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Thema : Landwirtschaft in Schleswig-Holstein

Landesdüngeverordnung 2022

Die geänderte Düngeverordnung des Landes Schleswig-Holstein trat am 18. November 2022 in Kraft. Das Land setzt in der Verordnung die Vorgaben der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten des Bundes (AVV GeA) um.

Letzte Aktualisierung: 02.09.2026

In den mit Nitrat belasteten Gebieten (sog. Roten Gebieten) liegt eine besondere Belastung des Grundwassers mit Nitrat vor. Zur Reduzierung der Stickstoffeinträge und zur langfristigen Herstellung eines guten chemischen Zustandes des Grundwassers gelten in diesen Gebieten besondere düngerechtliche Einschränkungen für die Landwirtschaft.

Hier geht es zur Landesdüngeverordnung

Ein Traktor fährt über ein grünes Feld.
Die Landesdüngeverordnung setzt zusätzliche düngerechtliche Auflagen für einen besseren Grundwassersschutz in Schleswig-Holstein um.

Nitratbelastete Gebiete und Messstellennetz

Die letzte Ausweisung nitratbelasteter Gebiete in Schleswig-Holstein erfolgte im Jahr 2022 gemäß den Vorgaben der AVV GeA. AVV Gebietsausweisung (PDF, 610KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Insgesamt wurden 9,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes als mit Nitrat belastet ausgewiesen. Die Gründe für die Vergrößerung liegen in den methodischen Änderungen, auf welche sich die EU-Kommission und Deutschland zur Einstellung des Vertragsverletzungsverfahrens verständigt haben. Dazu gehört die Berücksichtigung der Nitratbelastung des Grundwassers vor dem Nitratabbau (Denitrifikation), die stärkere Berücksichtigung von Wasserschutzgebieten und der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (nicht nur Flächen des Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem (InVeKoS)) innerhalb der nach hydraulisch hydrogeologischen Kriterien abgegrenzten roten Gebiete. Die gesamte Messstellenazahl liegt derzeit bei rund 600 Messstellen.
(Karte des Ausweisungsmessnetzes, Stand Dezember 2025.)

Aktuelles zur Landesdüngeverordnung

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur Bayerischen Landesdüngeverordnung hat grundsätzliche Auswirkungen auf alle Landesdüngeverordnungen - und betrifft damit unmittelbar auch Schleswig-Holstein. Aufgrund der festgestellten fehlenden Ermächtigungsgrundlage, gilt im gesamten Landesgebiet der generelle Rahmen der bundesrechtlichen Düngeverordnung. Verstöße gegen die verschärften Vorgaben der Landesdüngeverordnung und der bundesrechtlichen Düngeverordnung, die sich ausschließlich auf die roten Gebiete beziehen, werden nicht vollzogen. 

Bis eine neue, rechtsichere gesetzliche Grundlage für die Ausweisung der roten Gebiete durch den Bund hergestellt ist, entfällt in ENDO-SH jegliche Kennzeichnung für Schläge, die sich ursprünglich innerhalb der Nitratkulisse befanden. Die Kulisse wird ab dem Erfassungsbogen 2026 in den Feldblockdaten von ENDO-SH nicht mehr abgebildet.Für den kommenden Bewirtschaftungszeitraum und insbesondere die Herbstdüngung gilt dementsprechend, dass sich die Düngebedarfsermittlung und die Düngedokumentation ausschließlich an den allgemeinen Vorgaben der bundesrechtlichen Düngeverordnung orientiert.

Emissionsarme Wirtschaftsdüngerausbringung auf dem Grünland
Emissionsarme Wirtschaftsdüngerausbringung auf dem Grünland.

Neue Gebietskulisse

Die neue Kulisse der nitratbelasteten Gebiete ist unter folgendem Link veröffentlicht: Feldblockfinder Schleswig-Holstein

ShapeFile (zip, 1MB, Datei ist nicht barrierefrei)

Im Gesetz- und Verodnungsblatt für Schleswig-Holstein finden Sie die Landesdüngeverordnung GVOBl Schl.-H. Ausgabe Nr. 15 vom 17. November 2022, Seiten 907 - 938

sowie hier die AVV Gebietsausweisung (PDF, 610KB, Datei ist nicht barrierefrei).

