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Landesarchiv
Schleswig-Holstein
: Thema: Ministerien & Behörden

Rückgabe von NS-Raubgut

Landesarchiv übergibt Teppichfragment an das Bayeux-Museum

Letzte Aktualisierung: 22.01.2026

Im März 2025 ging eine Meldung um die Welt: Im Landesarchiv Schleswig-Holstein war eine Glasplatte mit Fragmenten des legendären Teppichs von Bayeux aus dem 11. Jahrhundert in einem Nachlass entdeckt worden.

Drei Personen präsentieren das Teppichfragment auf einer kleinen Staffelei.
Rückgabe des Fragments im Rathaus von Bayeux


Der Teppich von Bayeux ist ein ca. 68 m x 70 cm x 50cm großer Wandteppich aus Leinen, der in 58 Einzelszenen die englisch-normannische Geschichte von 1046 bis zur Eroberung Englands (1066 Schlacht von Hasting) durch den normannischen Herzog Wilhelm den Eroberer (1027/28 – 1087) darstellt. Der Teppich ist seit 2007 UNESCOWeltdokumentenerbe. Im Zweiten Weltkrieg kam das aufgefundene Teppichstück nach Schleswig-Holstein. Als Teil einer deutschen Wissenschaftlergruppe wurde der Textilarchäologe Karl Schlabow aus Neumünster von der SS-Einrichtung „Deutsches Ahnenerbe“ ab 1941 mit der Untersuchung des Teppichs von Bayeux beauftragt. Im Rahmen dieser Tätigkeit wurde das Stück von der Unterseite des Teppichs entnommen. Nach der Entdeckung wurde es im letzten Jahr im Landesmuseum auf Schloss Gottorf in der Ausstellung „Wikingerdämmerung – Zeitenwende im Norden“ gezeigt.

85 Jahre nach dem Raub durch Nationalsozialisten kehrten die Fragmente nun wieder zurück nach Bayeux: Im repräsentativen Rathaus der Stadt überreichte der Leiter des Landesarchivs Schleswig-Holsteins Prof. Dr. Dr. Rainer Hering persönlich die Glasplatte. Der Festakt fand in Anwesenheit von Vertretern des französischen Staates und der Stadt Bayeux statt, darunter der Präfekt des Départements Calvados M. Stéphane Bredin, der Bürgermeister von Bayeux Patrick Gomont und der Leiter des Museumsverbundes der Stadt Bayeux Antoine Verney, was den hohen Stellenwert des Teppichs von Bayeux im nationalen kulturellen Bewusstsein unterstreicht.

„Für mich ist die Rückgabe unrechtmäßig in Archive, Bibliotheken oder Museen gelangter Objekte ein Stück historischer Gerechtigkeit“, betonte Archivleiter Rainer Hering. Er skizzierte bei der Übergabe die Geschichte dieser Fragmente und die Bedeutung des Teppichs für die Nationalsozialisten.

Der Präfekt des Departements Calvados Stéphane Bredin dankte herzlich für die Initiativedes Landesarchivs und versicherte, dass die Fragmente als solche erhalten bleiben und erforscht werden wird, an welcher Stelle sie entnommen worden sind. Auch wenn diese noch nicht genau identifiziert worden ist, gibt es doch Anhaltspunkte für den Ursprungsort und eine begründete Hypothese zum ursprünglichen Entnahmeort am Teppich.

Der Bürgermeister von Bayeux Patrick Gomont erklärte, dass der Teppich nicht aufhört, Überraschungen zu bieten. Er hofft, dass eines Tages auch noch die fehlende legendäre Schlussszene des Teppichs aufgefunden wird. Museumsdirektor Antonie Verney bekräftigte, dass das Fragment nicht mehr in das Original eingearbeitet, sondern zu Forschungszwecken genutzt werden soll. Die Rückgabe aus Schleswig-Holstein ist erst die zweite Rückerstattung in der Geschichte des Teppichs. 1872 hatte der Vorgänger des heutigen Victoria und Albert Museums in London ein Fragment, das von einem britischen Künstler entwendet worden war, restituiert.

Die Rückgabe des Landesarchivs erfolgte zu einem wichtigen Zeitpunkt kurz vor der Ausleihe des Teppichs an das Britische Museum in London, wo er während Sanierungsarbeiten am Museum in Bayeux bis Juli 2027 gezeigt werden soll. Scherzhaft versicherte Bürgermeister Gomont, dass das aus Schleswig rückerstattete Fragment in Bayeux verbleibt, so dass ein Erinnerungsstück vorhanden ist, falls der Teppich nach der vorgesehenen Ausleihe nicht zurückkehren sollte.

Die anschließende Pressekonferenz fand mit zahlreichen Medienvertretern des französischen Fernsehens, Radios und von On-Line Medien statt. Dabei dankte der Leiter des Landesarchivs Schleswig-Holstein den französischen Kolleginnen und Kollegen für die ausgezeichnete Zusammenarbeit! Die Rückgabe ist ein Zeichen für die gute deutschfranzösische Zusammenarbeit!

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