PFAS sind eine Gruppe von per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, die wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in vielen Alltagsprodukten wie Outdoor-Bekleidung, Pfannen, Lebensmittelverpackungen oder Feuerlöschmitteln eingesetzt werden. Die Industrie setzt PFAS in Dichtungen, Schmierstoffen, Isolatoren und Membranen ein. Die Stoffgruppe der PFAS umfasst laut dem Bundesamt für Risikobewertung inzwischen einige Zehntausend Substanzen.
Messergebnisse im oberflächennahen Grundwasser geben Hinweise auf den Eintrag und die Verbreitung von PFAS-Verbindungen, die einer möglichen späteren Verlagerung in tiefer liegende Grundwasserleiter unterliegen. Insbesondere bei der Überwachung des Grundwassers kommt daher der Grundgedanke des vorsorgenden Grundwasserschutzes zum Tragen, d.h. es werden frühzeitig mögliche Belastungen erkannt, um die Trinkwasserressourcen zu schützen.
Das Trinkwasser wird in Schleswig-Holstein gewöhnlich aus tiefer liegenden Grundwasserleitern gefördert, die zumeist durch mächtige Deckschichten vor Verunreinigungen geschützt sind. Erste Untersuchungen des Trinkwassers auf PFAS wurden in einer Studie des MJG durchgeführt:
Bericht zur PFAS-Studie in Schleswig-Holstein (PDF, 1MB, Datei ist nicht barrierefrei)
Untersuchungen auf PFAS
Das Landesamt für Umwelt des Landes Schleswig-Holstein (LfU SH) untersucht seit 2019 das oberflächennahe Grundwasser auf PFAS-Verbindungen. Das Ziel der Untersuchungen ist einerseits einen möglichst flächendeckenden Eindruck über die Verbreitung von PFAS im oberflächennahen Grundwasser zu erhalten und andererseits Entwicklungen gezielt an Messstellen mit PFAS-Nachweisen zu untersuchen.
Das LfU SH hat im Zeitraum 2019 bis 2023 insgesamt 264 Grundwassermessstellen in ganz Schleswig-Holstein untersucht, davon 84 Grundwassermessstellen mehr als einmal. Dabei wurden gezielt Messstellen ausgesucht, deren Filter nicht tiefer als etwa 60 Meter unter der Erdoberfläche liegen. So konnte der sogenannte oberflächennahe Hauptgrundwasserleiter auf PFAS untersucht werden (Abb. 1). Aus den Untersuchungsergebnissen lassen sich keine direkten Rückschlüsse auf die Trinkwasserqualität ziehen. Denn das für die Trinkwasserversorgung genutzte Rohwasser stammt in der Regel aus tieferen Grundwasserleitern, die besser vor Verunreinigungen geschützt sind.
Im Rahmen des Untersuchungsprogramms wurden 2019 und 2021 zunächst 14 PFAS-Parameter untersucht, ab 2022 wurde der Untersuchungsumfang auf 20 PFAS-Parameter ausgeweitet (Tab. 1).
An 28% der untersuchten Messstellen wurde mindestens eine PFAS-Verbindung im Grundwasser nachgewiesen. In den meisten Fällen lagen die gemessenen Konzentrationen jedoch im sehr niedrigen Bereich – nahe der sogenannten Bestimmungsgrenze. Von insgesamt 377 PFAS-Nachweisen entfallen 267 auf Konzentrationen an der Bestimmungsgrenze von 0,001 bis maximal 0,003 µg/L. Das entspricht rund 70% aller Nachweise. In den verbleibenden 30% wurden – in Einzelfällen – höhere Konzentrationen von maximal 0,028 µg/L für einzelne PFAS-Verbindungen festgestellt.
Bewertung der Ergebnisse
Derzeit gibt es für PFAS-Verbindungen im Grundwasser keine rechtsverbindlichen Schwellenwerte. Um die vorliegenden Messergebnisse dennoch besser einordnen zu können, werden die Bewertungskriterien der Trinkwasserverordnung als Orientierungshilfe herangezogen. Dabei ist zu beachten, dass die untersuchten Wasserproben aus oberflächennahen Grundwasserleitern stammen. Rückschlüsse auf die Qualität unseres Trinkwassers lassen sich aus den Ergebnissen also nicht unmittelbar ziehen.
Für die Bewertung nach Trinkwasserverordnung werden zwei PFAS-Gruppen unterschieden: PFAS-20, eine Gruppe mit 20 Einzelstoffen, und PFAS-4, vier ausgewählte Verbindungen. Für PFAS-20 gilt ab dem Jahr 2026 ein Grenzwert von 0,1 µg/L für Trinkwasser. Für die Untersuchungsjahre 2022 und 2023 lagen die Konzentrationssummen an den untersuchten Grundwassermessstelle unter diesem Wert. Der höchste Summenwert für PFAS-20 lag bei 0,081 µg/L.Für PFAS-4 gilt ab 2028 ein Grenzwert von 0,02 µg/L für Trinkwasser. Die meisten ermittelten Konzentrationssummen unterschreiten den Wert um zwei Größenordnungen (Abb. 2). Nur für drei der insgesamt 264 untersuchten Grundwassermessstellen sind die Konzentrationssummen vereinzelt größer als der Grenzwert. Dies entspricht einem Anteil von rund 1% der Messstellen (Abb. 2).
Grafiken dieses Fachinhalts in höherer Auflösung liegen hier.
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