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Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein : Thema: Ministerien & Behörden

Ausgrabung zweier Megalithgräber in Oeversee

Die Grabung fand im Frühjahr 2021 im Vorfeld einer geplanten Baumaßnahme statt.

Letzte Aktualisierung: 02.09.2021

Aufwendig verzierte Keramikscherben
Aufwendig verzierte Keramikscherben

Im Frühjahr 2021 wurde in Oeversee, Kreis Schleswig-Flensburg, im Vorfeld einer geplanten Baumaßnahme ein seit den 50er Jahren bekanntes zerstörtes Megalithgrab der Trichterbecherkultur ausgegraben. Von dem Grab waren vor Beginn der Ausgrabung keine Megalithe obertägig zu sehen. Bereits während der Voruntersuchung zeigte sich, dass es sich dabei um eine größere Anlage mit zwei Kammern handelt. Die nordöstliche Kammer 1 war von einem Kreis kopfgroßer Steine umgeben und befand sich ursprünglich unter einem Rundhügel, an welchen ein Langbett angebaut wurde, in dem sich die zweite Kammer befand. Die Einfassung des Langbettes zeigte sich als lineare Ansammlung von kopfgroßen Steinen und Zwickelplatten. Zum Teil ließen sich die Steinstandspuren der Einfassung nachweisen. Drei Steine der Einfassung befanden sich, zwar verkippt, noch in situ. Fünf weitere Steine wurden neben ihrem ursprünglichen Standort vergraben, um sie zu entsorgen.

Bernsteinperle
Bernsteinperle

Bei beiden Grabkammern waren keine Trägersteine mehr in situ vorhanden. Allerdings haben sich in vier Fällen Türme aus Zwickelplatten erhalten, welche ehemals die Lücken zwischen den Trägersteinen füllten. Bei Kammer 1 war der die Kammer umschließende Lehmmantel vollständig erhalten, wohingegen er bei Kammer 2 nur noch in Resten vorhanden war, da diese Kammer und ihr Umfeld im Zuge der Zerstörung großflächig tiefer gelegt wurden, um darin ehemalige Kammersteine einzugraben. Beide Kammern waren mit großen Mengen Granitbruchstücken verfüllt, welche beim Spalten der Steine als Abfall anfielen. Anhand der Steinstandspuren und den Ausformungen des Lehmmantels handelt es sich bei beiden Kammern um ovale Ganggräber.

Im Zuge der Ausgrabung wurde ca. 8 Kilogramm Keramik geborgen, welche sich überwiegend vor den Eingängen der Kammern fand. Bemerkenswert sind zahlreiche Scherben einer sehr aufwendig im Klintebakken-Stil verzierten zweiösigen Schale. Weitere Scherben stammen von Trichterbechern, Fruchtschalen und Schultergefäßen. Hinzu kommen einige Klingen, eine querschneidige Pfeilspitze, eine Sichelklinge sowie drei Bernsteinperlen, von denen eine dem seltenen rollenförmigen Typ angehört.

Die beiden Gräber von Oeversee sind Teil eine Kette von Megalithgräbern, die heute größtenteils zerstört und überbaut sind. Grabform und Beigaben belegen ein Beginn der Bautätigkeit der Gräber in der Stufe Mittelneolithikum 1b sowie eine darüber hinaus gehende Nutzung der Anlage bis zum Ende der Trichterbecherkultur. Anhand palynologischer Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Gräber bereits in einer Heidelandschaft errichtet wurden.

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