KIEL. Die friesische Sprache soll nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern auch im europäischen Kontext langfristig gesichert werden. Das sagte der Minderheitenbeauftragte Johannes Callsen heute (7. Mai) in Kiel nach einem Gespräch mit Eke Folkerts, der Deputierten der niederländischen Provinz Fryslân (Friesland). Die Politikerin ist ab heute zu einem zweitägigen Besuch in Schleswig-Holstein. In Fryslân ist West-Friesisch neben Niederländisch die zweite Amtssprache und wird dort von gut 450.000 Menschen gesprochen.
"Die Zusammenarbeit zwischen der Provinz Fryslân und Schleswig-Holstein bietet große Chancen für den Erhalt und die Stärkung der friesischen Sprache, beispielsweise durch gemeinsame Projekte in Forschung, Lehrkräfteausbildung, digitalen Sprachanwendungen und kulturellem Austausch"
, sagte Callsen. Gute Beispiele dafür seien das Nordfriisk Instituut in Bredstedt und die Fryske Akademy in Leeuwarden. Beide Einrichtungen würden zeigen, wie wissenschaftliche Arbeit, Bildungsangebote und kulturelle Veranstaltungen die friesische Sprache fördern und für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.
Ein weiteres gemeinsames Ziel sei der bessere Schutz der friesischen Sprache auf europäischer Ebene. "Regional- und Minderheitensprachen sind ein wichtiger Teil unserer kulturellen Vielfalt und sollten im europäischen Markenrecht vor Benachteiligung geschützt werden"
, sagte Callsen. So arbeite Schleswig-Holstein zusammen mit den Ländern Niedersachsen, Sachsen und Brandenburg mit einer Bundesratsinitiative daran, das Markenrecht so zu ergänzen, dass die durch die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützten Sprachen gleichberechtigt behandelt und dauerhaft vor Missbrauch gesichert seien. Er habe bei Eke Folkerts dafür geworben, diese Initiative für das Westfriesische zu unterstützen.
In dem Gespräch, an dem auch Digitalisierungsminister Dirk Schrödter teilnahm, ging es auch um die Themen moderne Verwaltung und Digitalisierung. "Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, Sprachen wie das Friesische im Alltag zu verankern"
, sagte Callsen. Moderne Sprachmodelle und digitale Werkzeuge könnten dazu beitragen, dass friesische Texte, Wörterbücher und Lernmaterialien leicht verfügbar seien. In Schleswig-Holstein seien mit der "Halunder AI" (für die helgoländische Variante des Nordfriesischen) und dem Projekt "fering Auersaater" der Fering-Stiftung auf Föhr bereits digitale Lösungen entwickelt worden. Ähnliche Projekte gebe es auch in den Niederlanden.
Callsen warb daher dafür, die internationalen Kontakte weiter auszubauen: "Durch verstärkte Zusammenarbeit, gemeinsamen rechtlichen Schutz und den gezielten Einsatz digitaler Technologien können wir die friesische Sprache bewahren und ihr auch neue Perspektiven für die Zukunft eröffnen."
Morgen Vormittag (8. Mai) ist ein gemeinsamer Besuch von Callsen und Folkerts in der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel geplant. Dort stehen Gespräche und Informationen zur friesischen Sprache in der Wissenschaft, an Schulen und in den Medien sowie ein Zusammentreffen mit friesischen Organisationen aus Schleswig-Holstein auf dem Programm.
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