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Häufig gestellte Fragen zum Usutu-Virus und zum West-Nil-Virus bei Wildvögeln

Staatskanzlei

Häufig gestellte Fragen zum Usutu-Virus und zum West-Nil-Virus bei Wildvögeln

Das Usutu-Virus (USUV) und das West-Nil-Virus (WNV) haben ihren Ursprung in Afrika, wurden jedoch in den vergangenen Jahren zunehmend auch in Europa nachgewiesen. Hauptwirte für die Erreger sind Wildvögel.

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Was ist das Usutu-Virus? Was ist das West-Nil-Virus?

Das Usutu-Virus (USUV) hat seinen Ursprung in Afrika und ist nach einem Fluss in Swaziland benannt. Lange galt der Erreger als Virus mit rein afrikanischer Bedeutung, jedoch wird er in den letzten Jahren zunehmend auch in Europa nachgewiesen.
Hauptwirte für den Erreger sind Wildvögel, wobei USUV über Stechmücken von Tier zu Tier übertragen wird (Vogel-Stechmücke-Vogel-Kreislauf). Während viele Wildvögel in der Regel nicht erkranken, sind aber auch sehr empfängliche Vogelspezies bekannt, die sich sehr leicht infizieren. Hierzu zählen vorrangig Amseln, aber auch Eulen und Käuze. Klinisch zeigen diese infizierten Vögel häufig Teilnahmslosigkeit und Störungen des zentralen Nervensystems wie Taumeln oder Kopfverdrehen, gefolgt von vielen Todesfällen.

Das West-Nil-Virus (WNV) ist eng verwandt mit dem USUV und stammt ursprünglich ebenfalls aus Afrika. Es wurde erstmals 1937 im West-Nil-Distrikt in Uganda festgestellt. Mittlerweile kommt es auf allen Kontinenten vor, wobei es in Europa erstmals Anfang der 1960er Jahre in Frankreich auftrat. 2018 wurde es erstmals in Deutschland nachgewiesen. Vögel unterschiedlichster Arten sind die Hauptwirte für das West-Nil-Virus und stellen das eigentliche Virusreservoir dar. Das Virus wird von infizierten Stechmücken auf Vögel übertragen. An diesen können sich wiederum nicht-infizierte Stechmücken infizieren und das Virus an andere Vögel weitergeben (Vogel-Stechmücke-Vogel-Kreislauf). Bei den meisten Vogelarten treten keine klinischen Symptome auf. Allerdings entwickeln Eulenarten und einige Greifvogel sowie teilweise Singvögel auch massive klinische Erkrankungen, die bis zum Tod der Tiere führen können.

Wo kommen das Usutu-Virus und das West-Nil-Virus vor und wie ist die aktuelle Lage?

In retrospektiven Studien konnte gezeigt werden, dass das USUV in Europa bereits 1996 vorkam. Als markant gilt der Erregereintrag 2001 nach Österreich, in dessen Folge es in den nachfolgenden Jahren zu einem massiven Vogelsterben, hauptsächlich unter Amseln, im Osten des Landes kam. In Deutschland wurde USUV erstmals 2010 in einem Mückenpool in Baden-Württemberg nachgewiesen. Im darauffolgenden Jahr wurde ein massives Vogelsterben im Bereich der nördlichen Oberrheinebene und in den benachbarten Gebieten der Pfalz und des Neckartales beobachtet. USUV breitete sich in den Folgejahren besonders in Südwestdeutschland unter Wildvögeln, vorrangig Amseln, aus. Auch zahlreiche Zoovögel, Eulenvögel in Volierenhaltung, waren betroffen. Im Jahr 2016 zeigte das USUV eine sehr starke Aktivität unter den Wild- und Zoovögeln mit deutlicher räumlicher Ausbreitung in weiten Teilen Deutschlands, gefolgt von teilweise massenhaftem Verenden in einzelnen Gebieten. Betroffen war hierbei vor allem Nordrhein-Westfalen. Die starke nationale Verbreitung in 2016 führte auch zu USUV-bedingten Todesfälle unter Wild- und Zoovögeln in den westlichen Nachbarländern, vorrangig in den Niederlanden, Belgien und im Norden Frankreichs. In 2018 wurde der bislang größte Ausbruch in Europa beobachtet, wo neben Deutschland auch die Schweiz, Frankreich und Österreich stark betroffen waren. In Deutschland wurden Nachweise in allen Bundesländern geführt.

