Was wird gemacht?
Pressemitteilung zu Geotextil an der Westküste
Um eine Ausbreitung von gebietsfremden bzw. invasiven Arten zu verhindern und auch bereits besiedelte Bereiche wiederherzustellen, sind oftmals massive Eingriffe in die Pflanzen- und Tierwelt, aber auch in den Boden notwendig. Dies führt nicht nur zu Konflikten mit Boden- und Denkmalschutz, sondern regelmäßig auch zu Konflikten mit dem Küstenschutz. Daher wird mit diesem Pilotprojekt eine bodenschonende Methode zum Management von Kartoffelrose, Staudenknöterich, Stechginster und Herkulesstaude an der Westküste erprobt. Dazu sollen dichte Vorkommen dieser Arten abgemäht und anschließend mit einem lichtundurchlässigen Vlies abgedeckt werden. Die Abdeckung über mehrere Jahre bringt die Vegetation darunter zum Absterben. Nach Entfernen des Vlieses nach 3-5 Jahren kann sich die typische Vegetation der Standorte wieder ansiedeln. Insbesondere bei den dynamischen Lebensräumen der Dünen läuft eine Wiederbesiedlung durch typische heimische Pflanzen ohne weitere Unterstützung. Diese Methode wurde bereits in den Dünenbereichen an der Ostsee erfolgreich erprobt. Neu bei dieser Maßnahme sind die veränderten Gegebenheiten der Westküste. Hier finden sich oft steilere Dünen und Einfluss von Wind und Salz sind höher als an der Ostsee.
Ebenso wird die Verwendung eines biologisch abbaubaren Vlieses getestet. Dies hat den Vorteil, dass keine Wiederaufnahme des Vlieses erforderlich ist. Damit kann dieses Vlies auch in Bereichen eingesetzt werden, in denen keine offenen Sandstellen entstehen sollen (z.B. in Küstenschutzdünen) oder in denen aufgrund der Küstendynamik ein Austrag von Vliesbestandteilen nicht ausgeschlossen werden kann (Wattkanten mit Schilfröhricht, in dem Staudenknöterich oder Herkulesstaude wächst).
Erprobt wird außerdem, ob sich diese Methode auch zum Zurückdrängen von gebietsfremdem Stechginster eignet. Durch fehlende Frostperioden in den letzten Jahren breitet sich der Stechginster in den Sylter Dünen zunehmend aus.
Warum wird es gemacht?
Neophyten sind diejenigen Pflanzen, die durch menschliches Handeln in Gebiete vorrücken konnten, die sie durch normale Arealverschiebungen und natürliche Ausbreitungsvektoren (Wind, Wasser, Tiere) normalerweise nicht erreichen können. Losgelöst von spezialisierten Fressfeinden und der sich evolutionär entwickelten Konkurrenz im natürlichen Verbreitungsgebiet, können sie sich oft schnell ausbreiten und Dominanzbestände ausbilden. Dadurch beanspruchen sie Flächen, die für einheimische Arten wiederum nicht mehr zur Verfügung steht. Sie bieten zudem keinen positiven Beitrag zum Ökosystem für spezialisierte Arten. Lediglich Generalisten, die in der Regel weniger durch Umweltveränderungen bedroht sind, können Neophyten z.B. als Nahrungsquelle nutzen. Dies stellt insbesondere in den Gebieten mit Naturschutzzielen ein Problem dar, da insbesondere hier der Schutz der vorhandenen Lebensräume oberste Priorität besitzt. Solche Neophyten werden dann als invasive Art bezeichnet. In Dünengebieten, die aufgrund der begrenzten Ausbreitung und des starken Nutzungsdrucks zum überwiegenden Teil unter Naturschutz stehen, sollte ein zusätzlicher Verlust der natürlichen Vegetation aufgrund der Ausbreitung von invasiven Arten daher vermieden werden.
Den Rahmen des Managements gebietsfremder sowie invasiver Arten stellen die Paragrafen § 40 und 40a des Bundesnaturschutzgesetzes und die Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten dar. Darin werden die Anforderungen für eine Beseitigung und ein Management der jeweiligen Arten geregelt. Sofern eine Gefährdung für Ökosysteme, Arten oder Biotope vorliegt, kann die zuständige Behörde eine Beseitigung anordnen. Bei den hier betrachteten Vorkommen handelt es sich überwiegend um Standorte auf gesetzlich geschützten Biotopen (ggB) sowie (prioritären) FFH-Lebensraumtypen (LRT). Durch Ausbildung von Dominanzbeständen stellen die hier betrachteten gebietsfremden Arten eine erhebliche Beeinträchtigung von ggB und LRT dar, da sie ehemals lebensraumtypische Vegetation und damit auch die daran angepasste Tierarten verdrängen. Hiermit liegt demnach eine Gefährdung für Arten und Biotope vor. Darüber hinaus befindet sich ein Großteil der Flächen innerhalb von Fauna-Flora-Habitat-Gebieten. In diesen Gebieten sollen die in den Erhaltungszielen genannten Schutzgüter (wie zum Beispiel bestimmte LRT) erhalten, wiederhergestellt und in ihrem Erhaltungsgrad verbessert werden. Hieraus ergibt sich eine andere Handlungsnotwendigkeit, da die Ausbreitung der hier betrachteten Arten zu einem Flächenverlust von LRT aus den Erhaltungszielen führt.
