sagte Callsen. Gute Beispiele dafür seien das Nordfriisk Instituut in Bredstedt und die Fryske Akademy in Leeuwarden. Beide Einrichtungen zeigten, wie wissenschaftliche Arbeit, Bildungsangebote und kulturelle Veranstaltungen die friesische Sprache fördern und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen können.
Ein weiteres gemeinsames Ziel sei der bessere Schutz der friesischen Sprache auf europäischer Ebene. "Regional- und Minderheitensprachen sind ein wichtiger Teil unserer kulturellen Vielfalt und sollten im europäischen Markenrecht vor Benachteiligung geschützt werden", betonte der Minderheitenbeauftragte. Schleswig-Holstein arbeite zusammen mit den Ländern Niedersachsen, Sachsen und Brandenburg im Bundesrat daran, die Regional- und Minderheitensprachen im EU-Markenrecht besser vor Diskriminierung zu schützen. Im Markenrecht dürfen beschreibende Begriffe und allgemein gebräuchliche Redewendungen eigentlich nicht geschützt werden – doch die Regional- und Minderheitensprachen erreichen schon wegen ihrer engen regionalen Verbreitung kaum den notwendigen Bekanntheitsgrad. In der Vergangenheit durften die Friesinnen und Friesen daher den Begriff "Öömrang" für ihre örtlichen Produkte selbst nicht mehr nutzen, da das Wort durch eine Firma als Marke eingetragen worden war.
Digitale Werkzeuge für friesische Sprache
Minderheitenbeauftragter Callsen erklärte, er habe bei Eke Folkerts dafür geworben, diese Initiative auch für das Westfriesische zu unterstützen. In dem Gespräch, an dem auch Digitalisierungsminister Dirk Schrödter teilnahm, ging es außerdem um moderne Verwaltung und Digitalisierung. "Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, Sprachen wie das Friesische im Alltag zu verankern", sagte Callsen. Moderne Sprachmodelle und digitale Werkzeuge könnten dazu beitragen, dass friesische Texte, Wörterbücher und Lernmaterialien leicht verfügbar seien.
In Schleswig-Holstein seien mit der "Halunder AI" für die helgoländische Variante des Nordfriesischen und dem "Fering Auersaater" der Fering-Stiftung auf Föhr bereits digitale Lösungen entwickelt worden. Dadurch können sich beispielsweise Fering-Sprechende online ganze Sätze und kurze Textpassagen aus dem Deutschen oder Englischen ins Friesische übersetzen lassen – und umgekehrt. Ähnliche Projekte gibt es auch in den Niederlanden.
Zusammenarbeit ausbauen
Callsen warb daher dafür, die internationalen Kontakte weiter auszubauen. "Durch verstärkte Zusammenarbeit, gemeinsamen rechtlichen Schutz und den gezielten Einsatz digitaler Technologien können wir die friesische Sprache bewahren und ihr auch neue Perspektiven für die Zukunft eröffnen", sagte er.
Weitere Informationen
Am Freitag, dem 8. Mai, werden Minderheitenbeauftragter Callsen und Eke Folkerts die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel besuchen. Dort informieren sie sich über die friesische Sprache in der Wissenschaft, an Schulen und in Medien. Außerdem ist ein Zusammentreffen mit friesischen Organisationen aus Schleswig-Holstein geplant.
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