Das WNV trat in Europa erstmals Anfang der 1960er Jahre in Frankreich auf. Bisher wurden vor allem aus süd- und südosteuropäischen Ländern Infektionen bei Mensch, Pferd und Vogel gemeldet. WNV kommt weltweit auf allen Kontinenten vor. In den USA trat es erstmalig 1999 auf und verbreitete sich in kurzer Zeit im ganzen Land und bis nach Kanada. In Deutschland wurde WNV erstmals Ende August 2018 bei einem Bartkauz aus Volierenhaltung in Sachsen-Anhalt festgestellt. Im Verlauf des Jahres wurde das Virus bei weiteren verendeten Wild- und Zoovögeln aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg, Berlin und Bayern nachgewiesen. In Schleswig-Holstein wurde das Virus bislang noch nicht detektiert. In 2018 wurde in Deutschland eine WNV-Infektion zudem bei zwei Pferden in Sachsen-Anhalt und Brandenburg festgestellt. Pferde können als sog. Fehlwirte auch infiziert werden und erkranken.

Wie gehe ich mit toten Vögeln um?

Bürgerinnen und Bürger können frisch tote Amseln sowie Eulen und Greifvögel zur Untersuchung auf USUV und WNV beim zuständigen Veterinäramt abgeben. Die Tiere sollten hierzu jeweils eingepackt sein (z.B. in einen Gefrierbeutel) und Fundort und –datum auf der Verpackung notiert sein. Es wird empfohlen die toten Vögel aus allgemeinen Vorsichtnahmen nicht mit bloßen Händen anzufassen und die Hände nach dem Einsammeln zu waschen. Eine Abholung der Vögel durch die zuständigen Veterinärämter oder das Landeslabor ist nicht möglich.

Zoos, Tierparks oder andere Einrichtungen mit gehaltenen Vögeln wird empfohlen, bei einem Verenden der Tiere diese auf USUV und WNV untersuchen zu lassen.

Stellt das Usutu-Virus oder das West-Nil-Virus für Haus- und Nutztiere eine Gefahr dar?

Zum USUV liegen bisher kaum belastbare Daten vor. Das Virus wurde schon bei Pferden und Nagern als sogenannte Fehlwirte nachgewiesen. Deren Krankheitsverlauf und Symptome sind jedoch noch unbekannt.

WNV kann zahlreiche Säugetierarten (unter anderem Hund, Katze, Ziege, Schaf, Fledermaus, Streifenhörnchen, Eichhörnchen, Kaninchen, Rentier und Wolf) infizieren, die jedoch keine bedeutenden Vermehrungswirte für das Virus darstellen und zumeist keine Krankheitssymptome entwickeln. Auch wenn die Mehrzahl der WNV-infizierten Pferde keinerlei klinische Symptomatik entwickeln, kann das Pferd als sogenannter Fehlwirt nach der Infektion massiv erkranken, ohne jedoch selbst als Ansteckungsquelle eine Rolle zu spielen. Einige Tiere reagieren mit deutlichen zentralnervösen Ausfallerscheinungen aufgrund von Meningitiden oder Enzephalitiden. Zu den klinisch auffälligen zentralnervösen Störungen zählen Stolpern, Nachhandlähmungen, Ataxien, allgemeine Schwäche, Muskelzittern und Lähmungen bis zum Festliegen der Tiere. Die erkrankten Pferde zeigen seltener fiebrige Allgemeinerkrankungen, die neurologischen Symptome überwiegen. Pferde mit klinischen Anzeichen können die Infektion zwar überleben, aber oft behalten bis zu 20 Prozent lebenslang neurologische Schäden zurück. Eine spezifische Behandlungsmöglichkeit existiert nicht, nur eine symptomatische Therapie ist möglich. Bei 22- 44 Prozent der infizierten Tiere kann die Erkrankung tödlich verlaufen. Prophylaktisch stehen in Deutschland zwei Pferde-Impfstoffe zur Verfügung. Die Stellungnahme der StIKoVet zur Immunisierung von Pferden gegen das West-Nil-Virus finden Sie unter: https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00017232/Stellungnahme_WNV-Impfung_Pferde_2018-10-22.pdf