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Von der Ukraine lernen

Bei einer zweitägigen Sicherheitskonferenz hat sich die Landesregierung mit Vertretern aus Cherson zu ziviler Verteidigung und Katastrophenschutz ausgetauscht und im Kabinett eine Unterstützung von einer Million Euro für die Partnerregion beschlossen. 

Letzte Aktualisierung: 17.02.2026

Ministerpräsident Günther und sein Kabinett sitzen mit Chersons Gouverneur Oleksandr Prokudin an einem Konferenztisch.
Gemeinsam mit seinem Kabinett sprach Ministerpräsident Daniel Günther mit Chersons Gouverneur Oleksandr Prokudin.

Seit vier Jahren verteidigt die Ukraine sich gegen den völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf sein Staatsgebiet. Die Region Cherson steht seitdem unter Dauerbeschuss: Es gibt Tote, Verletzte und immer wieder Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Die Partnerregion Schleswig-Holsteins hat dadurch in den vergangenen Jahren umfassende Erfahrungen im Bereich Resilienz, zivile Verteidigung und Katastrophenschutz gesammelt. Nun ist eine hochrangige Delegation aus Cherson unter Leitung von Gouverneur Oleksandr Prokudin direkt im Anschluss an die Münchner Sicherheitskonferenz nach Kiel gereist, um sich mit fachlichen Vertreterinnen und Vertretern aus Schleswig-Holstein auszutauschen. Bei einer Kabinettssitzung beschloss die Landesregierung außerdem, Cherson eine Million Euro zur Verfügung zu stellen – für dringend benötigte Geräte zur Erzeugung und Sicherung von Energie und Wärme.

Auf Angriffsszenarien vorbereiten

"Wir gewinnen sehr konkrete und wertvolle Erkenntnisse mit diesem Austausch", sagte Günther.  "Wir haben gelernt, wie kritische Infrastruktur trotz permanenter Angriffe stabilisiert wird, wie Krankenhäuser und Schutzräume unter die Erde verlegt werden, wie Schulen und Kitas weiter funktionieren, wie Minenräumung organisiert und wie Verwaltung arbeitsfähig gehalten wird." Die Gespräche und der Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern von Bundeswehr, Polizei, Katastrophenschutz, Wissenschaft und Verwaltung hätten deutlich gemacht, dass der Schutz kritischer Infrastruktur Kern staatlicher Handlungsfähigkeit sei. Bereits auf der Sicherheitskonferenz in München hatte Gouverneur Oleksandr Prokudin gewarnt: Deutschland und Europa seien noch nicht ausreichend auf einen Krieg vorbereitet. "Seid bereit, bereitet euch vor. Es ist besser bereit zu sein, auch für einen Fall, der vielleicht nicht eintritt. Der Feind spürt, ob man bereit ist und das hat eine abschreckende Wirkung", riet Prokudin auch heute in Kiel. Er hob hervor, dass Schleswig-Holstein bisher das einzige deutsche Bundesland sei, das an den gesammelten Erfahrungen in ziviler und militärischer Verteidigung interessiert sei. Prokudin berichtete außerdem von rund 2.500 russischen Drohnenangriffen auf die Ukraine jede Woche. Etwa 96 Prozent der Flugkörper könne das Militär inzwischen abwehren. 

Konkrete Bedrohungslage

"Drohnenabwehr, hybride Bedrohungen, Desinformation und maritime Sicherheit in der Ostsee sind reale Herausforderungen – das erleben wir auch in Schleswig-Holstein", betonte der Ministerpräsident. Vor diesem Hintergrund habe die Landesregierung die Ausstattung der Polizei verstärkt, Vorhaben zur Drohnenabwehr vorangebracht, eine Task Force Zivile Verteidigung eingerichtet und den Austausch mit den Ostsee-Anrainern intensiviert. "Deutschland hat bei ziviler Verteidigungsfähigkeit, Katastrophenschutz und Resilienz insgesamt noch Aufholbedarf. Schleswig-Holstein geht hier voran – wir wollen weiter lernen und besser werden. Diese Sicherheitskonferenz hat uns dafür sehr konkrete Impulse gegeben

Gegenseitige Unterstützung

Gouverneur Prokudin und Ministerpräsident Günther stehen nebeneinander. Günther hält eine kleine Schatulle mit einem sternförmigen Orden in der Hand. 
In Kiel überreichte Gouverneur Prokudin den Orden "Verteidigung des Gebiets Cherson" an Ministerpräsident Günther.

Beide Seiten bekräftigten, sich auch in Zukunft gegenseitig zu unterstützen. Die Delegation aus Cherson schlug Schleswig-Holstein vor, das Land mit Qualifizierungslehrgängen in kritischer Infrastruktur, Evakuierung, ziviler Verteidigung und Drohnenabwehr zu schulen. Seit September 2023 besteht eine Solidarpartnerschaft mit der Oblast Cherson.

Gouverneur Oleksandr Prokudin hatte Kiel im November 2024 bereits besucht. Heute dankte er dem Land für die Unterstützung der vergangenen Jahre. Neben der Aufnahme Geflüchteter, der medizinischen Versorgung Verletzter und der Bereitstellung humanitärer Hilfe hatte Schleswig-Holstein zudem 500.000 Euro für Solarmodule bereitgestellt. Als Zeichen seiner Dankbarkeit überreichte Prokudin Günther zum Abschluss den Orden "Verteidigung des Gebiets Cherson" – ein Auftrag, den ihm Präsident Selenskyj vor seiner Abreise erteilt hatte.

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