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Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

Portraitfoto Dr. Robert Habeck
Dr. Robert Habeck

Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung

© M. Staudt / grafikfoto.de

Mit eigener Energie fit für die Zukunft

Datum 18.08.2017

Das Dörfchen Sprakebüll ist anders. In dem 240-Einwohnerdorf in Nordfriesland haben kreative Bürger ihr Dorf fit gemacht für die Zukunft.

Überalterung ist hier kein Thema, junge Leute ziehen wieder ins Dorf, Pendler finden in dem Ort, der seit fast 20 Jahren auf alternative Energien setzt, Arbeit. Sprakebüll hat mit 20 Elektroautos die wohl höchste E-Mobil-Dichte in Deutschland. Der Wohlstand aus zwei Bürgerwindparks, Solarenergie und Biogas erlaubt den Bürgern Investitionen, von denen andere nur träumen.

Offen für Neues

Für Bürgermeister Karl Richard Nissen ist die Entwicklung des Dorfes nichts Besonderes. "Andere können das auch", sagt er. Die Idee zum ersten Bürgerwindpark mit damals nur 21 Kommanditisten hatten sie sich an der Westküste geholt. Mit Landwirt, Bauunternehmer und Ferienhausvermieter Hans-Christian Andresen, der sich heute auch mit Photovoltaikanlagen sowie Biogasanlagen mit Fernwärme befasst, hatten die Sprakebüller ihren Ideengeber, der offen war für Neues. Ein zweiter Bürgerwindpark folgte, dann schon mit 130 Kommanditisten. Das Engagement rechnete sich für alle.

Griff zur Selbsthilfe

Ein Auto mit der Aufschrift 'E-Dörpsmobil Sprakebüll - Was uns bewegt, treibt uns an.' Das elektrische 'Dörpsmobil' von Sprakebüll steht allen Gemeindemitgliedern zur Verfügung. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster)Das elektrische 'Dörpsmobil' von Sprakebüll steht allen Gemeindemitgliedern zur Verfügung. © Staatskanzlei

Weil es die Sprakebüller ärgerte, dass sie wegen fehlender Abnahmemöglichkeiten ihre Windräder häufig abschalten mussten, halfen sie sich selbst: Ein Teil des Stroms soll im Dorf genutzt werden, entschieden sie. Dafür setzen sie auf E-Mobilität. Beide Windparks produzieren rund 20 Megawatt Strom. So viel, dass das immer noch leistungsschwache Leitungsnetz die Aufnahme immer wieder verweigert und die Energie nutzlos verpufft.

Deshalb fördern die Sprakebüller das Leasing von Elektroautos. 20 Stück und ein "Dörpsmobil", ein Auto, das sich die Dorfgemeinschaft teilt, rollen inzwischen über die Dorfstraßen und das Umland bis Flensburg. Für ausreichende Ladestationen sorgten die Sprakebüller ebenfalls. Ein Schnell-Lader für durchreisende E-Mobilfahrer wird gerade mit Landesförderung installiert.

Gut gerüstet für die Zukunft

Schnelles Internet soll es im kommenden Jahr geben, beim Bau der Fernwärmeversorgung für die Einwohner sind die entsprechenden Leerrohre bereits verlegt worden. Und um auch allen möglichen Zuzüglern eine Chance zu geben, im Dorf zu bauen, hat die Gemeinde einen Resthof im Ortskern gekauft. Er wird abgerissen und an seiner Stelle wird es Platz für zehn Grundstücke geben, einige davon für seniorengerechtes Wohnen. "Das ist unsere Entwicklungsreserve für die kommenden Jahre", sagt Nissen.

Junge Leute ziehen nach Sprakebüll

Damit das Dorf auch für junge Familien reizvoll bleibt, investierte die Gemeinde in Geh- und Radwege. Sieben Kilometer verbinden inzwischen die Häuser im Dorfkern, bilanziert der Bürgermeister zufrieden - denn das Konzept geht auf. Junge Leute ziehen wieder nach Sprakebüll. Ein Rückgang der Einwohnerzahlen ist hier kein Thema.

Perspektiven für Jung und Alt

Die Sprakebüller sehen sich gut gerüstet für die Zukunft. "Wir haben Perspektiven für junge Leute, wir haben die Mobilität auch für Ältere, etwa den Bürgerbus. Eine starke Dorfgemeinschaft, die von der Feuerwehr als kulturellem Träger des örtlichen Lebens getragen wird, macht hier vieles möglich", erklärt der Bürgermeister. Dass einer der ersten autonomen E-Busse in ihrer Region fahren wird, ist für die Macher im Dorf schon beschlossenen Sache. Zweifel an Zukunftstechnologien kennen sie nicht.

Gründung einer Bürgerstiftung

Und um ganz sicher zu gehen, haben die Sprakebüller aus Sorge vor einer Gebietsreform und der Angst, die Selbständigkeit zu verlieren, eine Bürgerstiftung gegründet. Sie wird mit Spenden aus den Bürgerwindparks finanziert und ermöglicht es der Gemeinde, kleinere Investitionen vorzunehmen, etwa den Spielplatz zu modernisieren. So ist auch Geld da, um das Ehrenamt oder den Sport zu fördern, oder in Notfällen Hilfe zu leisten.

Annelene Thomsen gehört zu den wenigen Senioren im Dorf. Auch sie nutzt die E-Mobilität mit einem eigenen E-Auto und einem E-Bike. Mit dem kurvt sie durchs Dorf und kümmert sich um die blühenden Beete in den öffentlichen Grünanlagen. Sie findet die Entwicklung prima.