KIEL/SCHLÜTTSIEL. Ob Meeresspiegelanstieg, Sturmfluten, Starkregen, Trockenheit oder Moorsackungen. Die Klimakrise stellt die Niederungsgebiete Schleswig-Holsteins vor zunehmende Herausforderungen. Mit der im Juni veröffentlichten Förderrichtlinie zur Umsetzung der Niederungsstrategie unterstützt das Land vielversprechende Projekte vor Ort. Gefördert werden Akteurinnen und Akteure, die sich auf den Weg machen, Teile ihrer Niederungsgebiete an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Heute übergab Umweltminister Tobias Goldschmidt den ersten Förderbescheid. In Anwesenheit von Oberdeichgraf Uwe Hansen und Nicolaus Thomsen, Vorsteher des Gewässer- und Landschaftsverbandes Bongsieler Kanal, erhielt der Geschäftsführer des Deich- und Hauptsielverband Südwesthörn-Bongsiel, Thies Horn, eine Zuwendung von insgesamt 900.000 Euro. Die geförderten Projekte verfolgen das Ziel, den Wasserrückhalt im Einzugsgebiet des Bongsieler Kanals zu verbessern.
"Die Klimakrise spitzt sich dramatisch zu. Die Niederungen sind Gebiete, wo die Konsequenzen schon heute voll durchschlagen. Wenn wir es schaffen, Wasser länger in der Landschaft zu halten, ist das gut für den Hochwasserschutz, für die Natur und für die Menschen vor Ort. Veränderungen im Wassermanagement sollten möglichst vor Ort entwickelt werden. Das Pilotprojekt am Bongsieler Kanal hat Vorbildcharakter und ich bin für das beherzte Vorrangehen der Akteure vor Ort sehr dankbar“
, freute sich der Umweltminister.
Das Einzugsgebiet des Bongsieler Kanals erstreckt sich von den westlichen Randbereichen der Stadt Flensburg über die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland mit einem Einzugsgebiet von ca. 72.000 ha in westlicher Richtung bis zum Seedeichsiel Schlüttsiel im Hauke-Haien-Koog. Dort entwässert der Kanal in die Nordsee. Durch den Klimawandel und den Meeresspiegelanstieg verkürzen sich die Zeiten, in denen das aus dem Einzugsgebiet zufließende Wasser über das bestehende Siel abfließen kann. Die jetzt zur Verfügung stehenden Polderflächen können nur begrenzt das nicht abfließende Wasser zwischenspeichern. Daher sucht der Verband nicht nur im Unterlauf, sondern im gesamten Einzugsgebiet nach Möglichkeiten, die Wasserrückhaltung zu verbessern und damit den Wasserzufluss zum Siel zu verlangsamen.
Potenzielle Maßnahmen bestehen durch die Schaffung sogenannter Retentionsflächen und das Ermöglichen einer natürlichen Gewässerentwicklung im Bereich der Oberen Soholmer Au und am Bongsieler Kanal. Unter Retentionsflächen versteht man Bereiche, in denen Wasser, zum Beispiel im Falle von Hochwasser, länger zurückgehalten werden kann und nur langsam wieder ins Gewässer abgegeben wird oder ins Grundwasser versickert. Im Projekt im Einzugsgebiet des Bongsieler Kanals soll beispielsweise geprüft werden, ob solche Retentionsflächen durch die Rückverlegung von Deichen und die Stilllegung kleinerer Schöpfwerke geschaffen werden können. Von diesen Maßnahmen profitieren auch Gewässer- und Naturschutz, weil alte Talräume und deren gewässertypische Lebensräume sowie ein naturnaher Landschaftswasserhaushalt wiederhergestellt werden.
Geplant ist zunächst für das 72.000 Hektar große Einzugsgebiet ein umfangreiches Datenerfassungs- und -managementkonzept aufzustellen. Auf dieser Grundlage sollen im nächsten Schritt die hydraulischen und morphologischen Berechnungen für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen durchgeführt werden.
Hintergrund
Mit der Förderrichtlinie zur Umsetzung der Niederungsstrategie des Landes Schleswig-Holstein können Maßnahmen gefördert werden, die zum Beispiel die wasserwirtschaftlichen Anlagen wie Schöpfwerke und Siele oder die Nutzungen in deren Einzugsgebieten an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen oder, wie durch die Vernässung von Moorböden, dem Klimaschutz durch Verringerung der Treibhausgasemissionen dienen.
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