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Ökologische Zustandsbewertung der größeren Seen in Schleswig-Holstein nach EG-Wasserrahmenrichtlinie

Staatskanzlei

Ökologische Zustandsbewertung der größeren Seen in Schleswig-Holstein nach EG-Wasserrahmenrichtlinie

Stand Dezember 2014

1. Nach welchen Prinzipien wird der ökologische Zustand bzw. das ökologische Potenzial von Seen bewertet?

Die Bewertung des ökologischen Zustands eines natürlichen Gewässers erfolgt anhand einer fünfstufigen Skala (sehr gut, gut, mäßig, unbefriedigend, schlecht). Das ökologische Potenzial eines künstlichen Gewässers wird hingegen nach einer vierstufigen Skala (gut und besser, mäßig, unbefriedigend, schlecht) bewertet. Die Zustandsbewertung erfolgt gewässertypspezifisch und bezieht als biologische Qualitätskomponenten das Phytoplankton, die Makrophyten, das Makrozoobenthos und die Fische ein. Die empfindlichste Lebensgemeinschaft mit dem schlechtesten Bewertungsteilergebnis bestimmt die Gesamtbewertung. Unterstützend werden die physikalisch-chemischen Orientierungswerte der LAWA hinzugezogen. Für den sehr guten Zustand werden zusätzlich hydromorphologische Komponenten bewertet. Des Weiteren wird der ökologische Zustand bzw. das ökologische Potenzial höchstens als mäßig bewertet, wenn die Umweltqualitätsnormen für die physikalisch-chemischen Orientierungswerte der LAWA oder spezifische synthetische und nichtsynthetische Schadstoffe überschritten werden.

2. Wie setzt sich die Bewertung des ökologischen Zustandes der schleswig-holsteinischen Seen zusammen?

Die Bewertung der berichtspflichtigen Seen stützt sich hauptsächlich auf die beiden trophie-indikativen Lebensgemeinschaften Phytoplankton (Mikroalgen) und Makrophyten (Unterwasservegetation). Für diese existieren fundierte und EU-weit abgestimmte Bewertungsverfahren, so dass der Großteil der natürlichen Seen anhand dieser beiden Qualitätskomponenten zuverlässig bewertet werden kann.

Bei dem Verfahren für Makrozoobenthos (wirbellose Tiere) sind weitere Anpassungen nötig, um eine plausible Bewertung für die Seen in Schleswig-Holstein zu gewährleisten. In einem bis 2015 laufenden bundesweiten Projekt sollen entsprechende Feinabstimmungen durchgeführt werden. Daher wird diese Lebensgemeinschaft zurzeit noch nicht bewertet.

Für die Fische gibt es im norddeutschen Tiefland zwei Verfahren, das SITE- und das TYPE-Verfahren. Das TYPE-Verfahren wurde für Schleswig-Holstein u.a. aufgrund der vorgegebenen Methode der Stellnetzfischerei als nicht praktikabel eingestuft. Das SITE-Verfahren wurde bisher in Schleswig-Holstein an ca. 40 % der größeren Seen getestet und zum Teil gemäß Experteneinschätzung korrigiert. Der ökologische Zustand der Fischfauna in natürlichen Seen wird nach den vorliegenden Erkenntnissen wesentlich durch den Trophiegrad beeinflusst. Für die bisher nicht bewerteten Seen wird daher davon ausgegangen, dass die Bewertung anhand der Fische nicht schlechter ausfällt als anhand des Phytoplanktons.

Für die Bewertung des Zustandes anhand der Hydrologie und der Morphologie werden derzeit bundesweite Bewertungsmethoden entwickelt, so dass diese zurzeit nur nach Experteneinschätzung beurteilt werden können.

Die Qualität der physikalisch-chemischen Bedingungen wird anhand von Orientierungswerten für Gesamt-Phosphor und Sichttiefe eingeschätzt (Orientierungswerte siehe http://www.wasserblick.net/servlet/is/42489, RAKON Teil B, Arbeitspapier II). An einigen Seen werden zusätzlich der Calcium-Gehalt (Großensee) bzw. die Leitfähigkeit (Großer Binnensee, Windebyer Noor) herangezogen.

