KIEL. Der Aktionsplan Ostseeschutz 2030 (APOS) hat in nur zwei Jahren aus der Idee, unser Heimatmeer besser zu schützen, interdisziplinäre Praxis gemacht. Das zeigte der diesjährige Umsetzungsbericht der Landesregierung. Hierzu nahm auch der eigens eingerichtete Wissenschaftliche Beirat zum Aktionsplan Ostseeschutz das erste Mal öffentlich Stellung.
Meeresschutzminister Tobias Goldschmidt resümiert: "Vor zwei Jahren haben wir das größte Ostseeschutzpaket in der Geschichte Schleswig-Holsteins beschlossen, den Aktionsplan Ostseeschutz 2030. Seitdem steht der Schutz der Ostsee im Mittelpunkt des Handelns der Landesregierung. Auch wenn der Weg zum Aktionsplan herausfordernd war, hat sich jede Veranstaltung, jedes Gespräch und jede Debatte über den besseren Schutz unseres Heimatmeeres gelohnt. Ostseeschutz ist heute Teil des schleswig-holsteinischen Lebensgefühls, so wie es das Leben mit dem Meer schon immer war. Auch bei den nächsten Schritten, von Nährstoffeinträgen bis Befahrensregeln, steht der Austausch mit den Akteuren vor Ort weiter im Fokus. Und beim Partnerprogramm können sich alle einbringen. So geht Ostseeschutz zum Mitmachen. Wie sehr sich die Menschen um die Meeresnatur sorgen, haben wir alle in den letzten Tagen erlebt, als Millionen Menschen um das Schicksal des Buckelwals bangten."
Der Wissenschaftliche Beirat hat anlässlich des Jahresberichtes zum ersten Mal öffentlichen Stellung genommen. Die Vorsitzende Prof. Prof. h. c. Dr. Ursula Siebert sagt: “Die Umsetzung des Aktionsplans ist gut vorangekommen. Insbesondere die Geschwindigkeit bei der Ausweisung der neuen Meeresschutzgebiete ist positiv hervorzuheben. Dadurch entsteht eine Strahlkraft für das Thema Ostseeschutz, die über die Landesgrenzen hinweg wirkt. Dass der Ostseeschutz als Querschnittsaufgabe begriffen wird, ist dabei besonders wertvoll und sollte strukturell verankert werden. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass der Aktionsplan auch zu einer stärkeren Koordination der Monitoring- und Forschungsaktivitäten in der Ostsee führt. Außerdem befürworten wir eine Übersicht zu den Meilensteinen aller Teilprojekte aller beteiligten Ministerien, die zeitlichen Abläufe und Ziele konkretisieren und so deren Fortschritte gut darlegen kann.
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Zu den Inhalten des Umsetzungsberichtes:
Der Aktionsplan setzte von Anfang an auch auf Ostseeschutz zum Mitmachen. Daher hat die Landesregierung im letzten Jahr in allen Ostseeanrainerkreisen Informations- und Austauschveranstaltungen angeboten. Unter dem Titel „ostseeschutz.sh – Informieren. Austauschen. Gestalten.“ informierten Vertreterinnen und Vertreter aller am APOS beteiligten Ressorts über den Umsetzungsfahrplan und Beteiligungsmöglichkeiten.
Die Meeresschutzstation wird dabei unterstützen, Aktive und Freiwillige zu vernetzen, zusammen neue Projekte zu initiieren und bestehende Angebote sichtbarer zu machen. Alle Interessierten können schon heute am Partnerprogramm mitwirken, indem sie Anregungen und Wünsche einbringen. Die Meeresschutzstation ist außerdem zentrale Koordinierungsplattform für das Schutzgebietsmanagement der alten und neuen Naturschutzgebiete in der schleswig-holsteinischen Ostsee. Aktuell noch in den Räumen des Umweltministeriums in Kiel ansässig, wird diese schon bald in Ostseenähe umziehen.
Der Wissenschaftliche Beirat hat sich am 12. Juni des letzten Jahres konstituiert und seitdem schon dreimal getagt. In dem Gremium kommen 14 Forschende zusammen, die die Bereiche Meeresökologie, Munition im Meer, Geologie, Klima, Tourismus, Wirtschaft, Fischerei, Landwirtschaft und Gesellschaftswissenschaften abdecken. Landesnaturschutzbeauftragte sowie der Maritime Koordinator der Landesregierung Schleswig-Holstein komplementieren die Runde. Mithilfe des Beirates soll sichergestellt werden, dass die im Aktionsplan vorgesehenen Schutzmaßnahmen auf soliden und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.
Im Rahmen der Zielvereinbarung mit der Landwirtschaft haben die regionalen Ostseebeiräte, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern landwirtschaftlicher Betriebe, deren Interessenvereinigungen und der Wasser- und Bodenverbände, Umsetzungspläne zur freiwilligen Reduktion von Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft vereinbart und veröffentlicht. Die Praxis kann hieran direkt anknüpfen.
Auch die Bergung von Altlasten und Müll bleibt wichtig. Ein Pilotprojekt zum Aufspüren und Bergen von Geisternetzen wurde erfolgreich durchgeführt und befindet sich in der Abschlussphase. Im Haushalt für 2026 wurden zusätzlich 1,19 Millionen Euro für die Beseitigung von Munition im Meer vorgesehen.
Mit den drei neuen Meeresschutzgebieten wurde letzte Woche ein großer Meilenstein erreicht: Auf Ostseeflächen der Geltinger Bucht bis Schleimünde, der südlichen Hohwachter Bucht sowie westlich Fehmarn genießt die Natur in Zukunft Vorrang. Dank früher und differenzierter Öffentlichkeitsbeteiligung, konnten die Schutzgebiete zügig umgesetzt werden. Ferner gelang es, die nach der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU erforderlichen länderübergreifenden Abstimmungen herbeizuführen, welche den Fischereiausschluss in den Naturschutzgebieten auch außerhalb der 3-Seemeilen-Zone ermöglichen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen, die sich aus den Fangverboten für einzelne Betriebe ergeben, sollen dabei bestmöglich ausgeglichen werden. Freiwillige Vereinbarungen dienen als Angebot, alternatives Einkommen zu generieren und aktiv zum Schutz der Meeresumwelt beizutragen.
Weiter vorangetrieben wurde auch der Beteiligungsprozess zur Einrichtung von Wassersportzonen und Schifffahrtskorridoren im Vorgriff auf eine vom Bund zu erlassende Befahrensverordnung für die neuen marinen Naturschutzgebiete. Hierzu wurde ein übergeordneter Arbeitskreis aus Vertretern von Nutzungs- und Schutzinteressen gebildet. Zur Einbindung lokaler Interessen finden darüber hinaus noch diesen März Regionalworkshops in den betroffenen Regionen statt.
Weitere Informationen:
Die Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirates finden Sie ab sofort hier als erste Meldung: schleswig-holstein.de - Meldungen
Ostseeschutz in Schleswig-Holstein: http://www.ostseeschutz.sh/
Neue Meeresschutzgebiete: schleswig-holstein.de - Medieninformationen - So viel Ostseeschutz wie noch nie – Die neuen Meeresschutzgebiete treten in Kraft