Häufige Fragen und Antworten zur Landesdüngeverordnung

FAQ Landesdüngeverordnung

Wozu dient die AVV GeA?

Mit der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten (AVV GeA ( AVV Gebietsausweisung (PDF, 610KB, Datei ist nicht barrierefrei))) kommt die Bundesregierung den Vorgaben des § 13a Absatz 1 Satz 2 der Düngeverordnung und den Forderungen der EU-Kommission nach, die Vorgehensweise bei der Ausweisung der Gebiete zu vereinheitlichen. Es werden bundeseinheitliche Vorgaben aufgestellt, die eine rechtssichere Ausweisung von mit Nitrat belasteten und durch Phosphor eutrophierten Gebieten in allen Ländern ermöglichen sollen.

Was ist ein mit Nitrat belastetes "Rotes Gebiet"?

Ein mit Nitrat belastetes Gebiet sind Flächen, die wegen der Überschreitung der Nitratgehalte oder der Nitratgehalte vor einem stattfindenden Nitratabbau (Denitrifikation) im Grundwasser nach dem Ausweisungsverfahren der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift ermittelt und ausgewiesen werden. Die Abgrenzung von mit Nitrat belasteten Gebieten von unbelasteten Gebieten erfolgt auf der Basis von an Grundwassermessstellen gemessenen Werten zu Nitratgehalten und Nitratgehalten vor Denitrifikation. Als belastet gilt eine Grundwassermessstelle gemäß AVV GeA, wenn der Nitratgehalt bzw. der Nitratgehalt vor Denitrifikation mehr als 50 Milligramm je Liter beträgt oder mehr als 37,5 Milligramm je Liter und einen steigenden Trend aufweist. Maßgebend ist hierbei der Betrachtungszeitraum der Jahre 2018 bis 2021. Die Methode, wie diese Bereiche abzugrenzen sind, ist in der AVV GeA festgelegt.

Welche Möglichkeiten sieht die AVV GeA für die immissionsbasierte Abgrenzung vor?

Nach der AVV GeA 2022 ist die immissionsbasierte Abgrenzung in allen Grundwasserkörpern eines Landes einheitlich durch die Anwendung eines geostatistischen Regionalisierungsverfahrens vorzunehmen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass eine ausreichende Messstellendichte entsprechend der hydrogeologischen Gegebenheiten vorhanden ist. Gemäß AVV GeA ist sicherzustellen, dass bei stark variierenden hydrogeologischen Einheiten mindestens eine Messstelle je 20 Quadratkilometer und bei großflächig verbreiteten hydrogeologischen Einheiten mindestens eine Messstelle je 50 Quadratkilometer im jeweiligen Grundwasserkörper vorhanden ist.

Diese Messstellendichte wird in Schleswig-Holstein aktuell noch nicht in allen Grundwasserköpern erreicht. Für einen solchen Fall ist in der AVV GeA eine Übergangsregelung vorgesehen. Danach kann bis Ende 2028 in allen Grundwasserkörpern entweder eine Interpolation mit einem deterministischen Regionalisierungsverfahren (z.B. IDW) oder eine Abgrenzung nach hydrogeologischen, hydraulischen oder hydrogeologischen und hydraulischen Kriterien durchgeführt werden.

Was versteht man unter Denitrifikation?

Unter Denitrifikation wird der sauerstofffreie (anaerobe) Abbau von Nitrat (NO3−) über mehrere Zwischenstufen bis zum molekularen Stickstoff (N2) bezeichnet. Dieser Vorgang ist bakteriell gesteuert und stellt für die Bakterien eine Möglichkeit der Energiegewinnung dar. Da diese Form der Energiegewinnung weniger effizient ist, als die über den Sauerstoff, findet die Denitrifikation nur dann statt, wenn den Mikroorganismen für ihre Atmung kein Sauerstoff zur Verfügung steht. Da im Zuge der Denitrifikation das Nitrat und die dabei entstehenden Stickstoffverbindungen reduziert werden (Elektronen aufnehmen), müssen andere Stoffe oxidiert werden (Elektronen abgeben). Je nachdem, welche Stoffe zur Verfügung stehen, unterscheidet man zwischen einer sogenannten heterotrophen und einer autotrophen Denitrifikation. Bei der heterotrophen Denitrifikation benötigen die Bakterien organische Verbindungen (Kohlenstoffverbindungen) zum Abbau des Nitrats, bei der autotrophen Denitrifikation anorganische Verbindungen (vor allem Sulfid). Die Denitrifikation ist die einzig bedeutsame Nitratsenke im Grundwasser.