Die prioritären Schadstoffe und die nicht-prioritären spezifischen Schadstoffe fließen ebenfalls in den ökologischen Zustand ein. Hierbei handelt es sich z.B. um bestimmte Arzneimittel und Pflanzenschutzmittel.

3. Wie erfolgt die Bewertung von See-Sondertypen?

Unsicherheiten bestehen bezüglich der Bewertung bei den Wasserkörpern, die einem Sondertyp natürlicher Seen angehören. In Schleswig-Holstein betrifft das zehn Gewässer, die den folgenden Sondertypen zuzuordnen sind:

  • elektrolytreiche Binnenseen der Ostseeküste (6 Strandseen),
  • dystrophe Seen (3)
  • (ehemals) kalkarme Seen (1)

Diese Gewässertypen treten bundesweit so selten auf, dass für sie über die LAWA keine gesonderten Bewertungsverfahren erarbeitet wurden. Generell werden daher die Bewertungsmaßstäbe angesetzt, die für den nächstähnlichen Seetyp, der mittels validem Verfahren bewertbar ist, gelten. Für die Makrophytenflora der Strandseen wurde in Schleswig-Holstein ein modifizierter, landeseigener Bewertungsansatz entwickelt.

4. Wie wird der ökologische Zustand der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen aktuell eingeschätzt?

Für die Erstellung des 2. Bewirtschaftungsplanes wurden im Dezember 2014 die 62 natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer 0,5 km² bewertet.

Die ökologische Zustandsbewertung ergibt unter Einbeziehung aller bis einschließlich 2012 vorliegenden Daten folgendes Ergebnis (siehe auch folgende Tabelle: Bewertung des ökologischen Zustandes der größeren natürlichen und künstlichen Seen Schleswig-Holsteins gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie - Tabelle 2014 (PDF 24KB, Datei ist nicht barrierefrei)

 Abbildung 1: Bewertung des ökologischen Zustandes der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer als 0,5 km² (n= 62 Seen). 2. Bewirtschaftungsplan, Datengrundlage: 2009 bis 2012. Abbildung 1: Bewertung des ökologischen Zustandes der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer als 0,5 km² (n= 62 Seen). 2. Bewirtschaftungsplan, Datengrundlage: 2009 bis 2012. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abbildung 1: Bewertung des ökologischen Zustandes der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer als 0,5 km² (n= 62 Seen). 2. Bewirtschaftungsplan, Datengrundlage: 2009 bis 2012. © LLUR

 Abbildung 2: Bewertung des ökologischen Zustandes der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer als 0,5 km² anhand der Makrophyten (n= 62 Seen). Datengrundlage siehe Abbildung 1. Abbildung 2: Bewertung des ökologischen Zustandes der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer als 0,5 km² anhand der Makrophyten (n= 62 Seen). Datengrundlage siehe Abbildung 1. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abbildung 2: Bewertung des ökologischen Zustandes der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer als 0,5 km² anhand der Makrophyten (n= 62 Seen). Datengrundlage siehe Abbildung 1. © LLUR

 Abbildung 3: Bewertung des ökologischen Zustandes der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer als 0,5 km² anhand des Phytoplanktons (n= 59 Seen). Datengrundlage siehe Abbildung 1. Abbildung 3: Bewertung des ökologischen Zustandes der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer als 0,5 km² anhand des Phytoplanktons (n= 59 Seen). Datengrundlage siehe Abbildung 1. (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) Abbildung 3: Bewertung des ökologischen Zustandes der natürlichen schleswig-holsteinischen Seen mit einer Seefläche größer als 0,5 km² anhand des Phytoplanktons (n= 59 Seen). Datengrundlage siehe Abbildung 1. © LLUR

Wie in Abbildung 1 dargestellt, wird nur der Selenter See mit "gut" bewertet. Ein Drittel der natürlichen Seen befindet sich in einem mäßigen Zustand. Aufgrund von Eutrophierungserscheinungen wurde bei fast der Hälfte der Seen ein unbefriedigender Zustand und bei 18 % nur ein schlechter Zustand festgestellt.

