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Badedermatitis durch Zerkarien

© pixabay

Badedermatitis durch Zerkarien

Informationen zum Gesundheitsschutz

Vorkommen und Biologie der Zerkarien

Zerkarien sind kleine Larven von Saugwürmern (Trematoden) aus der Gattung Trichobilharzia, die vor allem in Teichen und Seen vorkommen. Ihr Überleben ist stets von sogenannten „Wirten“ abhängig, in deren Körper sie sich weiterentwickeln und vermehren können (Abb. 1). Erwachsene Saugwürmer, etwa 1-2 cm lang, leben in den Venen ihrer Endwirte (Enten und andere Wasservögel, Abb. 4). Ein Teil der von den weiblichen Würmern abgelegten Eier wird von Wasservögeln mit dem Kot ins Wasser ausgeschieden. Aus diesen entwickelt sich die erste Form von Larven, Mirazidien genannt. Mirazidien müssen sich innerhalb weniger Stunden eine Süßwasserschnecke wie beispielsweise Spitzschlammschnecken ( Abb. 2) als Zwischenwirt für ihre Weiterentwicklung suchen, da sie sonst zugrunde gehen.

In den Schnecken entwickeln sie sich über ein zweites Vermehrungsstadium (Sporocysten) zu den Gabelschwanzzerkarien ( Abb. 3). Diese verlassen bei Wassertemperaturen von mindestens 20 °C die Schnecken (Schwärmzeit) und suchen sich einen Endwirt.

Spitzschlammschnecke Abb. 2 Spitzschlammschnecke (Lymnea stagnalis) © pixabay

Die Überlebensdauer der Zerkarien im Wasser beträgt zwei bis drei Tage. Zur Wirtfindung halten sie sich überwiegend an der Wasseroberfläche auf, gelangen von dort aus auf den Endwirt und durchdringen dessen Haut. Dort wachsen sie zu Würmern heran, vereinigen sich paarweise und beginnen den Lebenszyklus von neuem. Bei optimalen Wassertemperaturen dauert der gesamte Zyklus circa 90 bis 110 Tage. Der Mensch ist für die Zerkarien ein Fehlwirt. Ein Befall kann nach dem Baden oder Waten in einem See oder Teich auftreten. Die Symptome sind zwar unangenehm, jedoch in der Regel ungefährlich. Das Krankheitsbild wird als Bade- oder Zerkariendermatitis bezeichnet und ist auch unter dem Namen „Wasserhibbeln“ bekannt. Die Hauptschwärmzeit der Zerkarien beginnt mit der Badesaison im Frühsommer und erreicht im Spätsommer einen zweiten Höhepunkt. Besonders nach Schönwetterperioden werden gehäuft Fälle von Badedermatitis registriert. Zerkarien können sich aber nur dort entwickeln, wo genügend Wasserschnecken als Zwischenwirte und Wasservögel als Endwirte vorkommen.

Erkrankungen durch Hautkontakt

Die Zerkarien werden durch chemische Signalstoffe der menschlichen Haut angelockt und dringen in diese ein. Sie werden aber bereits in der Haut durch das körpereigene Immunsystem abgetötet. Je nach individueller Immunabwehr der Betroffenen ist das Ausmaß der Symptomatik unterschiedlich. Der erste Kontakt verläuft meistens symptomlos. Es können aber auch nach wenigen Minuten bis zu einer Stunde leichter Juckreiz und Hautausschlag auftreten. In der Regel kommt der Ausschlag an Körperpartien vor, die nicht von der Badebekleidung bedeckt waren. Durch den Erstkontakt kann eine Allergie entstehen (Sensibilisierung), die bei erneuten Zerkarienkontakten neben den oben geschilderten Symptomen nach ca. 10-24 Stunden zu starken Hautreaktionen, der eigentlichen Badedermatitis, führen kann. Als weiteres Symptom kann ein stark juckender, knotig-fleckiger Hautausschlag auftreten, der über den ganzen Körper verteilt sein kann. In seltenen Fällen können außerdem Fieber und Schockzustände hinzukommen. In der Regel heilen die Hautveränderungen innerhalb von 10 bis 20 Tagen folgenlos ab.

Maßnahmen beim Auftreten einer Badedermatitis

Kratzen Sie Quaddeln nicht auf, da es sonst zu Entzündungen der betroffenen Hautbereiche kommen kann. Bei starkem Befall und Juckreiz kann die Einnahme von Antihistaminika und die Anwendung von kühlenden und antiseptisch wirkenden Gelen Linderung verschaffen. Bei schwerer Symptomatik suchen Sie bitte eine Ärztin oder einen Arzt auf.

Schwimmende Ente Abb. 4 Wasservögel als Endwirte für Zerkarien © pixabay

Vorsichtsmaßnahmen

Zerkarien besitzen einen komplizierten Entwicklungszyklus. Eine genaue Vorhersage gehäufter Vorkommen ist daher nicht möglich. Die Zerkarienzahl im Wasser kann sprunghaft ansteigen, wenn z. B. warmes Wetter auf einige kältere Tage folgt, was eine vermehrte Freisetzung von Zerkarien durch Schnecken zur Folge hat. Da Zerkarien aufgrund ihrer geringen Größe nicht mit bloßem Auge zu erkennen sind, fällt ihr vermehrtes Auftreten erst auf, wenn es bereits Fälle von Badedermatitis gibt. In pflanzenreichen Uferbereichen, in denen sich Wasserschnecken aufhalten, und in Bereichen, in denen viele Enten schwimmen, ist mit den meisten Zerkarien zu rechnen. Meiden Sie daher beim Schwimmen diese Bereiche besonders. Baden Sie nach Möglichkeit von einem Steg aus. Trocknen und reiben Sie den Körper direkt nach dem Baden gut ab, um die Anzahl von sich eventuell auf der Haut befindender Zerkarien zu verringern. Ein Duschen sollte erst anschließend erfolgen. Um das Auftreten von Wasservögeln an den Badestellen so niedrig wie möglich und auch eine Verschmutzung des Badegewässers durch Verkotung gering zu halten, gilt: Füttern Sie keine Enten und andere Wasservögel.

Das LAsD bittet um Rückmeldungen bei Auftreten von Erkrankungen durch Zerkarien in Schleswig-Holstein.

Bei Fragen zu Badegewässern und Gesundheit

  1. Zuständige Gesundheitsbehörde der Kreise und kreisfreien Städte

  2. Landesamt für soziale Dienste (siehe Kontaktbox)

Diese Fachinhaltsseite enthält den Inhalt des Faltblattes "Badedermatitis durch Zerkarien". Dieses steht Ihnen unter nachfolgendem Link auch zum Ausdruck zur Verfügung.

Faltblatt "Badedermatitis durch Zerkarien" (PDF 235KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Zur Information der Bevölkerung stellen die Gesundheitsbehörden an den betroffenen Badegewässern die Informationstafel "Zerkarien" (PDF 189KB, Datei ist barrierefrei/barrierearm) auf.

Kontakt

Landesamt für soziale Dienste

Dezernat Umweltbezogener Gesundheitsschutz
Brunswiker Straße 4
24105 Kiel
Telefon: 0431 988-4328 (Mo-Fr 8-16.00 Uhr)

Kontakt

Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren

Adolf-Westphal-Str. 4
24143 Kiel
Telefon: 0431 988-0
Fax: 0431 988-5416
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