Wie kann die Denitrifikation im Grundwasser ermittelt werden?

Unsere Atmosphäre setzt sich zu rund 78 Prozent aus Stickstoff, 21 Prozent aus Sauerstoff und zu 0,9 Prozent aus Argon (sowie weiteren Edelgasen) zusammen. All diese Stoffe lösen sich auch im Niederschlagswasser und gelangen mit dem Sickerwasser bis in das Grundwasser. Die Gase Stickstoff und Argon lösen sich dabei in einem ganz bestimmten Verhältnis zueinander. Da das Endergebnis der Denitrifikation der elementare Stickstoff ist, erhöht sich im Zuge der Denitrifikation im Grundwasser die Konzentration an Stickstoff und das Verhältnis Argon zu Stickstoff ändert sich. Da elementarer Stickstoff im Grundwasser nur aufgrund der Infiltration des Sickerwassers und als Folge der Denitrifikation vorkommen kann, kann anhand der Bestimmung der Gase Argon und Stickstoff ermittelt werden, wie viel des elementaren Stickstoffs aus dem Abbau von Nitrat stammt bzw. wie viel Nitrat vor der Denitrifikation im Grundwasser gewesen ist.

Wo sind die Messstellenergebnisse einsehbar?

Die Daten der zugrundeliegenden Grundwassermessstellen sind im Umweltportal abrufbar ( UP-SH verfügbare Kartendienste). Derzeit wird das
Ausweisungsmessnetz erweitert. Die Karte des Ausweisungsmessnetzes (Stand 12/2025) zeigt neben dem Ausweisungsmessnetz 2022 die seit 2022 aufgenommenen Messstellen. Das Messnetz besteht aktuell aus rund 600 Messstellen. Nach Fertigstellung des Ausweisungsmessnetzes werden alle Messstellen mit Analysenergebnissen im Umweltportal abrufbar sein.

Worauf wird bei der Aufstellung der Grundwasser-Messstellen geachtet?

Maßgeblich für die Standortauswahl einer Messstelle, die Verwendung im Ausweisungsmessnetz finden soll, ist, dass ein landwirtschaftlicher Einfluss gegeben ist. Für diese Bewertung werden hauptsächlich die umgebenen Nutzungen anhand von Luftbildern, kartografischen Angaben und Nutzungskartierungen ermittelt und die generelle Grundwasserströmungsrichtung bestimmt.

Wie oft müssen die Bundesländer die Gebietsausweisungen überprüfen?

Entsprechend der Vorgabe der Bundesdüngeverordnung müssen die Bundesländer die Landesdüngeverordnungen spätestens vier Jahre nach ihrem erstmaligen Erlass und danach in Abständen von höchstens vier Jahren zum 31. Dezember zu überprüfen und sofern erforderlich anzupassen.

Können sich Betriebe mit entsprechenden Nachweisen zur Düngung/Nmin-Werten/ Bilanzen von den zusätzlichen Regelungen des § 13 a DüVbefreien lassen?

Nein, derzeit bestehen keine rechtlichen Möglichkeiten landwirtschaftliche Betriebe von einzelnen Maßnahmen zu befreien. Das Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV) setzt sich auf Bundesebene weiter dafür ein, dass zukünftig Maßnahmendifferenzierungen für besonders gewässerschonende Betriebe eingeführt werden.

Lediglich Betriebe, die unter die Bagatellgrenze fallen. Das sind Betriebe, die im Durchschnitt der Flächen, die in ausgewiesenen Gebieten liegen, nicht mehr als 160 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr und davon nicht mehr als 80 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr aus mineralischen Düngemitteln aufbringen, sind von den Maßnahmen Reduktion des ermittelten Düngebedarfs um 20 Prozent und flächenspezifische 170 kg N Obergrenze (§ 13 a Abs. 2 Nr. 1 und 2 Düngeverordnung) befreit.

Wo können LandwirtInnen nachsehen und erfahren, ob ihre Flächen in der N-Kulisse liegen?

