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Bildungsmaßnahmen für Gefangene

Staatskanzlei

Bildungsmaßnahmen für Gefangene

Bildungsmangel und Lerndefizite behindern häufig die soziale Integration straffällig gewordener Menschen und stellen einen entscheidenden Faktor für eine erneute Straffälligkeit dar. Unter den Inhaftierten sind vorzeitige Schulabgänger, Personen ohne beziehungsweise mit abgebrochener Ausbildung und Hilfs- und Gelegenheitsarbeiter deutlich überrepräsentiert. Im schleswig-holsteinischen Justizvollzug werden daher umfangreiche schulische und berufliche Bildungsmaßnahmen angeboten, die sowohl an Arbeitsmarktbedürfnissen orientiert als auch der Vorbildung und dem Lernverhalten der Gefangenen angepasst sind.

Gesetzliche Grundlagen

Strafhaft:

Nach § 31 Absatz 3 Landesstrafvollzugsgesetz Schleswig-Holstein (LStVollzG SH) haben Arbeitstraining und Arbeitstherapie, schulische und berufliche Aus- und Weiterbildung, vorberufliche Qualifizierung im Vollzug (schulische und berufliche Qualifizierungsmaßnahmen) und Arbeit insbesondere das Ziel, die Fähigkeiten der Gefangenen zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nach der Haftentlassung zu vermitteln, zu verbessern und zu erhalten. Nach § 33 Abs. 1 StVollzG sollen geeigneten Gefangenen schulische und berufliche Qualifzierungsmaßnahmen angeboten werden. Die berufliche Qualifizierungsmßnahmen sind, so § 33 Abs. 2 LStVollzG SH, daran auszurichten, den Gefangenen für den Arbeitsmarkt relevante Qualifikationen zu vermitteln. § 33 Abs. 3 LStVollzG SH sieht zudem vor, hierfür geeigneten Gefangenen die Teilnahme für an einer schulischen oder beruflichen Ausbildung zu ermöglichen, die zu einem anerkannten Abschluss führt.

Jugendstrafhaft:

Für den Jugendvollzug ist in § 37 Absatz 2 Jugendstrafvollzugsgesetz geregelt, dass die Gefangenen vorrangig zur Teilnahme an schulischen und beruflichen Orientierungs-, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen oder speziellen Maßnahmen zur Förderung ihrer schulischen, beruflichen oder persönlichen Entwicklung verpflichtet sind.
Für alle Bildungsmaßnahmen im Straf- und Jugendstrafvollzug gilt, dass sie mit dem voraussichtlichen Entlassungszeitpunkt abzustimmen sind. Einige Ausbildungen können nach der Entlassung auch außerhalb des Vollzugs fortgesetzt werden. Bei entsprechender Eignung ist auch ein Einstieg in laufende Lehrgänge möglich. Interessierte Gefangene können sich an den Bildungsbeauftragten/die Bildungsbeauftragte ihrer Anstalt wenden.

Untersuchungshaft:

Auch geeigneten Untersuchungsgefangenen soll nach Möglichkeit Gelegenheit zum Erwerb oder zur Verbesserung schulischer und beruflicher Kenntnisse gegeben werden, soweit es die besonderen Bedingungen der Untersuchungshaft zulassen (§ 24 Abs. 3 Untersuchungshaftvollzugsgesetz – UVollzG -).

Sicherungsverwahrung:

Für Untergebrachte nach dem Gesetz über den Vollzug der Sicherungsverwahrung (SVVollzG SH) gilt, dass ihnen Arbeit, Arbeitstraining, arbeitstherapeutische Maßnahmen sowie schulische und berufliche Bildung (Beschäftigung) angeboten werden soll, die ihre ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und Neigungen berücksichtigen (§ 21 Abs. 2 SVVollzG SH). Die Beschäftigung soll insbesondere dazu dienen, die Fähigkeiten und Fertigkeiten für eine regelmäßige Erwerbstätigkeit zur Sicherung des Lebensunterhalts nach der Entlassung und eine geordnete Tagesstruktur zu vermitteln, zu fördern und zu erhalten.

Bildungsangebote

Folgende schulische Maßnahmen werden im Justizvollzug in Schleswig-Holstein angeboten: Schulabschlusskurse (Erster Allgemeinbildender Schulabschluss), Elementarkurse zur Alphabetisierung, Deutsch als Zweitsprache (Zertifikatskurse).
Das Spektrum der beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen ist breit gefächert. Es umfasst arbeitstherapeutische Angebote und Maßnahmen der beruflichen Grundbildung (Arbeitstraining mit ergänzender lebensweltorientierter Unterrichtung), vorberufliche berufsorientierende Maßnahmen sowie modulare Teilqualifizierungen in diversen Berufsfeldern (z.B. Holz, Metall, Farbe, Kraftfahrzeugmechatronik, Fahrzeugpflege, Gebäudereinigung, Kochen und Servieren, Textil) und die Möglichkeit der Berufsausbildung in diversen Berufen wie zum Beispiel Feinwerkmechaniker (Fachrichtung Maschinenbau), Metallbauer (Fachrichtung Konstruktionstechnik), Tischler, Elektroniker (Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik), Elektrohelfer, Trockenbauer, Maurer, Koch, Fachkraft Gastro, Bäcker, Bauten- und Objektbeschichter, Maler- und Lackierer. Im Frauenvollzug kann eine Ausbildung zur Maßschneiderin oder Änderungsschneiderin absolviert werden. Des Weiteren werden diverse EDV-Kurse angeboten. Vermittelt werden hier insbesondere Grundlagen in der Textverarbeitung und Tabellenkalkulation.
Die Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung werden zum Teil durch das Vollzugliche Arbeitswesen und zum Teil durch externe Bildungsträger durchgeführt.

In den Berufsfeldern Bau, Holz, Farbe, Metall, Kochen und Bedienen, Garten- und Landschaftsbau, Gebäudereinigung werden berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen durchgeführt.

Arbeitsmarktintegration

Zur Unterstützung der Arbeitsmarktintegration nach der Haftentlassung steht ein Netzwerk von Integrationsbegleiterinnen und –begleitern zur Verfügung. Kernaufgabe des Netzwerkes ist die Vermittlung in Arbeit, Ausbildung und Qualifizierung nach der Haftentlassung sowie die Begleitung in den ersten Monaten nach der Haft.
Die Integrationsbegleiterinnen und –begleiter

  • entwickeln im Vorfeld der Entlassung mit den Betroffenen den individuellen Weg ins Berufsleben
  • verstehen sich als Mittler zwischen Strafgefangenen und Unternehmen vor der Haftentlassung und in den ersten Monaten darüber hinaus
  • begleiten zu Vorstellungsterminen und besprechen die nächsten Schritte für die konkrete Arbeitsaufnahme
  • unterstützen in allen Belangen rund um die Arbeitsaufnahme sowohl die Gefangenen bzw. Haftentlassenen als auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber
  • reagieren schnell und unkompliziert auf Personalbedarfe von Firmen und informieren über Fördermöglichkeiten