Welche Pflanzen betrifft die Maßnahme?
Kartoffelrose (Rosa rugosa)
Die Kartoffelrose wurde zwar bereits zum Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt, ihre Ausbreitung erfolgte aber vor allem im laufe des 20. Jahrhunderts nachdem sie als Zierpflanze ebenso wie zur Befestigung im Rahmen des Küstenschutzes in großen Mengen gezielt angepflanzt wurde.
Heute ist diese Art besonders in Schleswig-Holstein weit verbreitet und fast überall im Bereich der Küsten zu finden. Ihr massenhaftes Vorkommen auf der Nordseeinsel Sylt hat ihr im regionalen Sprachgebrauch auch den Namen "Sylt-Rose" eingebracht, denn sie ist sowohl in Gärten als auch auf den geschützten Dünen ein gewohnter Anblick.
Bei der Kartoffelrose handelt es sich um eine invasive gebietsfremde Art, die durch ihre Konkurrenzstärke und ihr hohes Reproduktionspotenzial im Bereich der jüngeren Dünen die einheimische Vegetation direkt verdrängt. Auf älteren Dünen beeinflusst die Kartoffelrose die Sukzession sowohl direkt durch Konkurrenz als auch indirekt über eine Veränderung der Bodenzusammensetzung.
Stechginster (Ulex europaeus)
Beim Stechginster handelt es sich um einen Neophyten, obwohl die Art grundsätzlich in Europa einheimisch ist. Von Europa aus wurde der Stechginster weltweit verbreitet und gilt heute als eine der problematischsten invasiven Arten weltweit. In Schleswig-Holstein kommt der Stechginster im Binnenland vereinzelt vor, große verwilderte Bestände sind hier aktuell noch nicht bekannt, obwohl es Hinweise auf einzelne Fälle gibt. Anders stellt sich die Situation auf den nordfriesischen Inseln und Helgoland dar. Insbesondere auf Sylt sind inzwischen große verwilderte Bestände bekannt, die teilweise, aufgrund der leuchtend gelben Blüten, deutlich auf Luftbildern zu erkennen sind.
Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica)
Der Name "Japanischer Staudenknöterich" wird oftmals Synonym für drei verschiedene Arten verwendet. Oftmals sind damit sowohl Reynoutria japonica, Reynoutra sachalinensis sowie deren Hybrid Reynoutria x bohemica gemeint. Gerade der Hybrid ist von den beiden anderen Arten nicht einfach zu unterscheiden. Auch in Schleswig-Holstein ist die Abgrenzung nicht immer ganz klar, bzw. erfolgt in vielen Fällen auch nicht. Nach aktuellem Stand ist es für das Management unerheblich, um welche Art es sich handelt. Es wird davon ausgegangen, dass aktuell Reynoutria japonica hauptsächlich in Schleswig-Holstein vorkommt und auch vor diesem Hintergrund wird im Rahmen dieses Projektes nicht zwischen den drei Arten gezielt differenziert. Die invasiven Staudenknöteriche sind in Schleswig-Holstein sehr weit verbreitet und kommen landesweit vor. In den letzten Jahren ist es zu einer deutlichen Zunahme von Vorkommen im gesamten Bundesland. Auffällig sind dabei insbesondere viele kleine neue Bestände im Zusammenhang mit Baustellen oder illegalen Grünschnittbeseitigungen besonders im Zusammenhang mit Knicks. Grund hierfür ist vermutlich, dass invasive Staudenknöteriche aus allen Pflanzenteilen (Wurzel, Sproß) problemlos wieder austreiben.
Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)
Riesen-Bärenklau ist eine in Schleswig-Holstein landesweit verbreitete Art. Dabei kann die Größe der Bestände von wenigen Einzelpflanzen bis hin zu tausenden von Pflanzen reichen. Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und wurde ursprünglich absichtlich als Zierpflanze und später als Viehfutter eingeführt.
Insbesondere am Morsum Kliff haben sich in den letzten Jahren enorme Bestände entwickelt. Aufgrund der Lage an der Wattkante vor dem Kliff gestaltet sich ein Management der Art hier schwierig.