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Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) : Thema: Ministerien & Behörden

Herausforderung Klimawandel: Halligen von steigendem Meeresspiegel bedroht

Letzte Aktualisierung: 15.04.2026

Mitten im Wattenmeer, dort wo Wind und Wellen den Takt vorgeben, liegen die nordfriesischen Halligen – kleine, fragile Landschaften ohne schützende Deiche. Stattdessen trotzen sie der Nordsee mit Steinkanten, sogenannten Deckwerken, und dem, was die Natur ihnen gibt.

Leben mit dem Wasser – und vom Wasser

Die Halligen sind ein besonderer Lebensraum. Anders als Inseln oder das Festland werden sie beim sogenannten „Land unter“ regelmäßig überflutet. Für die Bewohnerinnen und Bewohner ist das kein Ausnahmezustand, sondern Teil des Alltags. Ihre Häuser stehen auf Warften – künstlich aufgeschütteten Hügeln, die Sicherheit bieten, wenn das Wasser kommt.

Diese Überflutungen sind jedoch nicht nur Herausforderung, sondern auch Chance: Das Meer bringt Salz für die Salzwiesen und verhindert so deren Aussüßung. Noch wichtiger aber: Es bringt Sedimente wie Sand und Schlick, die sich ablagern und die Halligen langsam wachsen lassen.

Das Problem? Dieses Wachstum reicht nicht mehr aus. Der Meeresspiegel steigt – Prognosen gehen von rund 80 Zentimetern bis zum Ende des Jahrhunderts aus. Ohne zusätzliche Maßnahmen könnten die Halligen langfristig an Boden verlieren.

LKN.SH-Hydrologin und Projektingenieurin Luisa Rieth erklärt im Video, welches Pilotprojekt sie gerade auf Hallig Langeneß durchgeführt hat.

Das Experiment: Tore auf für die Flut

Genau hier setzt das Projekt „ECOHAL“ an. Ziel ist es, natürliche Prozesse gezielt zu unterstützen, statt gegen sie anzukämpfen.

Beim Pilotversuch auf Langeneß wurde deshalb ein ungewöhnlicher Weg gewählt: Die Sieltore – normalerweise dafür da, die Nordsee draußen zu halten und das Binnenland zu entwässern – blieben über eine komplette Tide hinweg künstlich geöffnet. Von Ebbe zu Ebbe konnte das Wasser ungehindert auf die Hallig strömen.

Die Idee dahinter: Mehr Wasser bedeutet potenziell auch mehr Sedimente – und damit mehr Wachstum für die Halligflächen, insbesondere für tiefer liegende Bereiche.

Wie können die Halligen dem steigenden Meeresspiegel standhalten?
Ein Sielbauwerk auf Hallig Langeneß war Schauplatz des Pilotversuches für zusätzliche, gezielte Überflutungen.

Hightech trifft Natur

Doch wie misst man den Erfolg eines solchen Experiments?

Ein spezialisiertes Messboot liefert die entscheidenden Daten. Es erfasst Strömungsgeschwindigkeiten, Abflussmengen und die sogenannte Schwebstofffracht – also die Menge an Sedimenten im Wasser. Die zentrale Frage: Bleibt mehr Material auf der Hallig zurück, als wieder abfließt?

Gleichzeitig wird das Bauwerk selbst genau im Blick behalten. Fachleute aus Wasserbau und Mitglieder des Sielverbandes Langeneß überwachen die Belastung der Anlage und dokumentieren den Versuch aus verschiedenen Perspektiven. Auch aus der Luft: Eine Drohne hält fest, wie sich das Wasser über die Flächen ausbreitet.

Wie können die Halligen dem steigenden Meeresspiegel standhalten?
Die Sieltore wurden testweise für eine komplette Tide künstlich geöffnet, damit zusätzliche Sedimente auf die Hallig gespült werden konnten.

Und jetzt?

Die Auswertung läuft. Messdaten, Pegelstände und Bildmaterial werden derzeit zusammengeführt, um ein möglichst genaues Bild der Prozesse zu erhalten.

Bis zum Sommer pausieren weitere Versuche aus Rücksicht auf Brutzeiten der Vögel. Und auch die landwirtschaftliche Nutzung auf Langeneß hat hat jetzt erst mal wieder Vorrang. Doch im Hintergrund wird bereits geplant: Gemeinsam mit dem Sielverband und den Menschen vor Ort wird diskutiert, wie es im kommenden Winter weitergehen könnte.

Wie können die Halligen dem steigenden Meeresspiegel standhalten?
Ein hydrologisches Messboot sammelte genaue Daten über die Sedimentfracht im hereinströmenden Wasser der Nordsee.

Ein Blick in die Zukunft

Das Experiment auf Langeneß ist mehr als ein technischer Test. Es steht für ein Umdenken im Küstenschutz: weg vom reinen Abwehren des Wassers – hin zu einem intelligenten Zusammenspiel mit natürlichen Prozessen.

Vielleicht liegt die Zukunft der Halligen genau darin: dem Meer nicht nur zu widerstehen, sondern es gezielt als Partner zu nutzen.

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