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Finanzministerium : Thema: Ministerien & Behörden

Dr. Silke Schneider

Ministerin für Finanzen

Die Finanzbehörden im Nationalsozialismus

Die Rolle der schleswig-holsteinischen Finanzbehörden zur Zeit des Nationalsozialismus – Finanzministerin stellt Forschungsergebnis vor

Letzte Aktualisierung: 03.03.2026

KIEL. Finanzministerin Dr. Silke Schneider hat heute (3. März) das Ergebnis der Studie zur Rolle der schleswig-holsteinischen Finanzbehörden während der Zeit des Nationalsozialismus vorgestellt. Jüdinnen und Juden, Sintize und Sinti sowie Romnja und Roma wurden zur Zeit des Nationalsozialismus mit staatlicher Legitimation systematisch beraubt. Im Mai 2023 hatte der Schleswig-Holsteinische Landtag einstimmig beschlossen, die Vergangenheit der schleswig-holsteinischen Finanzbehörden wissenschaftlich aufzuarbeiten und die Ergebnisse öffentlich zugänglich zu machen.

Zur Umsetzung des Landtagsbeschlusses hat das Finanzministerium die Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg beauftragt, zu der Thematik eine wissenschaftliche Studie zu erstellen. Ein Beirat aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft hat das Forschungsprojekt begleitet. Das Finanzministerium stellte für das Vorhaben 80.000 Euro zur Verfügung.

„Das Forschungsprojekt ist Ausdruck eines gemeinsamen politischen Willens: Wir wollen Verantwortung übernehmen, historisches Unrecht aufarbeiten und staatliches Handeln überprüfen. Gerade in Zeiten, in denen nur noch wenige Zeitzeuginnen und -zeugen vom Leid und Unrecht berichten können, ist es mir ein besonderes Anliegen, die Vergangenheit der Finanzverwaltung transparent aufzuarbeiten“, erklärte Finanzministerin Dr. Silke Schneider.

In ihrer Analyse stützt sich die Studie auf mehrere hundert Personalakten sowie die noch erhaltenen Akten des Finanzministeriums und einzelner Finanzämter. Diese akribische Quellenarbeit hat es erstmals ermöglicht, ein Gesamtbild der finanziellen Ausbeutung dieser Minderheitengruppen in Schleswig-Holstein zu zeichnen. Die Studie setzt aber auch wichtige Impulse für die historische Forschung über Schleswig-Holstein hinaus.

Diese Studie, für deren Umsetzung wir mit Dr. Hanno Balz einen renommierten Historiker gewinnen konnten, ist nicht nur von ihrem Format umfassend, sondern liefert auch wichtige Tiefenbohrungen und damit anschauliche Beispiele aus der Praxis der Verfolgung“, erklärte Prof. Dr. Marc Buggeln, Direktor der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg. „Nach der Auswertung von mehreren hundert Akten konnte so zum ersten Mal ein Gesamtbild der finanziellen Ausbeutung von Jüdinnen und Juden, von Sintize und Sinti sowie Romnja und Roma in Schleswig-Holstein gezeichnet werden.

Dr. Hanno Balz, der verantwortliche Historiker der Studie, fügte hinzu: „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen deutlich, wie auch die Finanzverwaltung am Ende als ein wesentlicher Akteur im Gesamtrahmen des Holocaust angesehen werden muss. Ihre Beamten waren gewissenhaft bestrebt, die diskriminierenden und entmenschlichenden Verordnungen des NS-Regimes in die Praxis umzusetzen. Dabei wurden sie von den nationalsozialistisch-gesinnten Oberfinanzpräsidenten Hillmer und Giese immer wieder angetrieben und in ihrer Rolle als ‚politische Beamten’ bestärkt.“ Dr. Hanno Balz betonte weiter, dass die damals handelnden Beamten nicht nur in bürokratischer, sondern auch in moralischer Hinsicht eine Verantwortung trugen: „In den behördlichen Schriftwechseln und Aktennotizen wird immer wieder auf erschreckende Weise deutlich, dass den um ihren Besitz gebrachten Jüdinnen und Juden mit keinerlei Empathie begegnet wurde. Und mehr noch: An dem zurückgelassenen Besitz der in den Tod Deportierten bereicherten sich einzelne Finanz- und Zollbeamte auch privat.“

Die Studie macht unmissverständlich klar, dass damalige Beamte der Finanzverwaltung von Beginn an aktiv und unstrittig an der Verfolgung und finanziellen Ausbeutung von Jüdinnen und Juden, von Sintize und Sinti sowie Romnja und Roma in Schleswig-Holstein mitschuldig gemacht haben. Selbst nach der Zeit des Nationalsozialismus setzte sich das Unrecht in der wenig zufriedenstellenden Wiedergutmachungspolitik fort. Das zeigt einmal mehr, dass Aufarbeitung und Gerechtigkeit keine Selbstverständlichkeit sind, sondern kontinuierliche Anstrengungen erfordern. Die Ergebnisse mahnen uns, dass Verwaltungshandeln stets Verantwortung trägt“, sagte Finanzministerin Dr. Silke Schneider.

Das Finanzministerium wird die wichtigen Erkenntnisse der Studie künftig aktiv in die fachtheoretische Ausbildung der Steueranwärterinnen und -anwärter im Bildungszentrum Malente sowie an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Altenholz integrieren. Zudem fließen die Ergebnisse in interne Fortbildungsprogramme ein. Für eine weitergehende Vertiefung und Diskussion der Studie wird das Finanzministerium in diesem Jahr außerdem eine öffentliche Veranstaltung in Kooperation mit dem Landesbeauftragten für politische Bildung, Dr. Christian Meyer-Heidemann, und Dr. Balz anbieten.

Die Studie sowie eine Begleitbroschüre sind ab sofort auf der Homepage des Finanzministeriums abrufbar: Die Finanzverwaltung im Nationalsozialismus

Verantwortlich für diesen Pressetext: Kathrin Mansfeld und Sünje Muxfeldt | Finanzministerium | Düsternbrooker Weg 64, 24105 Kiel | Telefon 0431 988-3906 | Telefax 0431 988 616-3906 | E-Mail: pressestelle@fimi.landsh.de | Medien-Information der Landesregierung finden Sie aktuell und archiviert im Internet unter www.schleswig-holstein.de | Das Ministerium finden Sie im Internet unter Finanzministerium Schleswig-Holstein | außerdem bei Instagram: https://www.instagram.com/finanzministerium_sh | Facebook: https://www.facebook.com/finanzministerium.sh | LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/finanzministerium-sh

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