In Kiel haben Ministerpräsident Daniel Günther, Fischereiministerin Cornelia Schmachtenberg sowie Vertreter von Fischereiverbänden eine Zielvereinbarung unterzeichnet. Demnach unterstützt das Land die Kutter- und Küstenfischerei über einen Zeitraum von zehn Jahren mit jährlich 750.000 Euro.
Munitionsaltlasten, fehlende Rückzugsorte für Wildtiere und eine durchgehend hohe Nutzungsbelastung – die Ostsee vor Schleswig-Holstein steht unter Druck.
Aus diesem Grund hat das Land im vergangenen Jahr den Aktionsplan Ostseeschutz 2030 (APOS) beschlossen. Dieser sieht vor, 12,5 Prozent der schleswig-holsteinischen Ostsee unter strengen Schutz zu stellen. Seit März sind dafür bereits drei neue Naturschutzgebiete in Kraft getreten und in drei weiteren Gebieten sollen ebenfalls noch in diesem Jahr verschärfte Regeln folgen.
Herausforderung für Fischereibetriebe
In diesen streng geschützten Gebieten ist die Fischerei künftig ausgeschlossen. Aus diesem Grund will das Land nun die Kutter- und Küstenfischerei über einen Zeitraum von zehn Jahren mit jährlich 750.000 Euro unterstützen. Eine entsprechende Zielvereinbarung haben Ministerpräsident Daniel Günther, Fischereiministerin Cornelia Schmachtenberg sowie Vertreter des Landesfischereiverbands Schleswig-Holstein und des Fischereischutzverbands Schleswig-Holstein nun in Kiel unterzeichnet.
Unterstützung vereinbart
Die Fischereibetriebe stünden aktuell vor großen Herausforderungen, betonte der Regierungschef bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Unterzeichnung. Neben zurückgehenden Fischbeständen sorgten auch notwendige Vorhaben zum Schutz der Ostsee für schwierigere Bedingungen. "Deshalb unterstützen wir die Unternehmen dabei, wirtschaftliche Perspektiven zu sichern und zugleich den Meeresschutz zu stärken."
Herzstück der Küstenregion
Seit Generationen sei die Kutter- und Küstenfischerei ein Herzstück der Küstenregionen und ein Symbol für die Identität Schleswig-Holsteins, sagte der Ministerpräsident. "Wir wissen, dass die Schutzmaßnahmen des Aktionsplans Ostseeschutz 2030 (APOS) für viele Betriebe herausfordernd sind", sagte er. "Mit der heute geschlossenen Vereinbarung wollen wir sicherstellen, dass unsere Fischerinnen und Fischer, die Tag für Tag aufs Meer hinausfahren, unterstützt werden und ihren Beruf weiter ausüben können." Damit verbinde das Land den Umweltschutz auch mit einer wirtschaftlichen Perspektive.
Finanzierung freiwilliger Schutzvorkehrungen
Der zusätzliche Schutz des APOS, insbesondere die Schließung bisher wichtiger Fanggebiete, treffe die Fischereibetriebe in einer ohnehin wirtschaftlich extrem angespannten Lage, betonte auch die Fischereiministerin. Betroffen seien dabei unter anderem die Fanggebiete Schlei bis Gelting, Hohwachter Bucht und westlich Fehmarn. Doch auch der Rückgang der Bestände von westlichem Dorsch und westlichem Hering habe viele Existenzen erschüttert, sagte Schmachtenberg. "Wir haben uns von Beginn an dafür eingesetzt, dass – wenn es einen Ausschluss von Fischerei gibt – auch immer Unterstützung für die Betroffenen sichergestellt wird", betonte sie. "Mit der nun vereinbarten Zielvereinbarung setzen wir dies konsequent um: Wir stehen auch in schweren Zeiten an der Seite unserer Küstenfischerei, unterstützen sie gezielt finanziell bei der Umsetzung freiwilliger Schutzmaßnahmen und eröffnen neue Einkommensperspektiven im Bereich Umwelt- und Monitoringaufgaben."
Zur Zielvereinbarung
Die Zielvereinbarung gibt den Fischereibetrieben finanzielle Planungssicherheit. So können sie zusätzliche Umweltdienstleistungen erbringen, um damit vom Land vergütet zu werden. Zu diesen Dienstleistungen zählen beispielsweise die Bergung verlorengegangener Geisternetze oder die Beteiligung am Küstenfischmonitoring. Dabei geht es um die Beobachtung und Analyse aquatischer Ökosysteme, um Veränderungen rechtzeitig zu erkennen. "Mit der Zielvereinbarung bekennt sich die Landesregierung ausdrücklich zum Erhalt der Erwerbsfischerei an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste", sagte Cornelia Schmachtenberg. "Zugleich leisten teilnehmende Betriebe durch zusätzliche Umweltleistungen einen aktiven Beitrag zum Schutz und zur Wiederherstellung der Meeresbiodiversität."
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