Vier Seen, die 2009 noch als "gut" eingeschätzt wurden, werden derzeit mit "mäßig" bewertet. Die Ursachen hierfür liegen zum einen in einer gegenüber 2009 verbesserten Datenbasis (Stocksee) und zum anderen in den natürlichen Schwankungen der Gewässerbiologie, die von einer möglichen Trendentwicklung in diesem kurzen Bewertungszeitraum noch nicht zu unterscheiden sind (Schluensee). Im Suhrer See blieb der biologische Zustand der Lebensgemeinschaften zwar gut, jedoch führte eine 2009 noch nicht erfasste PCB-Belastung des Sediments zur Abwertung dieses Ergebnisses. Im Schöhsee werden sensible Unterwasserpflanzen zunehmend durch Neophyten verdrängt, was derzeit eine Erreichung des guten Zustandes verhindert.

Ausschlaggebend für die Gesamtbewertung ist die Gewässerflora, wobei häufig die Makrophyten die empfindlichste Lebensgemeinschaft darstellen (Abbildung 2). Die Bewertung des Freiwassers anhand des Phytoplanktons zeigt ein etwas positiveres Bild (Abbildung 3). Anhand der Mikroalgen wurden immerhin 14 Seen mit "gut" und nur 2 mit "schlecht" bewertet.

Perspektivisch gesehen werden die Ziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie mittelfristig (bis 2021) nur an wenigen Seen erfüllt werden. Die meisten Seen werden das Ziel, den guten ökologischen Zustand zu erreichen, bis zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich verfehlen.

5. Wie wird das ökologische Potenzial der künstlichen schleswig-holsteinischen Seen eingeschätzt?

Für die Ableitung des ökologischen Potenzials der künstlichen Seen existiert deutschlandweit ein abgestimmtes Verfahren. Für das höchste ökologische Potenzial werden in der Regel die Referenzbedingungen desjenigen natürlichen Gewässertyps herangezogen, der am ehesten mit dem künstlich entstandenen Gewässer vergleichbar ist. Bewertet wird das Potenzial mit den biologischen Verfahren, die zunächst für natürliche Seen entwickelt wurden und später für künstliche Seen angepasst wurden.

Die künstlichen Seen an der Nordseeküste sind jedoch nicht ohne weiteres den natürlichen Seen zuzuordnen. Grund dafür ist der sehr nährstoffreiche Wattboden in den relativ jung eingedeichten Gebieten und der Einfluss des Nordseewassers. Salzwassereinfluss und ein hoher natürlicher Nährstoffgehalt ist bei keinem der bisher definierten Seetypen charakteristisch.

Daher wurde für die Potenzialbewertung dieser Seen folgende Vorgehensweise entwickelt:

  • Die Referenztrophie der nicht durchflossenen Seen in den Kögen liegt aufgrund der hohen P-Konzentrationen im Grundwasser im hypertrophen Bereich. Für die durchflossenen Westküstenseen werden die Orientierungswerte von den Fließgewässern der Marschen (Typ 22) herangezogen. Diese wurden bei allen durchflossenen See-Wasserkörpern eingehalten.
  • Eine Übertragung der Untersuchungsergebnisse von den zugeordneten Fließgewässer-Wasserkörpern hinsichtlich der flussspezifischen Schadstoffe ergab bei allen künstlichen Seen der Westküste keine Überschreitung der Umweltqualitätsnormen.

Mit diesen Vorgaben und unter Einbeziehung bestimmter Nutzungsaspekte (Hochwasserschutz, Naturschutz) wird das ökologische Potenzial für alle elf künstlichen Seen mit gut bewertet.

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