KIEL. Wie hoch ist der Pflegebedarf in Schleswig-Holstein? In welchen Regionen werden besonders dringend Fachkräfte benötigt? Bisher konnten Land, Kommunen und Pflegeeinrichtungen nur zeitlich verzögert und dezentral auf entsprechende Daten zugreifen. Das möchte die Landesregierung ändern und entwickelt daher in Kooperation mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eine digitale Pflegebedarfserhebung mit Frühwarnsystem, das in dieser Form bundesweit einzigartig ist. Mithilfe der KI-gestützten Datenanalyse können Pflege-Akteure vorausschauender planen und flexibler auf die Bedarfe reagieren.
Digitalisierungsminister Dirk Schrödter und Sozialministerin Aminata Touré haben heute (am 22. Januar) die Förderbescheide für die beiden Vorhaben Pflege-Prognose+ und Pflege-Monitor+ in Höhe von insgesamt rund 500.000 Euro an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel überreicht und sich über den Entwicklungsstand des auf drei Jahre angelegten Projekts informiert.
"Gerade beim Arbeitskräftemangel in der Pflege ist es besonders wichtig, eine sorgsame Bedarfsplanung umzusetzen, um den Pflegebedürftigen die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die notwendig ist. Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz bieten ganz neue Möglichkeiten, die Qualität von Pflegeprozessen sowie die Bedarfsplanung selbst zu erhöhen"
, sagte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter. "Als Land bringen wir die Künstliche Intelligenz vor allem dort voran, wo es Wettbewerbsvorteile hat. Dazu gehört unser starkes Netzwerk Medizin und Gesundheitswesen, das gleichzeitig Innovationsmotor für den gesamten Digitalstandort Schleswig-Holstein ist. Dieses Projekt zeigt anschaulich, dass neben Patienten und Pflegeeinrichtungen eben auch Land und Kommunen von dieser Entwicklung sowie den konkreten KI-Anwendungen profitieren."
"Mit der KI-gestützten Pflegebedarfsplanung starten wir in Schleswig-Holstein ein Leuchtturm-Projekt, das bundesweit einzigartig ist. Als Sozialministerin ist mein Ziel, 'weiße Flecken' in der Pflegelandschaft zu identifizieren und Kommunen, Pflegeeinrichtungen und Landesbehörden dynamische Daten für mehr Planungssicherheit zur Verfügung zu stellen"
, so Sozialministerin Aminata Touré. "Mit dem Pflege-Monitor+ entwickeln wir gemeinsam mit der Christian-Albrechts-Universität ein Dashboard, das Daten und Prognosen für die Pflege-Akteure visuell aufbereitet und online abrufbar macht. Dadurch können Entwicklungen, beispielsweise demografische Veränderungen, regionale Unterschiede oder Krankheitswellen, frühzeitig und passgenau in Entscheidungen berücksichtigt werden. Dieses Projekt ist ein Schwerpunkt des Ersten Maßnahmenpakets zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung und ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur zukunftsfähigen Pflege in Schleswig-Holstein."
"Wir freuen uns über die Unterstützung des Landes, um dieses wichtige Projekt an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel voranzubringen. Es leistet einen wichtigen Beitrag für die Voraussage von Pflegebedarfen und hat daher eine direkte Wirkung für die Menschen in Schleswig-Holstein. Darüber hinaus ist es ein weiterer wichtiger Schritt in der Forschung, wie wir Methoden Künstlicher Intelligenz weiterentwickeln und nutzen können"
, sagte Prof. Eckhard Quandt, Vizepräsident für Forschung, wissenschaftliche Infrastruktur und Transfer an der CAU zu Kiel.
Die Digitale Pflegebedarfserhebung mit Frühwarnsystem ist eine Maßnahme des im November 2024 vom Landespflegeausschuss Schleswig-Holstein (LPA) verabschiedeten Ersten Maßnahmenpakets zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung. Das Maßnahmenpaket beinhaltet 30 kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen, wobei einer der Schwerpunkte die Digitalisierung von Prozessen in der Pflege ist. Ziel der neuen Pflegebedarfserhebung ist der Aufbau eines lernenden, KI-gestützten Systems. Dabei werden Datensätze, zum Beispiel aus Kommunen, Pflegeeinrichtungen und Landesbehörden zusammengeführt sowie kontinuierlich aktualisiert, mit dem Ziel, Entwicklungen in der Pflegeinfrastruktur vorausschauend zu betrachten.
Pflege-Prognose+ entwickelt KI-gestützte Modelle zur fortlaufenden Prognose der Pflegebedarfe und wird durch die Staatskanzlei nach der KI-Richtlinie des Landes mit rund 400.000 Euro gefördert.
Pflege-Monitor+ visualisiert die Daten und Prognosen transparent und handlungsorientiert in einem sogenannten Dashboard und wird durch das Sozialministerium nach der Richtlinie zum Landespflegegesetz zunächst mit rund 100.000 Euro gefördert.
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