Im Feldblockfinder: hier

Was ist mit den Betrieben, die auch noch von anderen Gebietskulissen betroffen sind (z. B. WSG, NSG, usw.)?

Betriebe, die auch von anderen Gebietskulissen wie beispielsweise Wasserschutzgebieten betroffen sind, müssen die Regelungen dieser Schutzgebiete ebenfalls einhalten. Im Hinblick auf Wasserschutzgebiete wird eine Harmonisierung der in den Wasserschutzgebietsverordnungen geregelten Düngeanforderungen mit der aktuellen DüV--Bundesdüngeverordnungs 2020 angestrebt.

Sind Betriebe, die an der Gewässer- oder Grundwasserschutzberatung teilnehmen, von den zusätzlichen Regelungen des § 13a DüV--Bundesdüngeverordnung ausgenommen?

Nein, die Teilnahme an einer freiwilligen Gewässerschutzberatung hat keinen Einfluss auf die einzuhaltenden Maßnahmen.

Sind Betriebe, die an der Gewässer- oder Grundwasserschutzberatung teilnehmen, von den zusätzlichen Regelungen des § 13a DüV--Bundesdüngeverordnung ausgenommen?

Nein, die Teilnahme an einer freiwilligen Gewässerschutzberatung hat keinen Einfluss auf die einzuhaltenden Maßnahmen.

Welche Maßnahmen gelten innerhalb roter Gebiete?

Wie schon seit der Novellierung der Düngeverordnung im Jahr 2020 gelten zusätzlich zu den dort genannten Maßnahmen mindestens zwei weitere länderspezifische Maßnahmen. Nach Düngeverordnung gehören hierzu unter anderem die Reduktion des ermittelten Stickstoffbedarfswertes um minus 20 Prozent, die flächenspezifische Obergrenze von 170 Kilogramm Gesamt-Stickstoff aus organisch und organisch-mineralischen Düngemitteln sowie das Anbaugebot für Zwischenfrüchte. In Schleswig-Holstein gelten zusätzlich drei weitere länderspezifische Maßnahmen: Die Teilnahme an einer Pflichtberatung innerhalb eines Dreijahreszeitraums bei Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, die Analyse von organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln vor der Aufbringung auf Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat auf der Grundlage wissenschaftlich anerkannter Messmethoden und die unverzügliche Einarbeitung von organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln innerhalb von einer Stunde nach ihrer Aufbringung auf unbestelltem Ackerland. (Diese Vorgabe gilt seit 2025 bundesweit)

Müssen ökologisch oder extensiv wirtschaftende Betriebe die zusätzlichen Regelungen des § 13a Düngeverordnung ebenfalls einhalten?

Ja, grundsätzlich sind die verschärften düngerechtlichen Maßnahmen auch von ökologisch oder extensiv wirtschaftenden Betrieben einzuhalten. Betriebe können jedoch von einzelnen Maßnahmen ausgenommen sein, wenn Befreiungstatbestände nach § 10 Abs. 3 Düngeverordnung oder 13a Abs. 2 Nr. 1 u. 2 jeweils der zweite Halbsatz Düngeverordnung vorliegen.

Welche Folgen hat das Urteil des BVerwG zur „bayrischen Landesdüngeverordnung“ in Schleswig-Holstein?

Die Entscheidung des BVerwG zur Bayerischen Landesdüngeverordnung besagt, dass die bundeseinheitliche Ermächtigungsgrundlage für sämtliche Landesdüngeverordnungen und damit auch für die schleswig-holsteinische Landesdüngeverordnung nicht ausreichend ist.

Der Bund ist daher aufgefordert, zeitnah für eine rechtssichere gesetzliche Grundlage zu sorgen. Aufgrund der festgestellten fehlenden Ermächtigungsgrundlage gelten derzeit im gesamten Landesgebiet die Vorgaben der bundesrechtlichen Düngeverordnung. Verstöße gegen die verschärften Vorgaben der Landesdüngeverordnung in den roten Gebieten werden aktuell nicht vollzogen. Festgestellte Verstöße führen weder zu Kürzungen der Direktzahlungen noch zu Ordnungswidrigkeitenverfahren.

Zum Schutz von Grundwasser und Gewässern wird weiterhin empfohlen, die bisherigen Vorgaben der Landesdüngeverordnung in der Düngeplanung zu berücksichtigen.

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